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Ein Fest für die Ursprünge – The Elora Singers mit „Songs of Folk and Lore“

Geht man den Ursprüngen der Briten sowie ihrer früheren Kolonien Amerika und Kanada nach, so stößt man unweigerlich auf den Gesang. Und mögen die heutigen Unterschiede dieser Nationen auch noch so groß sein, so haben sie sich alle eines bewahrt: Die Rückbesinnung auf die eigene Identität. Dieser folgend, haben sich gerade im 20. Jahrhundert – in Zeiten von Krisen und Konflikten – viele Komponisten wieder an die Ursprünge erinnert und sie in Chorgesängen verarbeitet. Genau diesem Repertoire widmet sich der wunderbare kanadische Kammerchor „The Elora Singers“ nun unter der Leitung ihres Gründers Noel Edison. Einmal unabhängig davon, dass dieser Chor, der sich 1980 während des jährlich stattfindenden Elora Festivals im kanadischen Bundesstaat Ontario (knapp 100 Kilometer von der Hauptstadt Toronto entfernt) gründete, ein unfassbar geschlossenes wie durchsichtiges Klangbild abliefert, ist dieses Repertoire, das nun unter dem Titel „And so it goes“ beim Label NAXOS erscheint, eindringlich und berückend zugleich.

Da gibt es natürlich kanadisches Liedgut wie die „Five Ontorio Folk Songs“, die Ruth Watson Hernderson (* 1932) 1990 für die Elora Singers so geschickt arrangierte, dass dem Zuhörer ein Schauer über den Rücken läuft. Auch Derek Haeleys „Danse, Mon Moin, Danse!“ atmet die Einfachheit und gleichzeitige Härte der frühen Prärie Kanadas. Alles ist – neben den ursprünglichen und eingängigen Melodien – verpackt in einen modernen Chorgesang, mit kleinen Ecken und Kanten, den die Elora Singers so perfekt zu interpretieren verstehen, dass man sich zwischen alter und neuer Zeit wiederfindet.

Dass es auch in England und Schottland derartige Rückbesinnungen auf altes Liedgut gibt, ist fast eine Selbstverständlichkeit für das Bewusstsein der in diesen Ländern wirkenden Komponisten. So besingt „We’ll Gather Lilacs“ des walisischen Komponisten und Schauspielers Ivor Novello (1893–1951) mit der wunderbaren von Leslie De’Ath ausgestalteten Klavierbegleitung die Highlands der britischen Insel. Dass dabei auch das traditionelle „Auld Lang Syne“ nicht fehlen darf (hier im Arrangement von Iain Farrington) zeigt die emotionale Bedeutung dieses heutzutage nur mehr zu Neujahr gesungenen Lieds für alle diese Länder. Aber man findet auch drei auf Shakespeare zurückgewandte Chorstücke von Ralph Vaughan Williams, einem der Begründer des britisch-nationalen Stils der Moderne. Hier nun schlägt sich die Suche nach erweiterter Harmonik nieder, die aber so famos in seinen Details vom kanadischen Chor gemeistert wird, dass man fasziniert zuhört.

Dass dann dem Album auch noch der den Titel verleihende Song „And so it goes“ des Popsängers Billy Joel von dessen 1989 erschienenem Album „Storm Front“ gegen Ende des Programms vertreten ist, zeigt die Bandbreite der Rückbesinnung, die nicht nur die Elora Singers geschickt auf einem Album verbinden und deren Identitätsbewahrung selbst in die Popwelt eingegangen ist.

Ein berückend schönes, ein spannendes Album, das die mehrfach für den GRAMMY nominierten Elora Singers bei NAXOS vorlegen.

Auf naxos.de findet man verschiedene Bezugsquellen für das Album, digital und physisch.

Veröffentlicht inAlben vorgestellt

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