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Yefim Bronfman und Freunde treten mit dem Publikum bei ‘SubCulture’ in ‘Contact!’

’CONTACT!’

bei ’SubCulture’ –Bildnachweis: Chris Lee

 

Etwas Elektrisierendes lag am 13. Januar im leicht überhitzten Kellerraum bei SubCulture in der Luft. Das Publikum war mit Presseleuten, Konzertorganisatoren und Künstlern vollgepackt, einschließlich dem Maestro des ‘New York Philharmonic’ Alan Gilbert und der künstlerischen Leiterin des ‘92nd Street Y’ Hanna Arie-Gaifman, den Koproduzenten der zeitgenössischen Musikkonzertreihe CONTACT! bei ‘SubCulture’. Erst vor ein paar Monaten eröffnet, brummte der Veranstaltungsort, der Steve und Marc Kaplan zusammen gehört, fühlbar vor Erregung.

Und das war mit Recht so. Mit der Teilnahme des brillianten Pianisten Pianisten Yefim Bronfman, dem Mary und James G.Wallach Gastkünstler Programm des ‘Philharmonic’ und Mitgliedern des ‘New York Philharmonic Orchestra’ war das bemerkenswerte Interesse am Abendprogramm und das einwandfreie musikalische Können so gut wie garantiert.

Das abendliche Konzert wurde von Marc Neikrug moderiert, dem Komponisten des zuerst dargebotenen Werkes mit dem Titel Passions, Reflected for Solo Piano, das 2008 geschrieben worden war. Passions, am Piano von Yefim Bronfman mit seiner vollen Begeisterung und seiner hochgradigen Kunstfertigkeit, für die er geschätzt wird, dargeboten, erfuhr bei diesem Ereignis seine (etwas verspätete) Weltpremiere. Er schaffte es, die enorm unterschiedlichen Charakteristika einer jeden der zwölf kleinen, abstrakten Episoden, die sein Werk ausmachen, zum Vorschein zu bringen und gleichzeitig dennoch genug Ausgewogenheit zu geben, um es als Ganzes, als etwas, das größer als seine Bestandteile ist, bestehen zu lassen. Der Zusammenhalt der Teilbereiche des Werkes wurde vom Komponisten als eines der wichtigen Aspekte des Stückes hervorgehoben, das von ähnlichen Kompositionszyklen inspiriert wurde, wie sie in den Werken Schumanns Kreisleriana mit Segmenten gefunden werden und die laut Neikrug– anders als zum Beispiel Chopins Etüden oder Debussys Präludien, die für sich allein stehen könnten – nicht bei der Darbietung voneinander getrennt werden können. Mr. Neikrug, der über viele Jahre als Partner mit dem Violinisten Pinchas Zuckerman zusammen arbeitete, hat Passions, Reflected for Solo Piano eigens für Mr. Bronfman komponiert.

Als ein Künstler von höchster Integrität hatte Mr. Bronfman jüngst in einem Interview Zinta Lundborg erklärt:“..Ich möchte mich, auf jeglich mögliche Art und Weise in das den Denken des Komponisten hinein versetzen. Ich schätze keine Exzentrizität… das ist uninteressant,” ein Bestreben, das er ganz klar während seines Konzertes meisterte.

Yefim Bronfman Bildnachweis: Chris Lee 

 

Nach einem bombastischen Finale von den sich steigernden Passagen des Stückes, die jeden aus der Fassung bringen, was Bronfman wie auch das Publikum ein bisschen atemlos hinterließ, lockerte der Künstler ganz spontan die etwas gedämpfte Atmosphäre im Publikum mit einer humorvollen Bemerkung bezüglich der Tatsache auf, dass bedauerlicherweise die Bar des Veranstaltungsortes während des Konzertes geschlossen sei. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ein Hauch von Unentschiedenheit den Schritt umgeben, hochkalibrige künstlerische Darbietungen in modische und intime Veranstaltungsorte wie ‘Subculture’ zu bringen, aber es scheint, als sei diese ambivalente Haltung in letzter Zeit der verlockenden Aussicht gewichen, an diesen Veranstaltungsorten alternatives gemeinschaftliches Erleben neu zu entwerfen.  Es schadet sicherlich nicht, dass das Publikum außerhalb der traditionellen Konzerthalle von den neuen künstlerischen Erlebnissen angezogen scheint: Ein Faktor, der sich vermarkten lässt, was recht bedeutend für kleinere Produktionen bleibt und dem nun Institutionen wie die ‘New York Phil’ und der ‘92nd Street Y’ Beachtung schenken trotz der ziemlich großen Einschränkung im Kartenverkauf im Vergleich zu ihren Heimveranstaltungsorten, ihrer Konzert Hallen.

