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Roger Norrington mit Dvorák zum 85. Geburtstag

Es ist kaum zu glauben, aber einer der Pioniere für die historisch informierte Aufführungspraxis, der Brite Roger Norrington, der als Nachfolger solcher Größen wie Sir Neville Marriner galt, wird in diesem Jahr bereits 85 Jahre alt. So erinnert man sich gerne an seine großen Zeiten und Erfolge. Ab 1998 hatte er das Chefdirigat des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart übernommen und hat mit diesem Orchester über die Jahre hinweg bis zu seinem Weggang 2011 einen ganz speziellen Klang kreiert, der auch gerne als „Stuttgart Sound“ bezeichnet wird. Was dies bedeuten sollte? Nun, Norrington, der sich intensiv mit historischer Aufführungspraxis beschäftigt hatte, formte einen Orchesterklang, der wie eine Mischung aus historischem Spiel und einem modernen Orchesterklang wirkte. Weniger Vibrato, flotte Tempi und eine besondere Aufstellung der Instrumente im Orchester waren die Folge. Und das wirkte, vor allem auf ein angestammtes Publikum, das den fetten Orchesterklang eines Karajan und anderer Dirigenten dieser Ära noch im Ohr hatte.

Dass Norrington natürlich nicht im Repertoire des Barocks oder der Klassik haften blieb, verstand sich mit diesem Stuttgarter Klangkörper von selbst. Wie schön und spannend diese Art des Musizierens sich auf die große romantische Musik auswirken konnte, zeigt nun die Wiederveröffentlichung der 9. Sinfonie von Antonín Dvorák. Diese im Juli 2008 in der Stuttgarter Liederhalle festgehaltene Einspielung zeigt dies beispielhaft und wunderbar. Denn auch das, was beim ersten Hören vielleicht noch „normal“ wie großes Sinfonieorchester klingt, erscheint bei genauerem Hören wie ein Blick in die Seele Dvoráks, eine mikroskopische Sicht in die Schichten der Schreibweise des Komponisten, beeinflusst von den Erlebnissen in den USA. Der Klang „aus der neuen Welt“ kommt vielleicht besonders im lyrischen, zweiten Satz zum Tragen, wo die Streicher die Kantilenen der Bläser wie ein Klangteppich begleiten, um dann selbst die Themen fast vibratolos zu übernehmen. Welt eine faszinierende Klangwelt wird hier offenbart … Und die Nähe zu Beethoven’schen Aussagen im dritten Satz sind einfach so viril und mit Effekt vorgetragen, dass man über ältere Aufnahmen fast nur lächeln kann, die niemals dieses Feuer und diese Wucht erreichen können, wie das Stuttgarter Radio-Sinfonieorchester unter Norrington.

Gleiches gilt für die sogenannte Karneval-Ouvertüre, in der sich Dvorák nun böhmischen Volksmusikvorlagen nähert.

Happy Birthday Roger Norrington und danke für diese und alle anderen Einspielungen mit diesem von Ihnen so wunderbar geformten Orchester!

Auf naxos.de findet man verschiedene Bezugsquellen für das Album.

Veröffentlicht inAlben vorgestellt

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