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Ta ta ta taaa: Vier Noten für das erste Rock-Riff

„Ta ta ta taaa“, wer kennt sie nicht? Vier Noten – G-G-G-Es – die die Musikwelt veränderten, die vielleicht vier berühmtesten Noten in der gesamten klassischen Musik: die Einleitung zur 5. Sinfonie in c-Moll, Opus 67 von Ludwig van Beethoven.

Aus heutiger Sicht ist dieses Motiv nichts anderes, als das erste Rock-Riff der Musikgeschichte. Kein „Smoke on the Water“ von Deep Purple, kein „Whole Lotta Love“ von Led Zeppelin ist denkbar ohne diesen visionären Kunstgriff des ersten Rebellen der Musikgeschichte. Eine einfache, prägnante Idee, die permanent wiederholt wird und den Song, pardon, den Satz in allen möglichen Varianten von Anfang bis Ende rhythmisch und melodisch prägt. Das ist keine Erfindung der langhaarigen Hardrocker, das hatte (der ebenfalls langhaarige) Beethoven bereits 1808 erledigt.

Die Popularität der Sinfonie weit über die Grenzen der klassischen Welt macht sie zu einem Dauerbrenner im Konzertsaal und in den Diskografien. Sie war eines der ersten sinfonischen Werke, das auf Schallplatte verewigt wurde. Heute kann man von rund 800 Aufnahmen der Sinfonie ausgehen, darunter zahlreiche Live- und Radiomitschnitte, die unter Sammlern kursieren und mindestens 600 Alben aus (nahezu) aller Herren Länder. Viele davon sind vermutlich nicht der Rede wert und schneller vergessen als dirigiert.

Trotzdem macht es Sinn – und Spaß – verschiedene Aufnahmen miteinander zu vergleichen. Warum also nicht ein Album zusammenstellen, das verschiedene Interpretationen nebeneinanderstellt?

Für „Ta ta ta taaa“ haben wir aus dem reichen Naxos-Katalog schöpfen können, der zwar Bernstein und Karajan nicht enthält, aber absolut bedeutende Dirigenten und Orchester in den Fokus rückt. Zu hören sind historische Aufnahmen von Otto Klemperer, Hans Rosbaud, Jascha Horenstein und Michael Gielen, Geheimtipps von den oft vergessenen Beethoven-Spezialisten Herbert Kegel und Stanisław Skrowaczewski und die Referenzaufnahme der Liszt-Bearbeitung von Konstantin Scherbakov.

Foto © Wolfram Lamparter
Foto © Manfred Esser

Außerdem enthalten: die  im besten Sinne grundsoliden Interpretationen in guter Kapellmeister-Tradition ohne Ego-Attitüden von Helmut Müller-Brühl und Béla Drahos, die kompromisslose Originalklang-Fassung von Roy Goodman, den spannenden Sonderweg von Roger Norrington und, last but not least, zwei aktuelle Mitschnitte: zum einen die Einspielung des OPUS- und ICMA-Gewinners Ádám Fischer, zum anderen die Aufnahme des jungen, schnell aufsteigenden Sterns am Dirigentenhimmel Robert Trevino. Von Letzterem stammt auch die Gesamteinspielung, die das Album würdig abschließt.

Die scheinbar monotone Angelegenheit erweist sich als ausgesprochen aufschlussreich und unterhaltsam: Selbst für einen Laien sind deutliche Unterschiede in Sachen Tempo, Dynamik, Rhythmik und Umfang des Orchesters unüberhörbar. Schon die unterschiedlichen Laufzeiten, von Rosbauds ruhigen, aber nachdrücklichen achteinhalb Minuten bis hin zu Norringtons straffen, sehr raschen sechs 6:20 Minuten liegen Welten. Wären da nicht immer wieder diese prägnanten Noten, man könnte zwischendurch kaum glauben, dass es sich um dasselbe Stück handelt.

Ein Album für alle Beethoven-Fans, auch und besonders für neugierige Entdecker, die an einem markanten Beispiel nachvollziehen möchten, wie sehr sich einzelne Interpretationen unterscheiden können.

 


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