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Aus den Archiven des SWR: Jazz-Legende Kenny Werner solo

Kenny Werner, der 1951 in Brooklyn geborene Pianist, gehört ohne Frage zu den innovativen Jazz-Pianisten der vergangenen Jahrzehnte. Immerhin war er einer der ersten, die sich wagten, sich den Jazz-Standards aus dem „Great American Songbook“ auf solistische Weise zu nähern, wie es erst in den späteren 2000er Jahren wieder aufgegriffen wurde. Doch als er sich – nach vielem Nachdenken darüber, wie man sich improvisatorisch weiterentwickeln kann – 1992 auf die Bühne des Studiosaals im Funkhaus Stuttgart des SWR (früher SDR) begab, um ein Solokonzert zu spielen, waren genau diese Gedanken längst zu einem neuen Konzept gereift. Die meisten Titel dieses Konzerts stammen aus dem Great American Songbook oder waren längst Jazz-Standards. Und Werner wagt es, diese bekannten Melodien als Grundlage für seine Freiheiten zu nutzen. Nachdem die Jazzwelt immer nach neuen Ausdrucksformen gesucht hatte, war Werner einer der ersten, die sich in den frühen 1990er Jahren auf das Traditionelle zurückzubesinnen nicht fürchtete, um es mit dem Moment des frei Improvisatorischen zu verbinden.

Dabei konzentriert sich Werner vor allem auf die Freiheiten der harmonischen Ideen, wenn er Jerome Kerns ewigen Song-Klassiker „All the Things You Are“ neue Impulse gibt oder Bill Evans’ zu diesem Zeitpunkt bereits als Jazz-Standard zu bezeichnenden „Blue in Green“ spannende Aspekte hinzufügt, ohne dabei epigonal dem Vorbild nacheifern zu wollen. Werner ist ein durchweg originärer Gestalter, der sich hier als einer der frühen Jazzpianisten zeigt, die sich an die großen Songbook-Lieder wagen, die sich trauen, zurückzublicken, ohne dabei das Neue und das spannende Moment der Improvisation zu negieren oder weniger zu bedenken.

Nun hat Naxos auf seinem Label SWR Jazzhaus genau dieses Konzert vom 10. Juni 1992 in der Stuttgarter Reihe „Treffpunkt Jazz“ in der Serie „Piano Heroes“ auf zwei 180-Gramm-Vinyl-LPs dem Vergessen entrissen. Zu lange bereits schlummerte dieser Konzertmitschnitt in den Archiven des SWR. Und nun kann man sich gehen lassen, kann sich treiben lassen in der Ideenwelt von Kenny Werner, der vielleicht einer der großen Lyriker im Jazz ist, die aus der alten Tradition erwachsen sind.

Dass zu dieser Doppel-LP auch ein kostenfreier Download gehört heute bereits zum Standard bei Vinyl-Veröffentlichungen. Auf diese Weise kann man dieses Konzert auch unterwegs genießen.

Das Album gibt es nur als haptische CD, nicht digital, u.a. hier.

Veröffentlicht inAlben vorgestellt

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