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Bartóks Meisterwerke in maßstabsetzenden Interpretationen

Wenn es um die Musik des Ungarn Béla Bartók geht, dann herrscht nach wie vor die Meinung, dieser Komponist sei eine Art Neutöner gewesen. Dieser falsche Makel hängt ihm bis heute an und auch deshalb werden seine Werke viel zu selten im Konzertsaal gegeben. In der Vergangenheit waren es gerade die ungarischen Musiker, die sich für die Musik ihres Landsmannes einsetzten. Ein Paradebeispiel ist die Doppel-CD von ORFEO (MP 1803), die nun auf den Markt kommt. Denn sie lässt nicht nur die vielleicht einflussreichsten Werke des großen Meisters der frühen Moderne erklingen, sondern auch einige der spannendsten Interpretationen dieser Werke.

Dass die Einspielung des 2. Klavierkonzerts hier ausgerechnet mit dem Pianisten György Sándor mit den Wiener Symphonikern unter Ferenc Fricsay erklingt, ist interessant, denn der ehemalige Student von Bartók selbst war vor allem für die Interpretation des 3. Konzerts berühmt, hatte aber alle gespielt. Und hier nun hat man – einmal abgesehen vom Orchester – zwei ungarische Interpreten am Pult und Sándor am Klavier, die einen direkten Kontakt zu Bartók hatten und durchaus wussten, wie sie die Werke des großen Komponisten zu interpretieren hatten – und das aus erster Hand. Entsprechend spannungsgeladen und unwirsch erklingt das 2. Konzert, trotz der deutlichen Anklänge an eine Art von Neoklassizismus, der an Strawinsky erinnert. Ähnlich verhält es sich aber mit der Pianistin Annie Fischer, der vielleicht bis heute berühmtesten Dame am Klavier aus Ungarn. Zwar war Fischer weniger für ihre Interpretationen moderner Musik bekannt, aber dass sie Bartók ähnlich verehrte wie wohl alle ungarischen Musiker, steht außer Frage. Dass auch bei ihr Ferenc Fricsay am Pult des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks steht, ist ein Glücksfall. Denn Fischer spielt farbenreicher und typisch ausgeklügelt wie immer. Mit ihr wird dieses Klavierkonzert, das zu einem der letzten orchestralen Werke aus der Feder Bartóks stammt – zusammen mit dem „Konzert für Orchester“ von 1943, das hier unter der Leitung von Rafael Kubélik erklingt – zu einem Manifest, zu einer so feinsinnigen Darstellung, dass man versteht, dass gerade dieses Werk wohl das meistgespielte Klavierkonzert des Komponisten ist.

Auch der Geiger und spätere Dirigent Sándor Végh gehört zum Kanon der großen ungarischen Musiker. Auch er hatte an der Budapester Musikakademie studiert und bald dann das berühmte Végh Quartett gegründet. Wie brillant er hier mit seinen drei Streicher-Mitstreitern das 3. Streichquartett Bartóks interpretiert ist mustergültig in seiner Intoleranz allen seichten Darstellungen gegenüber. Hier sind absolute Meister am Werk.

Végh steht entsprechend auch am Pult des Camerata Orchesters des Salzburger Mozarteums, um die so intim-persönliche „Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta“ spielen zu lassen. Dieses Werk wirft vielleicht am besten ein Licht auf die Persönlichkeit Bartóks. Denn hier sind unterschiedlichste Gefühlswelten ausgedrückt: Sehnsucht, Angst und Verunsicherung. Da wundert es nicht, dass der US-amerikanische Regisseur Stanley Kubrick diese gesamte Musik als Soundtrack für seinen Film „Shining“ einsetze.

Diese Doppel-CD ist eine berauschende Kompilation von Interpretationen ungarischer Musiker, die ihr Wissen für Bartóks Musik aus erster Hand erhielten und diese Musik daher brillant wie dramatisch-sinnvoll gestalten. Diese Aufnahmen sind für jeden Bartók-Liebhaber und -Interpreten Vorgaben für die Sicht auf diesen Komponisten. Man muss sie hören!

Auf naxos.de findet man verschiedene Bezugsquellen für das Album.

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