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Alban Bergs Oper Wozzeck in hinreißender Darstellung

Die Geschichte der Oper „Wozzeck“ des Wieners Alban Berg zeigt einmal mehr wie eng die Künste miteinander verquickt sein können, um große Kunst zu erschaffen. 1914 wurde das bereits 1836 entstandene Drama „Woyzeck“ des Schriftsteller Georg Büchner erstmals in Wien aufgeführt. Im Publikum war auch Alban Berg. Sofort entschied er sich nach dieser eindringlichen Wiener Premiere, dieses Werk musikalisch zu gestalten. Nach mehreren Anläufen – unterbrochen durch den ersten Weltkrieg – schloss er die nun mit leicht verändertem Namen als „Wozzeck“ bezeichnete Oper 1922 ab. Doch es sollte noch ein wenig dauern, bis Erich Kleiber es 1924 an der Berliner Staatsoper erstmals auf der Bühne präsentierte. Zwar folgten weitere Aufführungen, der Erfolg für diese so eigenwillige Oper schien bereits unausweichlich, da klopften bereits die Nazis in Deutschland an alle Türen. Auch in Russland wurde die Aufführung verboten. Erst in den 1950er Jahren war es dann wieder Erich Kleiber, der sich des Werks annahm und zu einem Welterfolg werden ließ.

Die Geschichte, die Georg Büchner in „Woyzeck“ verarbeitet, folgt einer 1821 in Leipzig geschehenen wahren Geschichte: Der Exsoldat und Friseur Woyzeck wird zum Tode verurteilt und gehängt, nachdem er seine Freundin aufgrund von Untreue tötete. Büchner setzte die Geschichte in ein ungewöhnliches Drama um, das Szenen und nicht Akte enthält. Diese Szenen verquicken sich zu einem Gesamtbild. Eine Praxis, die später auch das Kino übernahm. Das war neu – und für Berg nicht ganz umsetzbar als Oper. Er veränderte selbst Büchners Text für sein Libretto und entwickelte drei Akte mit je fünf Szenen. Doch was war nun so neu an Berg Oper? Nun, zum einen ist der verarbeitete Stoff, die Geschichte allein schon hochdramatisch. Doch vor allem ist es auch Bergs individuelle Formgebung, die dieser Oper seinen realistischen und dramatisch-emotionalen Stempel aufdrückt. Dass man davon nichts wissen muss, will man diese nun erschienene DVD (und Blu-Ray) aus der Dutch National Opera genießen, versteht sich von selbst. Und was für eine Garde von Sängern hat der Chefdirigent des Hauses, Marc Albrecht, da zusammengetragen: Der Brite Christopher Maltman ist  in der Rolle des Wozzeck ein fast schon erschreckender und furchterregend realistischer Darsteller, der nicht nur im Gesang von der ersten Szene an beweist, wie sehr er die Rolle verinnerlicht hat, sondern mit seiner Schauspielkunst ebenfalls den Zuschauer erkennen lässt, das emotional mit ihm etwas nicht stimmt.

Eva-Maria Westbroek ist eine Sopranistin, die weltweites Ansehen ersungen hat. Und als Marie in dieser Oper ist sie all das, was man erwartet: Sinnlich, verwirrt, stark und ängstlich. Sie verkörpert die Rolle der Marie so intensiv, dass man ihr jede Situation sofort abnimmt. Dabei vermag sie die schwierige und große Partie ebenbürtig zu ihrem Partner Maltman auszufüllen. Auch Frank van Aken ist ein Tambourmajor, der vor Selbstsicherheit strotzt.

Überhaupt ist die Stärke dieser Aufführung zum einen die stimmlich wie darstellerisch eloquente Sängerriege.

Dass ein solcher Opernstoff natürlich zu szenischen Interpretationen auf der Bühne einlädt, ist verständlich. Der polnische Theaterregisseur Krysztof Walikowski verwandelt die Bühne des Niederländischen Opernhauses einen Multifunktionsraum, der alles gleichzeitig ist, verändert nur durch Licht und kleine Accessoires. Das passt zu der Atmosphäre des Werks und macht aus dieser Aufführung mit einem grandiosen Netherlands Philharmonic Orchestra eine Wozzeck-Aufführung, die man so schnell nicht mehr vergessen wird.

Das diese mitreißende Aufzeichnung schon als DVD fasziniert, ist klar. Aber da es sie auch als Blu-ray Disc gibt, sollte man sich überlegen, ob man sie nicht in noch brillanteren Farben und Klängen hören und sehen will …

Auf naxos.de findet man verschiedene Bezugsquellen für die DVD und Blu-ray. 

Veröffentlicht inAlben vorgestellt

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