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Schlagwort: Romantik

Staatskapelle Weimar, Hansjörg Albrecht: Richard Wagner – Der Ring ohne Worte

Während seit Ende Juli wieder die Bayreuther Festspiele die Wagner-Fans aus der ganzen Welt anziehen und die High Society an den Premierenabenden ihr Schaulaufen veranstaltet, kommt der Organist und Dirigent Hansjörg Albrecht mit einem „kleinen“ Alternativprogramm für die Daheimgebliebenen daher: einer Neuaufnahme von Lorin Maazels Bearbeitung „Der Ring ohne Worte“. Es ist eine über 70-minütige Verdichtung des monumentalen „Ring-des-Nibelungen“-Zyklus auf die zentralen Orchestersequenzen. Dabei stammt jede Note von Wagner selbst, nichts wurde an den Verbindungsstellen hinzugefügt. Das Ergebnis ist quasi Wagners fundamentaler Zyklus „für (mit Verlaub) „Opernhasser“, die auf den Gesang in den stundenlangen Opern, nicht aber auf die Musik Wagners verzichten wollen. Und für die Bewunderer der Musik Wagners ist der „Ring ohne Worte“ eine hervorragende Gelegenheit, die Musik des Meisters noch einmal aus einer anderen Perspektive wahrzunehmen.
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Gürzenich-Orchester Köln, Dmitrij Kitajenko: Musorgksij – Eine Nacht auf dem kahlen Berge / Lieder und Tänze des Todes · Prokof’ev – Aleksandr Nevskij

Mussorgsky-Wochen im Naxos-Blog! Naja, zumindest ein bisschen. Wenige Wochen nachdem ich den Leserinnen und Lesern des Blogs Giacomo Scinardos Gesamteinspielung der Klavierwerke Modest Petrowitschs ans Herz bzw. ans Ohr gelegt habe, folgt nun eine Veröffentlichung mit orchestraler Musik des für mich »aufregendsten und modernsten russischen Komponisten des 19. Jahrhunderts« (so viel Selbstzitat sei ausnahmsweise gestattet). Mussorgsky Musik ist auf dem vorliegenden Album des Gürzenich-Orchesters Köln mit Prokofjews „Alexander Newski“ gekoppelt. Der Ehrendirigent des ältesten Kölner Klangkörpers Dmitrij Kitajenko hat eine Aufnahme vorgelegt, die in vielerlei Hinsicht von besonderem Interesse ist.
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Arabella Quartet: In The Moment – Short Pieces for String Quartet

„In der Kürze liegt die Würze“ sagt das Sprichwort und meint den Redner, der sich besser kurzfasst, damit ihm das Publikum nicht einschläft. Was für den Redner (und hoffentlich nicht für den Blogger!) empfehlenswert ist, gilt üblicherweise nicht für das Streichquartett. Spätestens seit Haydn und erst recht seit Beethovens späten Quartetten haben Streichquartette geradezu symphonische Ausmaße angenommen. Kein Wunder, dass es immer wieder Versuche gab, das eine oder andere Werk zu orchestrieren und als Sinfonie (oder im Falle Schostakowitschs als Kammersinfonie) zu etablieren.
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Giacomo Scinardo: Modest Mussorgsky – Complete Piano Works

Für mich ist Modest Petrowitsch Mussorgsky (1839–1881) der aufregendste und modernste russische Komponist des 19. Jahrhunderts. Leider zerstörte seine jahrelange schwere Alkoholabhängigkeit Stück für Stück sein überbordendes Talent. Vieles Geniale in seiner Musik blieb fragmentarisch, wurde nie zu Ende gedacht und oft genug von wohlmeinenden, aber eben andersdenkenden Komponistenfreunden (in erster Linie Nikolai Rimski-Korsakow) „zu Ende komponiert“ und „bereinigt“. Ich frage mich, welche Großtaten er noch vollbracht hätte, wäre er nicht verarmt und zunehmend durch die Alkoholsucht zerfallen. Oder spiegelt die Tragik seiner Vita sich in seiner Musik wider, sodass sie ohne dieses Unglück nicht entstanden wäre? Vielleicht passt das Fragmentarische, das ewig Unfertige seiner Musik, einfach nur gut in unsere postmodernen Zeiten.
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Romain Descharmes · Malmö Symphony Orchestra, Marc Soustrot: Camille Saint-Saëns – Piano Concertos Nos. 1 & 2 · Allegro appassionato

Dass die französische Romantik in Deutschland chronisch unterbewertet wird und viel mehr Beachtung verdiente, kann man eigentlich nicht oft genug konstatieren. Die französischen Komponisten des 19. Jahrhunderts entwickelten eine ganz eigene, zauberhafte Klangsprache, die sich hörbar von der deutschen unterscheidet. Eine Schlüsselrolle in der romantischen Musik Frankreichs kommt dabei dem Camille Saint-Saëns (1835-1921) zu. Seine fein ausbalancierten, charmanten Werke sind immer wieder eine Entdeckung wert; sein Œuvre gibt deutlich mehr her, als seine „Hits“ „Der Schwan“ aus dem „Karneval der Tiere“ und die „Orgel-Symphonie“.

