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Violinist Ittai Shapira: Eine Persönliche Dimension vermitteln

Violinist Ittai Shapira
Violinist Ittai Shapira

Bisher sind 14 Kompositionen von verschiedenen zeitgenössischen Komponisten dem Violinisten Ittai Shapira gewidmet worden. Zugehörig zur Generation von Auftrittskünstlern der New Yorker klassischen Musikszene, in der Altersgruppe dreißig und darüber – er und der Pianist Jeremy Denk waren zu College-Zeiten Zimmergenossen und machten auch eine gemeinsame Aufnahme– , ist er jetzt als vielseitiger Auftrittskünstler eines riesigen klassischen Violinenrepertoires bekannt, das die Gegenwart wie die Vergangenheit, das Zeitgenössische wie das Traditionelle umfasst.

Eine dieser Premieren beinhaltete ein Violinen Concerto, das von der israelischen Landsmännin und ‘Pulitzer’ Preisträgerin Shulamit Ran für ihn geschrieben worden war. Es wurde im Jahre 2003 bei Shapiras gefeierten Debüt in der Carnegie Hall mit dem ‘Orchestra of St.Lukes’ aufgeführt. Im Jahre 2007 wurde es in Rans Zusammenstellung der von Daniel Barenboim und dem ‘Chicago Symphony Orchestra’ gespielten Werke aufgenommen.

Shapiras internationale Auftritte als ausgezeichneter Solist mit vielen der führenden Orchester wie auch Kammermusik Ensembles, lassen zusammen mit seinen verschiedenartigen Aufnahmen sein weitgefächertes Interesse am Standard – wie auch am ungewöhnlichen Repertoire erkennen und erklären, warum so viele Komponisten ihm Werke für seinen Auftritt widmen.

Ein anderer israelischer Landsmann, der Komponist Avner Dorman, der sich jüngst großer internationaler Nachfrage erfreut, schrieb im Jahre 2006 ebenfalls ein Violinen Concerto für Shapira. Es wurde mit dem ‘Jerusalem Symphony Orchestra’ aufgeführt.

Wie auch Shapira hatte Dorman seine Ausbildung an der Juilliard School

erhalten, nachdem er Israel verlassen hatte, um nach New York zu ziehen. Während Dorman bei John Corigliano Komposition studierte, wurde Shapira von Juilliards Violinenkapazitäten wie Dorothy DeLay und Robert Mann unterrichtet – und erhielt Privatunterricht von Itzhak Perlman und Pinchas Zukerman.

Da Ittai mit der Daniel Pearl Foundation zu tun hatte, entschlossen sie sich, wie Dorman im Programm des Konzerts bemerkt, das Stück und ihre Premieren-Auftritte dem Gedächtnis an den Journalisten Daniel Pearl zu widmen. Ein anderes Konzert von dem Komponisten Dave Heath fand über ihn und Shapira seinen Weg in die Filmmusik von “The Journalist and the Jihadi”, den Film über Daniel Pearls tragischen Tod in Pakistan.

Glen Rovens Konzertstück “The Runaway Bunny” war im Jahre 2006 für Shapira geschrieben und mit dem ‘Royal Philharmonic’ und Brooke Shields als Erzählerin der Kindergeschichte für Sony/BMG aufgenommen worden. Dieses Stück, wie auch sein Auftritt für einen Jerry Lewis’ Spendenmarathon, machten Shapira einem größerem Publikum gegenüber bekannt. Der letztere Auftritt, der in den USA auf nationaler Ebene im Fernsehen übertragen wurde, hatte Berichten zufolge ein Publikum von 55 Millionen Zuschauern. Unter den anderen Kompositionen, die ihm gewidmet sind, ist das kürzlich entstandene “Katrina Concerto” von Theodore Wiprud.

Aber obwohl Shapira sich sehr gücklich schätzen könnte, der gefragte Auftrittskünstler zu sein, der er nun mal ist, hat er ein sich ausweitendes Interesse am zeitgenössischen musikalischen Versuchslaboratorium von Zusammenarbeit, Arrangements und Orchestrierung entwickelt, einem Prozess also, der ihn sicherlich sein eigenes Interesse an Komposition erkunden läßt.

