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Referenzeinspielung der beiden letzten Mozart-Sinfonien

Die Aufnahmen sämtlicher Sinfonien von Felix Mendelssohn Bartholdy mit der NDR Radiophilharmonie unter ihrem Chefdirigenten Andrew Manze war schon ein Paukenschlag auf dem Label Pentatone. Nun widmet Manze sich mit seinem Orchester, das er seit 2014 leitet, den beiden letzten Sinfonien Wolfgang Amadeus Mozarts. Und wie schon bei den Mendelssohn-Sinfonien sind diese letzten Äußerungen Mozarts zum Thema Sinfonie so berauschend entschlackt und befreit von jeder romantisierenden Idee, dass man meint, man höre sie zum ersten Mal und vollkommen neu. Manze, selbst als Barockviolinist ausgebildet und durchaus vertraut mit dem historisierenden Zugang einer Interpretation, kann die Transparenz und die dramatische Schlagkraft dieser so oft gehörten Werke derartig brillant ausarbeiten, so dass man kaum glauben kann, dass hier ein Sinfonieorchester agiert. Doch nach den Jahren der Leitung unter Andrew Manze vermag sich die NDR Radiophilharmonie vollauf auf die akzentuierte Spielweise einlassen, kann der kaum vergleichbaren inneren Dramatik der Sinfonie g-Moll Nr. 40 folgen. Mozart hatte gerade mit dieser Sinfonie vollkommen Neues geschaffen, denn man wird im ersten Satz sogleich in eine vorwärtsdrängende Agogik hinein gesogen, die im Verlaufe den Hörer immer wieder mit harmonischen Wechseln erstaunt. Der langsame zweite Satz wird von Manze so geschickt aufgebaut, dass man die Kontrapunktik so deutlich wahrnimmt wie kaum jemals zuvor. Manze verbindet das entschlackte und transparente Spiel des Orchesters mit der Schlagkraft des großen Klangkörpers.

In der großen „Jupiter“-Sinfonie Nr. 41 C-Dur kann diese Aufnahme dann mit brillanten Anklängen an das Opernschaffen Mozarts anknüpfen. Diese Einspielung zeigt auf, wie modern Mozart – auch nach dem sicherlich bemerkenswerten sinfonischen Erstling von Beethoven – schrieb, dass er seiner Zeit voraneilte. Man mag noch so viel philosophieren, was er wohl danach noch geschrieben haben würde – letztendlich sind diese beiden Sinfonien die letzten Aussagen der Salzburger Genies zum Thema Sinfonie. Und mit dieser neuen Einspielung, die auch klanglich Maßstäbe setzt, wird Mozarts sinfonisches Schaffen in ein neues Licht gerückt. Andrew Manze und der NDR Radiophilharmonie ist mit dieser Einspielung eine Referenzaufnahme gelungen, an der sich andere in Zukunft messen lassen müssen.

Auf naxos.de findet man verschiedene Bezugsquellen für das Album.

Veröffentlicht inAlben vorgestellt

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