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Schlagwort: Barock

Eleonor Bindman & Jenny Lin: Johann Sebastian Bach – The Brandenburg Duets (arr. Eleonor Bindman)

Von Johann Sebastian Bach sind weit über 1000 Werke bekannt. Ergibt es da wirklich Sinn, Bearbeitungen aufzunehmen oder gar neue zu erstellen? Die überraschende Antwort lautet: ja, sicher! Man verstehe mich nicht falsch: Natürlich gibt es jede Menge völlig sinnfreier, schlechter oder zumindest mittelmäßiger Bearbeitungen und Transkriptionen, die offenbar keinen anderen Sinn haben, als die Eitelkeit des Bearbeiters zu befriedigen (oder eines Interpreten, der unbedingt Bach auf seinem Instrument spielen will). Das bedeutet aber im Umkehrschluss nicht, dass es nicht überaus wertvolle und aufregend spannende neue (und historische) Bearbeitungen gibt, die es wirklich wert sind, entdeckt zu werden und die Bachs Œuvre durchaus bereichern.

Die lettisch-amerikanische Pianistin Eleonor Bindman hat eine neue Fassung der Brandenburgischen Konzerte zu vier Händen geschrieben, weil sie mit der von Max Reger erstellten nicht zufrieden war. Bei Reger besteht eine Diskrepanz zwischen dem hohen Primo-Part und dem tiefen Secondo-Part, der weite Teile der Polyphonie der Werke regelrecht verschluckt. Bindmans oberstes Ziel bei ihrer Transkription war es, eine Balance zwischen den beiden Parts herzustellen und somit Bachs polyphone Kontrapunktik klar und transparent abzubilden. Sie schreibt dazu im Booklet: »Mein Hauptziel war eine Übertragung, die die Polyphonie betonte. Dabei versuchte ich mir vorzustellen, wie Bach wohl die Partitur aufgeteilt hätte, wenn er vierstimmige Inventionen hätte arrangieren wollen.«
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Zhu Xiao-Mei: Johann Sebastian Bach – The French Suites

In unserem eurozentristischen Weltbild verdrängen wir oft, dass das, was wir „westliche Musik“ (ob ihrer Provenienz) nennen, in Wirklichkeit längst universelle Musik geworden ist. Die Werke der großen Komponisten Bach, Beethoven, Mozart usw. nur durch die nationale Brille sehen zu wollen, wäre zu kurzsichtig. Denn so wie Bach und alle anderen Komponisten stets den Einflüssen anderer Kulturen ausgesetzt waren, so beeinflusst die Musik die Menschen weit über die Grenzen hinweg. Die besten Interpreten, die man einst in der Heimat des Komponisten suchte, kommen heute aus aller Herren Länder: Bach-Spezialisten aus Japan, Beethoven-Experten aus Argentinien, Mozart-Interpreten aus Belgien, Wagner-Sänger aus Südkorea. Die Musik ist heute das, was sie von der Anlage immer war: wahrhaft international.

Als die chinesische Pianistin Zhu Xiao-Mei in die Wirren der maoistischen Kulturrevolution geriet, war sie jung, zu jung, um als „Wunderkind“ keinen Schaden zu nehmen. Sie bestand mit sechs Jahren die Aufnahmeprüfung zum Konservatorium, gab mit acht Jahren ihr erstes Konzert. Musik, speziell „westliche Musik“, galt aber damals in China als „bourgeois“, der Bauernschaft unnütz. Die junge Xiao-Mei wird von der Propaganda angesteckt eine glühende Rotgardistin und sie gerät in die Mühlen der Kulturrevolution. Sie bricht ihre Ausbildung ab, denunziert Lehrer und landet schließlich selbst in einem Umerziehungslager. Genau dort, zwischen harter Arbeit, psychologischer Gehirnwäsche und politischer Indoktrinierung entdeckt sie ihre Liebe zur Musik wieder, speziell zu Bach. 1974 kehrt sie nach Peking zurück, gibt 1976 wieder Konzerte und flieht 1980 über Hongkong in die USA, vor dort aus geht sie 1985 nach Frankreich. Ihre Autobiografie „Von Mao zu Bach. Wie ich die Kulturrevolution überlebte“ liest sich wie ein Roman und doch ist es die wahre Lebensgeschichte der Pianistin.
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Julia Fischer: Johann Sebastian Bach – Sonatas and Partitas BWV 1001–1006