Saint-Saëns’ fünf Klavierkonzerte gehören, wie so viele andere Kompositionen seines beeindruckend umfangreichen Gesamtwerks, zu den Stücken, die außerhalb seiner Heimat kaum noch aufgeführt werden. Die nach wie vor validen Referenzaufnahmen stammen aus den späten 1980er Jahren (etwa Jean-Philippe Collards Gesamteinspielung) oder sind gar noch älter (Gabriel Tacchinos immer noch sehr hörenswerte Gesamtaufnahme aus den frühen 1970ern, die allerdings „in Würde angestaubt ist“). Und so rücken Saint-Saëns’ Klavierkonzerte immer weiter in den Hintergrund.
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Henning Kraggerud · Malmö Symphony Orchestra, Bjarte Engeset: Johan Halvorsen · Carl Nielsen – Violin Concertos / Johan Svendsen – Romance

Hand aufs Herz: Wie viele Leserinnen und Leser kennen die Violinkonzerte von Johann Halvorsen und von Carl Nielsen? Sicher, die Symphonien des Dänen Nielsen sind als herausragende Beispiele spätromantischer Symphonik bestens bekannt, aber ein Violinkonzert? Und der Norweger Halvorsen: Von ihm kennt man doch am ehesten die „Passacaglia für Violine und Viola über ein Thema von Händel“. Galt sein Violinkonzert nicht als verschollen?
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Michael Gielen Edition Vol. 4: 1968–2014

Im Juli dieses Jahres wird der Dirigent Michael Gielen 90 Jahre alt. Auch wenn der Maestro im Oktober 2014 bekannt gab, aus gesundheitlichen Gründen seine Dirigentenkarriere zu beenden und keine Konzerte mehr zu geben, so ist sein Ruhm und seine Wirkung, vor allem im Ausland, ungebrochen. Als langjähriger Chefdirigent des SWF Sinfonieorchesters Baden-Baden, das 1996 in SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg umbenannt wurde, prägte er die deutsche Orchesterkultur nachhaltig. Er führte den Klangkörper mit Disziplin, Präzision und Bescheidenheit in die Weltspitze und blieb ihm auch nach seinem Ausscheiden als Chefdirigent 1999 als ständiger Gastdirigent (seit 2002 als Ehrendirigent) eng verbunden. Die Michael Gielen Edition zeichnet in zehn geplanten Volumina das Wirken dieser lebenden Legende nach. Dafür hat man tief in den Radioarchiven gegraben und einzigartige Schätze zutage gefördert. Nicht wenige von ihnen sind zuvor niemals auf Tonträger erschienen.
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Michael Gielen Edition Vol. 3: Brahms – The Symphonies · Piano Concerto No. 1 · Double Concerto · Piano Quartet No. 1

Die in mehreren Volumen angelegte „Michael Gielen Edition“ ist das überwältigende künstlerische Vermächtnis des im Oktober 2014 von seiner aktiven Laufbahn zurückgetretenen Dirigenten. Über viele Jahrzehnte prägte Michael Gielen die Spielkultur der „öffentlich-rechtlichen“ Klangkörper Südwestdeutschlands: Vor allem das (mittlerweile in dieser Form nicht mehr existierende) SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg gelang durch seine Arbeit an die Weltspitze. Während ihm die Anerkennung durch die breite Öffentlichkeit in Deutschland verwehrt blieb, wo man drüben Masur und hüben Karajan, aber eben nicht Gielen verehrte, galt und gilt er jenseits der Grenze, speziell in Asien, als einer der allergrößten seiner Zunft.

Michael Gielen Edition Vol. 3: Brahms - SWR19022CD»Ich bin altmodisch und bleibe modern«, hat der in Dresden geborene Maestro mal gesagt. In diesem scheinbaren Widerspruch, der Tradition und Fortschritt vereint, liegt das Geheimnis der zeitlosen, radikal am Notentext orientierten Interpretationen. Nach der Wiener Klassik und Romantik (Vol. 1, SWR19007CD) und den Sinfonien Bruckners (Vol. 2, SWR19014CD) liegt nun mit dem dritten Teil der Edition der vollständige Brahms-Sinfonienzyklus vor. Dieser wird durch die Tragische Ouvertüre in d-Moll, die Haydn-Variationen, das Schicksalslied für Chor und Orchester, das Klavierkonzert Nr. 1 in d-Moll, das Doppelkonzert in a-Moll und (last but not least) durch die wundervolle Schönberg-Orchestrierung des Klavierquartetts Nr. 1 in g-Moll ergänzt.
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