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Schlagwort: Transkription

Ralph van Raat: Igor Stravinsky – The Rite of Spring, arr. for solo piano by Vladimir Leyetchkiss · Claude Debussy – La Mer, arr. for solo piano by Lucien Garban

Kann man zwei der beeindruckendsten und wuchtigsten Orchesterwerke des 20. Jahrhunderts – Debussys „La Mer“ und Strawinskys „Le Sacre du Printemps“ – aufs Klavier übertragen? Sicher nicht, oder doch? Beide Werke gehören zu den einflussreichsten Kompositionen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts (und nicht nur der ersten Hälfte). Die eine, „La Mer“, begründete mit improvisatorisch anmutenden Klangflächen Debussys impressionistischen Stil, die andere, „Le Sacre“, gilt als „Urknall der Moderne“ und ersetzt die romantische Klangästhetik mit der Polyrhythmik und der „nackten“, ungeschönten Darstellung des „Stile barbaro“. Beide lösen die traditionelle Harmonik auf, wenn auch mit unterschiedlichen Ergebnissen. Entscheidend ist der Orchesterapparat: In Debussys Klangwelt ist die Instrumentierung von prägendem Charakter, in Strawinskys „Sacre“ wird das Orchester zum kraftvollen, vielstimmigen und geradezu ekstatischen Rhythmusinstrument. Wie sollte man so etwas auf das Klavier übertragen?
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Simone Pedroni: John Williams – Themes and Transcriptions for Piano

Die Filmmusik wird ihr Stigma in konservativen Kreisen nicht los. Die Diskussion ist so alt wie die Tonspur im Film: Ist Filmmusik minderwertige klassische Musik? Ist sie ein eigenes Genre oder einfach nur eine zeitgemäße Umsetzung der klassischen Musik unter neuen technischen Vorzeichen? Immerhin haben ja die großen Komponisten von der Renaissance bis zur Romantik auch für die Bühne komponiert; gerade die Schauspielmusik entwickelte sich im 19. Jahrhundert rasant und bei Beethovens „Egmont“ oder Schuberts „Rosamunde“ zweifelt niemand an der Ernsthaftigkeit, von der Oper ganz zu schweigen.

Schostakowitsch, Korngold, Rózsa und Rota erzielten mit ihren Filmmusiken beachtliche Erfolge, schätzten sie aber teilweise selbst geringer als ihre „ernsthaften Werke“. Ennio Morricone und John Williams, zwei der seit Jahrzehnten erfolgreichsten Filmmusik-Komponisten, sind da selbstbewusster. John Williams sagte mal in einem Interview: »Was auch immer die Oper Ende des 19. Jahrhunderts war, ist nun am Ende des 20. Jahrhunderts der Film.« Filmmusik füllt heute die Konzerthallen und interessiert ein junges Publikum für Orchestermusik, das sich sonst von der „Klassik“ fernhält. Während sich die zeitgenössische Musik zumindest auch den kleinen Besetzungen und Formen zugewandt hat, spielt in der Filmmusik das Orchester immer noch eine große Rolle.

Was aber passiert, wenn man den cinematografischen Orchester-Anstrich der Kompositionen John Williams’ auf das Klavier reduziert?
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Kuniko: Bach – Solo Works for Marimba

Die japanische Perkussionistin Kuniko (ihren Nachnamen Kato führt sie als „Stagename“ nicht) gehört zu einer neuen Generation von Künstlern und Künstlerinnen, die Musik außerhalb der gängigen Schubladen begreifen und sich sowohl dem Gehalt der Musik verpflichtet sehen, wie der Möglichkeiten der künstlerischen Umdeutung und Umformung. Ihr Instrument, die Marimba, ist keines, für das es ein großes klassisches Werk gäbe. Die Notwendigkeit sich ein eigenes Repertoire zu schaffen, sprich zu transkribieren, ist also fast immer der Ausgangspunkt im schöpferischen Prozess der Japanerin.
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Kiev Virtuosi, Dmitry Yablonsky: Dmitri Shostakovich (arr. R. Barshai) – Chamber Symphony op. 73a · Symphony for Strings op. 110a

Machen wir uns nichts vor: Die wenigsten Bearbeitungen reichen an das Original heran. Etwas scheint (fast) immer verloren zu gehen, wenn man einen Teil der ursprünglichen Idee des Komponisten verändert. In seltenen Fällen gelingt es dem Bearbeiter, den Geist des Schöpfers zu erfassen und etwas Ebenbürtiges zu schaffen. In ganz seltenen Fällen entsteht etwas Neues, Kongeniales, das sowohl die eigentliche Handschrift des Komponisten transportiert als auch einen eigenen Gedanken des Bearbeiters. Diese seltenen Transkriptionen schließen dem Hörer wohlbekannte Werke neu auf, gewinnen ihnen Nuancen ab, die zuvor verborgen blieben.

Rudolf Barschais Bearbeitungen der Streichquartette Dmitri Schostakowitschs zu „Kammersinfonien“ sind solch seltene Glücksfälle kongenialer Transkriptionen. Sie vermitteln Schostakowitschs psychologische Introspektionen unversehrt (denn nichts anderes sind die Streichquartette), Barschais Bearbeitungen addieren aber noch eine weitere dramatische Ebene, die aus Schostakowitschs privaten Ansichten eine allgemein gültige, universelle Aussage hinzufügen. Sie „übersetzen“ dem Kammermusik-ungeübten Hörer Schostakowitschs Subtilität in eine geradezu überwältigende Klangsprache.
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