Als Julia Fischer 2004 sämtliche Sonaten und Partiten für Violine solo (BWV 1001–1006) von Johann Sebastian Bach in der Doopsgezinde Singelkerk in Amsterdam für das audiophile Label Pentatone aufnahm, war sie gerade einmal 21 Jahre alt. »Geduld war selten meine Stärke«, meint sie dazu lakonisch im Booklet und fügt hinzu: »Schließlich hatte ich bereits seit einigen Jahren auf eine Aufnahmegelegenheit für diese Werke gewartet.« An Selbstvertrauen angesichts dieses Monuments der Violinliteratur mangelte es der jungen Geigerin wahrlich nicht. Und freilich war Julia Fischer nicht irgendeine Nachwuchsviolinistin. Sie galt damals schon als das größte Talent ihrer Generation und war bereits unter internationalen Spitzendirigenten und mit Weltklasse-Ensembles aufgetreten. Ihr Pentatone-Debüt war keine jugendliche Selbstüberschätzung, sondern Ausdruck ihrer außergewöhnlichen Fähigkeiten.
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Kuniko: Bach – Solo Works for Marimba

Die japanische Perkussionistin Kuniko (ihren Nachnamen Kato führt sie als „Stagename“ nicht) gehört zu einer neuen Generation von Künstlern und Künstlerinnen, die Musik außerhalb der gängigen Schubladen begreifen und sich sowohl dem Gehalt der Musik verpflichtet sehen, wie der Möglichkeiten der künstlerischen Umdeutung und Umformung. Ihr Instrument, die Marimba, ist keines, für das es ein großes klassisches Werk gäbe. Die Notwendigkeit sich ein eigenes Repertoire zu schaffen, sprich zu transkribieren, ist also fast immer der Ausgangspunkt im schöpferischen Prozess der Japanerin.
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Ensemble L’Arte della Fuga: Johann Sebastian Bach – Die Kunst der Fuge – in der Fassung von Hans-Eberhard Dentler

Nahezu jedes unvollendete Werk eines großen Meisters birgt ein Geheimnis in sich: Wie hätte der Komponist das Stück zu Ende geführt und – im Falle „Der Kunst der Fuge“ Johann Sebastian Bachs – für welche Besetzung ist das Werk intendiert? Bereits kurz nach dem Tode Bachs begannen die Spekulationen und sind bis heute Gegenstand akribischer Studien und mitunter kontrovers geführter musikwissenschaftlicher Diskussionen. Eine abschließende Antwort kann es natürlich nicht geben – das liegt in der Natur der Dinge.
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Ann-Helena Schlüter: Johann Sebastian Bach – Das Wohltemperierte Klavier I

An Aufnahmen des „Wohltemperierten Klaviers“ von Johann Sebastian Bach mangelt es wirklich nicht. Freilich, bei solch einem Meilenstein der Klavierliteratur ist es schon verständlich, dass sich immer wieder neue Generationen an Interpreten daran abarbeiten. Gleichzeitig stehen die jungen Musiker und Musikerinnen vor einem Dilemma: Es scheint jedes Geheimnis gelüftet, jeder wissenschaftliche Ansatz umgesetzt, jede Variante ausgelotet. Was kann man in Zeiten allgegenwärtiger spieltechnischer Perfektion tun, um sich als Interpret aus der unübersichtlichen Masse an Musikerkolleginnen und -kollegen hervorzutun?
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