“Ich habe eine Musikreihe vorgestellt und junge Komponisten bekannt gemacht, um so eine Verbindung mit einem jüngerem Publikum herzustellen. Wir haben virtuose Variationen vorgestellt, die einem großen Künstler gewidmet waren. Am Ende war ich damit beschäftigt, die Stücke zu spielen und zu orchestrieren. Es war ein großartiger Lernprozess”, erläutert er wie er seine anfänglichen Versuche mit Kompositionselementen und auch eine fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Komponisten Dave Heath beschreibt, die während seines Studiums entstanden war, als er seine eigenen Kadenzen unter der Anleitung seines Juilliard Mentoren Robert Mann schrieb.

Und Dorman hat über sein Concerto folgendes zu sagen: ”Als ich das Konzert komponierte, hat Ittai Shapira beim Schreiben für die Violine mit viel Information und Rat mitgewirkt – und dafür bin ich ihm sehr dankbar.”

Als wir während unseres Gespräches beim Mittagessen in New Yorks ‘Upper West Side’ auf seine Doppelrolle als Violinist und Komponist zu sprechen kommen, wird Shapira sehr lebhaft. Das ist sicherlich für ihn auch eine Leidenschaft.

‘Champs Hill Records’ hat gerade sein eigenes ”Concierto Latino” herausgebracht, von Shapira selbst gespielt, in Zusammenarbeit mit dem Dirigenten Krzysztof Chorzelski , der auch Violist des bekannten Belcea Quartetts ist.

Concierto Latino umspannt die Einfüsse eines ganzen Spektrums von lateinamerikanischen Komponisten einschließlich von Villa Lobos und Manuel de Falla bis hin zum Flamenco Sänger Camaron de la Isla, Shakira und der kubanischen Musik des Bueno Vista Social Clubs reichend.

Zusätzlich zum lateinamerikanischen, musikalischen Szenario hat bis zu seiner Fertigstellung im Jahre 2007 ein sehr persönliches Ereignis die Gestalt vom Concierto Latino beeinflusst. Im Kommentar des Begleitheftes des Stückes werden die entscheidenden Elemente seiner Komposition beschrieben:

In einer eiskalten Nacht im Januar 2005 war Shapira von einer ‘Gang’ von sieben oder acht Männern angegriffen worden. Nachdem er am nächsten Tag aus dem Krankenhaus entlassen worden war, verwarf Shapira diesen Vorfall und begann unverzüglich mit seiner Tournee. Dennoch hinterließ die Attacke eine ungewöhnliche Wunde: täglich pochende Kopfschmerzen, die von trüben, aber dennoch bestimmten Klangreihen begleitet waren. Als Shapira beschloss, diese Klänge niederzuschreiben, war die neurale Reaktion faszinierend: er sah im Inneren eine kurze Momentaufnahme von sich selbst, wie er auf Eis fiel. Als seine Komposition Form annahm, geschah das Gleiche mit seinen Erinnerungen …nicht nur, dass der Überfall eine musikalische Reaktion hervorrief; umgekehrt ermöglichte die musikalische die neurale Reaktion, was eine bemerkenswerte therapeutische Wirkung hatte.