Durch die Beteiligung beider Institutionen an dieser Konzertdarbietung dieser Saison von ‘Contakt!’ bei der ‘Subculture’ Reihe, war die 120 Personen fassende Räumlichkeit für diese Veranstaltung ausverkauft.  Das Aufbringen von finanziellen Mitteln wurde durch die großzügige Zuwendung der privaten Stifter Linda und Stewart Nelson unterstützt.

Mit Yefim Bronfman, hat die Produktion einen bedeutenden Impuls bekommen, indem er nicht nur die Persönlichkeit und die Gabe besitzt, über den Tellerrand zu schauen, wie er im Jahre 2007 im ‘Grand Central Terminal’ mit seinem pianistischen Werbegag, um New Yorks „Foodbank“ zu unterstützen, bewies. Jetzt bereits seit einigen Jahren hat Yefim Bronfman, der für seine großen Konzertbühnenauftritte mit einem Schwerpunkt auf geschätzte romantische und Meisterwerke der Klassik bekannt ist, zunehmend seine Aufmerksamkeit zeitgenössischen Werken gewidmet und wurde dafür, während des Abends, ausgiebig von Neikrug gepriesen.

Poul Ruders’ Streichquartett Nr. 4 ist zuvor im Jahre 2013 bei einer Privatveranstaltung in der ‘Morgan Library’ vorgestellt worden, aber hier zum ersten Mal öffentlich in New York. Das Werk stellt die erste Komposition für Streichquartett innerhalb des umfangreichen Oevresdes Komponisten dar. Es wurde beeindruckend gut von den ‘Philharmonic’ Violinisten Fiona Simon und Sharon Yamada, dem Bratschisten Robert Reinhardt und der Cellistin Eileen Moon dargeboten. Der Komponist selbst hat im Programmheft darauf hingewiesen: “Es ist in den fünf Sätzen und es geht über nichts anderes als es selbst.” Es war eines der Werke, die im Jahre 2013 von der ‘Royal Philharmonic Society’ und der ‘Britten-Pears’ Stiftung zu Ehren von Benjamin Brittens Hundertjahrfeier zusammen in Auftrag gegeben wurden.

Bei seinem zweiten Auftritt an diesem Abend wechselte sich Yefim Bronfman mit zwei weiteren Mitgliedern des ‘New York Philharmonic’, dem Violinisten Qaun Ge und der Cellistin Maria Kitsopoulus in sprühender Interaktion ab. Die drei trugen dasTrio Nr.1 für Violine, Cello und Piano des französischen Komponisten Marc-André Dalbavie vor, was vielleicht das Publikum nicht mit dem erinnerungswürdigsten Werk des Abend hinterließ, aber mit einem erfrischend optimistischen und positiven Ausklang. Dieses Werk, das von Yefim Bronfman im Jahre 2008 in der ‘Carnegie Hall uraufgeführt wurde, baut auf einer faszinierenden Einfachkeit musikalischer Motive auf, durchzogen vonTonleiter Schemata , die im Verlauf des einsätzigen Werkes ziemlich in Schwung kommen. Dieses ist die zweite Aufführugn eines Werkes von Dalbavie mit der ‘Philharmonic’ dessen Melodia für ‘CONTACT!’s Eröffnungsprogramm im Jahre 2009 in Auftrag gegeben wurde.

Foto:von links Marc Kaplan, Yefim Bronfman, Hanna Gaifman-Arie, Marc Neikrug, Steve Kaplan. Bildnachweis: getClassical

Nicht überraschend versammelten sich Mitglieder des Publikums nach der Show an der Bar, um persönlich und Schulter an Schulter den Künstlern zu gratulieren, die sich glücklich schätzten, ohne die gewöhnlich notwendigen Listen für den Grünen Raum zu interagieren.

Ilona Oltuski

 

Veröffentlicht inGrenzüberschreitend

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