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Wolfgang Rihm – Musik für Violine und Orchester Vol. 1

Es scheint logisch für eine Geigerin mit dem Interesse und dem Profil wie Tianwa Yang, dass sie nun die Werke für Violine und Orchester von Wolfgang Rihm (* 1952) einspielt. Denn nachdem sie bereits vielfach gezeigt hat, dass sie im Kernrepertoire der Geigenliteratur ebenso zu Hause ist wie im romantischen Repertoire, hat sie sich bereits dem deutschen großen Komponisten Rihm mit einer Einspielung sämtlicher Werke für Violine und Klavier (8.572730) gewidmet. Die Begeisterung für die Schreibweise Rihms ist geblieben und so hat sie sich nun vorgenommen sämtliche Werke für Violine und Orchester einzuspielen, so dass die vorliegende CD nur ein Beginn ist. Allerdings einer, der sogleich einen wunderbaren Überblick über den Facettenreichtum und die Veränderungen im Schaffens Rihms gibt.

Am Beginn des Programms steht das „Dritte Musik“, wobei es sich um das dritte Werk Rihms für Violine und Orchester handelt wie der Titel schon vermuten lässt. Geschrieben hat Rihm es 1993 im „Andenken meines Freundes Kurt Kocherscheidt (1943–1992) […], dessen Malerei ich – vom Grundklang bis zum Oberflächengeräusch – viel ablauschte“ wie Rihm selbst schrieb. Wer aber bei diesem Werk nun eine Trauermusik im konventionellen Sinne erwartet wird enttäuscht – sonst wäre es nicht Wolfgang Rihm. Mit fast schon farblichen Eindrücken wird die Solovioline der Bläserbesetzung des Orchesters – erweitert durch Klavier, Harfe und Akkordeon – gegenübergestellt. Und Tianwa Yang bildet von Anbeginn mit den Musikern der Deutschen Staatphilharmonie Rheinland-Pfalz unter dem erfahrenen Christoph-Mathias Mueller. Zum einen fällt die famose Klanggebung der Violinistin auf, die brachial emotionale Intensität, die sie in die so facettenreichen Aussagen legt. Zum anderen aber begeistert vor allem ihre mit dem Orchester verbundene Vereinheitlichung in der dramatischen Linienführung des Werks.

„Lichtzwang“ war das erste Werk für Violine und Orchester von Rihm, geschrieben 1975–76. Und auch hier gibt es ein „In memorian“, dieses Mal auf den Dichter Paul Celan, allerdings nicht als Person, sondern auf die Wirkung seiner Texte auf den Komponisten. Es ist ein durchweg aufbrausendes Werk, das nur selten bis zum Stillstand kommt. Permanent rauschen die Streicher des Orchesters, die sich immer wieder mit den Bläsern zu Klangflächen verbinden bis ins Fortissimo. Doch auch die Solovioline hat hier eine dynamisch hohe Amplitude zu verrichten, oftmals in höchsten Lagen. Und wie Tianwa Yang diese „Aufschreie“ zu entfesseln versteht, wird jeden zuhörenden Musikliebhaber – zu Recht – bis in die tiefsten Abgründe seiner Seele erschüttern.

Als letztes Werk auf dieser 1. CD mit Werken für Violine und Orchester von Wolfgang Rihm werden mit dem 2014 entstandenen „Gedicht des Malers“ dann versähnlichere Töne angeschlagen. Und hier nun kann die Violinistin dann auch stärker ihre lyrischen Stärken in sprunghaften und langanhaltenden Melodien ausspielen. Gleichsam als imaginäre Sicht Rihms, dass der Maler Max Beckmann den Geiger Eugene Ysaÿe porträtiert hätte er es mit Richard Strauss getan hat, wirkt diese Musik fast wie eine Traumszene, die allerdings mit diesen Musikern zu einer so intensiven Realität wird, dass man staunend vor einer Musik unserer Zeit aufhorcht. Denn diese Musik Rihms ist ebenso emotional aufgeladen und tiefschürfend wie die früheren Werke.

Es ist eine famose Leistung die Tianwa Yang bietet und man freut sich – auch als Nicht-Neue-Musik-Liebhaber – jetzt schon auf die Fortführung dieser Einspielungen für Violine und Orchester von Wolfgang Rihm mit ihr.

Auf naxos.de findet man verschiedene Bezugsquellen für das Album, digital und physisch.

Veröffentlicht inAlben vorgestellt

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