Die Tatsache, dass diese intensive, persönliche Begebenheit eine Reaktion hervorrief, die so vehement die Komposition beeinflusste, wurde nicht beabsichtigter Weise ein bisschen zu einem Marketing Mittel, was in den Gesprächen vor dem Konzert eingesetzt wurde. Während seine Doppelrolle als Komponist /Auftrittskünstler als solche herausstach, wurde die persönliche Geschichte zu einem schlagkräftigen Katalysator und führte umgehend zu vier weiteren Aufträgen. Shapira erläutert weiter: ”Während ich in Wirklichkeit eine sehr private Person bin, glaube ich in der Tat, dass es für mich zu einem wichtigen Faktor wurde, Andere Anteil an der Auswirkung der eigentlichen Bedeutung, die hinter der Komposition steht, haben zu lassen. Die Grundtatsache ist, dass Musik in Wirklichkeit dafür gedacht ist, zwischen den Menschen zu kommunizieren und, je mehr das Publikum den Hintergrund eines Stückes versteht – auch dank von wortwörtlichen Erklärungen – desto mehr kann es mit der Musik etwas anfangen. Es ist mir wichtig, eine persönliche Bemerkung hinzufügen zu können; es gibt dem Stück eine andere Dimension. Das heißt nicht, dass die Musik nicht auf eigenen Beinen stehen kann, sondern vielmehr, dass wir eine bessere Idee davon haben, wie man eine Interpretation auf die Musik bezieht, was auf positive Weise den Einfluss der Musik verändert. Besonders bei neuer Musik – eben dann wenn die Vertrautheit traditioneller Botschaften wegenommen wird – wird etwas anderes gebraucht. Es wird dabei grundlegend, eine persönliche Geschichte hinzuzufügen, die die Menschen verstehen können und die Öffentlichkeit ist weniger defensiv, wenn sie, wie in einem tatsächlichen laufenden Schauspiel, Anteil am Wissen über eine sinnstiftende Interpretation hat. Und wer kann nicht einen Angriff, eine Wehklage und die Party, die das Leben ist, mit sich selbst in Beziehung bringen?“

Während er noch in Israel lebte, studierte Shapira mit der angesehenen Pädagogin Ilana Feher in Israel als ihr letzter Schüler. Shapira beschreibt ihren Einfluss auf ihn als tiefgreifend und dauerhaft:” es ging nicht nur um die Musik,” erinnert er sich, “es ging um das ganze Paket. Wie man sich für einen Auftritt kleidete, wie man sich benahm … der Lehrer war in allem in deinem ganzen Leben einbezogen, nicht nur der dem Musikunterricht.”

Zum Gedächtnis an Feher und gewidmet dem Aufbau und der Förderung junger israelischer Violinisten gründete er mit seinem Kollegen Hagai Shaham vor Kurzem die ‘Ilana Feher’ Stiftung. Diese is darauf ausgerichtet, begabten Studenten zu helfen, indem sie ihnen ”einen extra Anstoß, den sie brauchen, gibt, sie bei der Auswahl des Repertoires berät und ihnen beim Knüpfen von Kontakten behilflich ist und nachhilft, indem sie Vorführaufnahmen für Hörproben zur Verfügung stellt etc…” macht Shapira klar: “Wir konzentrieren uns auf konkrete Projekte. Zum Beispiel, brachten wir Itamar Zorman, einen sehr begabten Studenten von Hagai, mit verschiedenen Lehrern in Kontakt, damit er unterschiedliche Perspektiven bekommt. Dann waren wir die Sponsoren einer Vorführaufnahme und gaben bezüglich Repertoires Rat. ‘Fundraising’ für ein Konzert in der ‘Carnegie Hall’ machte ihn einem breiteren Publikum bekannt und er gewann in der Tat drei Wettbewerbe und eine Auftrittsmöglichkeit mit dem ‘Juilliard Orchestra’ in der Avery Fisher Hall. So sehen wir den Einfluss der ‘Feher Foundation’, indem wir die Ausrichtung der Unterstützung den jungen Künstlern individual anpassen.” Ein anderer Künstler, auf den Shapira sehr stolz ist und den er mir nennt, ist Netanel Draiblate, ein talentierter Solist, der auch vor Kurzem Konzertmeister der ‘Annapolis Symphony’ wurde.

In jüngster Zeit hat die Stiftung in Partnerschaft mit verschiedenen städtischen Gemeinden in Israel zusammengeabeitet, um Musiker auszubilden und ihr fortlaufendes Engagement als Lehrer in Israel zu bestärken.

Veröffentlicht inGrenzüberschreitend

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