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Violinistin Tianwa Yang auf neuem Höhepunkt interpretatorischer Größe

Heutzutage gehört es zum Standardrepertoire jedes großen Geigers: Das Violinkonzert Op. 77 von Johannes Brahms. Doch die Entstehung war für den Pianisten Brahms nicht allzu leicht. Hatte er ein viersätziges Konzert für seinen Freund, den großen Geiger Joseph Joachim, geplant, so änderte er es bald in die klassischen Dreisätzigkeit um. Zudem bat er Joachim, ihm Änderungsvorschläge zu machen, was dieser tat und wodurch es zu beständigen Änderungen kam. Die Schwierigkeiten, die dieses Konzert bereithält, sind trotz der Änderungen immer noch immens. Und es verwundert heute, dass Weltklasse-Geiger wie Pablo de Sarasate oder Hneryk Wieniwaski aus unterschiedlichen Gründen die Aufführung dieses Werk vermieden.

Tianwa Yang ist von einem ganz anderen Kaliber: Nachdem sie bereits beachtliche Erfolge und Reaktionen von Presse und Publikum mit ihren CD-Einspielungen mit Werken von Ysaÿe, Mendelssohn, Wolfgang Rihm oder Lalo einstreichen konnte, widmet sie sich nun dem grandiosen Violinkonzert von Johannes Brahms. Und mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin und dem polnischen Dirigenten Antoni Wit hat sie erfahrende Mitstreiter. Das hilft, macht die Interpretation diesen Giganten der Violinliteratur aber nicht leichter für die Solistin. Und wie Tianwa Yang dieses durch unzählige Einspielungen fast schon überinterpretierte angeht, erstaunt doch. Mit viel Ruhe, mit brillanter Direktheit und einem Sinn für die unterschiedlichen Ausprägungen der Aussagen findet sie zu einem Spiel, das in jeder Sekunde spannungsgeladen ist. Antoni Wit kennt dieses Werk wie seine Westentasche und kann die Solistin vollauf unterstützen mit den von der Solistin deckungsgleichen Interpretationsideen. Der lange Kopfsatz mit seinen agogischen Finessen zwischen Schwelgerei, ausufernden Lamenti und hochromantischen Ausbrüchen bietet der Geigerin eine Spielwiese für all ihr Können, das sie hier so bestechend zu großer Interpretation nutzt, dass man ihr endgültig und zweifelsfrei das Prädikat „eine der ganz Großen“ verleihen kann. Denn trotz aller emotionalen Ausdruckwelten, die sie an den Tag legt, wirkt ihr Spiel transparent und entschlackt, ohne den üblicherweise unnatürlich-übertriebenen persönlichen Gestus, den viele andere Geiger an den Tag legen. Dazu ist der Respekt Yangs gegenüber der Natürlichkeit der Musik zu groß. Es ihr hier nicht um sie selbst, sondern um das Werk!

Dass sie zudem mit dem deutschen Cellisten Gabriel Schwabe auch noch das Brahms’sche Doppelkonzert für Violine, Cello und Orchester mit ebenso großer Emphase gemeinsam mit ihren Mitstreitern gestaltet, zeichnet ein nochmals schärferes Bild dieser Ausnahmegeigerin. Hier spielen alle auf Augenhöhe und brillieren in einer Interpretation, die etliche mit bekannteren Solisten durchaus in den Schatten stellt.

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