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Erinnerungen an Hans Rosbaud mit Brahms in Baden-Baden

Auch wenn der Name des österreichischen Dirigenten Hans Rosbaud unweigerlich mit dem Namen des Südwestfunk-Orchesters Baden-Baden verbunden ist, so hat er doch weniger Aufnahmen hinterlassen, als man für einen Chefdirigenten eines Rundfunk-Orchesters annehmen könnte. Dies lag unter anderem daran, dass Rosbaud zum einen recht anspruchsvoll war, wenn es um die Qualität der von ihm geleiteten Musik ging, zum anderen auch daran, dass seine Rundfunkeinspielungen meist noch in Mono eingespielt wurden, die Schallplattenindustrie aber längst auf das Stereo-System umgestellt hatte. Erst heute, nach und nach, werden seine Aufnahmen aufgearbeitet und man stellt fest, wie gut diese Mono-Einspielungen klingen. Und dass er – entgegen der lange vorherrschenden Meinung, dass er ein Spezialist für die Moderne war (wohl vor allem, da er sich für die Musik von Pierre Boulez und andere einsetzte), zeigt sich, wie berauschend seine Aufnahmen der großen romantischen Musik sind. So kann man dies auch bei den Brahms-Aufnahmen dieser neuen Box des Labels SWR Classics, das nach und nach seine Einspielungen aus den Archiven an die Oberfläche holt, feststellen. Überhaupt gehörte das sinfonische Schaffen von Brahms – neben dem von Mozart – zu den Hauptgebieten von Rosbauds Wirken.

Es sind Aufnahmen aus den Jahren 1950–1962, die hier in der 6-CD-Box vorliegen und nicht nur die Sinfonien von Johannes Brahms in der Rosbaud’schen Interpretation wiedergeben, sondern auch die beiden Serenaden und die beiden Klavierkonzerte des großen Romantikers.

Und hier hört man (wieder), was Rosbauds Ideale ausmachte: Strenge und Strukturarbeit bilden die Abbilder seiner Tätigkeit. Dass er dabei von den Orchestermusikern eine unerbittliche Disziplin forderte, wird irgendwie auch auf Tonträger hörbar. Das bedeutet nicht, dass die Interpretationen nicht auch emotional geladen sind – und dennoch verbreiten sie den Duktus von harter Arbeit im Sinne des Komponisten. Bei Brahms passt dies für seine Sinfonien perfekt. Dass Rosbaud die 1. und die 3. Sinfonie gleich zwei Mal einspielte. Dabei hört man auch wie sich Rosbauds Ideen veränderten. Bei den frühen Aufnahmen des gesamten Sinfonien-Zyklus arbeitet er vor allem auf struktureller Ebene, stark an der Kontrapunktik und den Details interessiert. Später ist es vor allem der große Bogen, der Zusammenhalt innerhalb der Sätze, was ihm wichtig erscheint. Diese Aufnahmen sind zum einen von großartiger klanglicher Qualität – Mono oder nicht, man hört jede Nuance aus dem Orchester. Und dass Rosbaud dann noch die beiden Klavierkonzerte mit solch famosen Pianisten-Stars wie Walter Gieseking (1. Konzert von 1950) und Géza Anda (2. Konzert von 1958) interpretiert zeigt nicht nur noch einmal mehr den Stellenwert dieses Dirigenten und des Orchesters in dieser Zeit, sondern auch, welche Künstler sich gerne von den immensen Kenntnissen Hans Rosbauds inspirieren lassen wollten und damit unwiederbringliche Aufnahmen schafften, die bis heute eine Gültigkeit besitzen, wie es nur wenige Aufnahmen können.

Auf naxos.de findet man verschiedene Bezugsquellen für das Album.

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