Zum Inhalt

Salzburg schauen

Jedes Jahr versammelt sich in Salzburg – ausgerechnet während der heißen Sommerzeit, wenn in der von Bergen umgebenen Stadt die Luft steht – die musikalische Weltelite, um ein Festival zu feiern, das alle Facetten von Theater, Musik, Show und großer Momente in sich vereint. Für viele Musikliebhaber ist Salzburg zur Festivalzeit ein mindestens so attraktiver Pilgerort wie Bayreuth für die Wagnerianer. Doch nicht immer kann man in dem vollen Programm des Festivals in der österreichischen Geburtsstadt von Mozart alle Konzerte besuchen, erhält man nicht für jedes Konzert leicht eine Eintrittskarte.

Was also tun? Nun, am besten man schafft sich die nun erschienene Video-Box mit sechs Blu-rays an, die einige der Salzburger- Festival-Highlight-Konzerte der Jahre zwischen 2007 bis 2013 dokumentiert. C Major ist es gelungen, diese von unterschiedlichen Trägern aufgezeichneten Konzerte zu einer Box zusammenzufassen. Und man hat natürlich die Konzerte der großen Interpreten ausgesucht, die man aufzeichnen wollte, denn immerhin sind zum Großteil auch die Sendeanstalten ZDF, ORF, 3SAT und arte an den Aufzeichnungen beteiligt gewesen: Vor allen anderen sind es Pierre Boulez und Daniel Barenboim.

2007 war es Daniel Barenboim, der am Pult stand, um das von ihm initiierte West-Eastern-Divan-Orchestra zu leiten. Und mit Werken von Beethoven (Leonoren-Ouvertüre), Arnold Schönberg (Variationen für Orchester Op. 31) und der großen 6. Sinfonie von Peter Tschaikowsky beweist er die Vielfältigkeit und Schlagkraft des Orchesters unter seiner erfahrenen Leitung.

Ein Jahr später sitzt Barenboim dann am Flügel und hat dem großartigen Pierre Boulez die Leitung der Wiener Philharmoniker überlassen. Nachdem dieser mit Maurice Ravels „Valses nobles et sentimentales“ gezeigt hat, wie ein großer und ebenso umsichtiger Dirigent mit reduzierten Werken ein Orchester dieser Qualität führen kann, setzt sich Daniel Barenboim für das selten aufgeführte Klavierkonzert Nr. 1 von Béla Bartók an den Flügel. Und dieses großartige Gespann macht aus diesem Werk der klassischen Moderne ein agitatorisches Highlight des Konzerts. In dieser Zusammenstellung ist dies Konzert nur selten erklungen – und zu sehen! Und dass Boulez dann noch Strawinskys „L’Oiseau de feu“ (Feuervogel-Suite) folgen lässt, ist programmatisch nur konsequent und wirft einen Blick auf die Entwicklung der Musik.

Ein Jahr später, 2009, ist es der grandiose Nikolaus Harnoncourt der am Pult auf der Bühne des Großen Festspielhauses vor den Wiener Philharmonikern steht. Und selbstredend wählt er ein Programm, das zu Österreich und seinen Vorlieben und Erfahrungen passt: Sechs Deutsche Tänze von Franz Schubert in der Orchesterversion von Anton Webern, Werke von Johann Strauß und Schuberts „Große Sinfonie“ Nr. 5.

Wie eine teilweise Hommage an den früheren Auftritt von 2009 unter Pierre Boulez wirkt dann die Werkauswahl, die Daniel Barenboim 2010 in Salzburg trifft. Wieder sind es die Wiener Philharmoniker, vor denen er steht. Auch wenn er selbst erst einmal am Flügel in Beethovens Klavierkonzert Nr. 4 Platz nimmt, um die Leitung von dort aus zu übernehmen, lässt er Pierre Boulez „Notations“ I–IV und Nr. VII folgen. Schon hier zeigt sich, wie offen die Programme der Salzburger Festspiele gestaltet sind, wie man Neues mit Traditionellem verbindet, ganz in der Tradition dieser Festspiele und der Geschichte Österreichs für die Musik. Am Ende dieses Konzerts steht das große „Te Deum“ von Anton Bruckner auf dem Programm. Und die Sängerriege kann sich auch hören lassen: Dorothea Röschmann, Elina Garanca, Klaus-Florian Vogt und René Pape sind es.

Und wieder ist es 2011 ein Führungswechsel zu Pierre Boulez vor den Wiener Philharmonikern, nun mit Alban Bergs Suite aus dessen Oper „Lulu“ und Gustav Mahlers Zyklus „Das klagende Lied“. Welch ein Konzert! Großartig und offenbarend sind diese Interpretationen!

Als fünfte DVD dann ein Blick in die Zukunft – hin zu einem Gastauftritt des National Children’s Symphony Orchestra of Venezuela, das sich aus der Initiative „El Sistema“ aus Straßenkindern zu einem Klangkörper geformt hat. Und kein geringerer als Sir Simon Rattle steht 2013 am Pult, um die Kinder Werke von Gershwin, Ginastera, Mahler und Bernstein mit solch einer Lust und Freude am Musizieren spielen zu lassen, dass dem Zuschauer die Bedeutung von Musik auch für diese Kinder offenbart wird. Auf derselben Blu-ray dann noch ein Auftritt des „Chors der weißen Hände“. Es ist der erste Auslandsauftritt dieses Kinderchores. Das einführende Porträt des Chors ist gut und wichtig: Denn das Besondere an diesem Chor: Er besteht aus Kindern mit Behinderung, zu Teil auch gehörlosen Kindern, die dann weiße oder bunte Handschuhe tragen, um mittels Gestik die Musik zu unterstützen. Es ist eine beeindruckende Aufführung dieses wohl weltweit einmaligen Chors. Denn auch hier steht die Musik und die Liebe am Singen und am Ausdruck dieser im Vordergrund.

Dieses Blu-ray-Set ist ein Muss für jeden Musikliebhaber, der in Salzburg diese Konzerte nicht live erleben konnte – denn für jeden Musikgeschmack ist etwas dabei. Dass die Bildregie und der großartige Klang keine Wünsche offen lassen, versteht sich von selbst …

Auf naxos.de findet man verschiedene Bezugsquellen für die DVDs und Blu-rays.

Veröffentlicht inAlben vorgestellt

Schreibe den ersten Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.