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Schlagwort: konzertante Musik

Tatarstan National Symphony Orchestra, Alexander Sladkovsky: Dmitri Shostakovich – Complete Concertos

Das Kernrepertoire von Dmitri Schostakowitsch besteht aus seinen 15 Sinfonien, den 15 Streichquartetten, der Oper „Lady Macbeth von Mzensk“, den 24 Präludien und Fugen für Klavier solo, einigen kammermusikalischen Einzelwerken, einigen Ballettmusiken und den sechs Konzerten, jeweils zwei für Klavier, Violine und Cello. Wie viele andere Werke im Œuvre des Petersburger Komponisten sind die Konzerte zum einen eng mit ihren Widmungsträgern (sofern vorhanden) verbunden – Maxim Schostakowitsch und vor allem David Oistrach und Mstislaw Rostropowitsch – zum anderen spiegeln sie Schostakowitschs unmittelbare Realität im Erleben des Alltags in der Sowjetunion wider.

In der fortwährenden Angst vor den Repressalien durch stalinistische Apparatschiks schuf Schostakowitsch einen Matrjoschka-artigen Kompositionsstil, in dem die eigentliche Botschaft hinter einer plakativen Vordergründigkeit steckte. Heutige Interpretationen seiner Musik arbeiten mit viel Mühe die Doppelbödigkeit, die Verbitterung, den resignierten Sarkasmus und den beißenden Spott immer deutlicher heraus. Aber reduziert man damit Schostakowitschs Musik nicht zu sehr auf einen „psychologischen Reflex“? Steht sie nicht auch „für sich selbst“, ohne politische und historische Bezüge? Was wäre, wenn man Schostakowitschs Konzerte als „absolute Musik“ im radikalsten Sinne, als „l’art pour l’art“ betrachten würde, die losgelöst von der Person und der soziopolitischen Ära betrachtet werden?
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Thomas Albertus Irnberger · David Geringas · Michael Korstick · Royal Philharmonic Orchestra, James Judd: Ludwig van Beethoven – Violinkonzert · Tripelkonzert · Romanzen

Kein Zweifel: Die großen Melodiebögen des Orchesters und der virtuose, gleichzeitig poetische Solopart machen aus dem Violinkonzert in D-Dur Ludwig van Beethovens ein immergrünes Highlight im Repertoire. Die Mischung aus leiser Melancholie und berstender Energie machen es zu einem Grundpfeiler des Kanons für Violinisten, populär beim Publikum, unwiderstehlich für den Virtuosen. Sicher, wie alle großen Konzerte ist es überspielt und eine Vielzahl von Einspielungen buhlen um die Aufmerksamkeit des Beethoven-Liebhabers. Aber wenn Thomas Albertus Irnberger seine Einspielung vorliegt, dann kann man davon ausgehen, dass es sich um eine bemerkenswerte Neuaufnahme handelt, zumal das Album durch die seltener zu hörenden Romanzen und durch das Tripelkonzert ergänzt wird. Und wenn bei letzterem das Solistentrio vom Cellisten David Geringas und dem Pianisten Michael Korstick komplettiert wird, darf man Großes erwarten. Hier musizieren drei der versiertesten Beethoven-Spezialisten unserer Zeit gemeinsam. Das brillante Royal Philharmonic Orchestra unter James Judd komplettiert ein wahrhaftes All-Star- nein ein All-Experts-Lineup.
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Pepe Romero · Vicente Coves · Extremadura Symphony Orchestra, Manuel Coves: Federico Moreno Torroba – Guitar Concertos 2

Federico Moreno Torroba (1891–1982) ist eine der herausragenden Figuren der spanischen Musik des 20. Jahrhunderts. In seiner Heimat zunächst vor allem für seine Zarzuelas populär, profilierte er sich im Laufe seiner langen Karriere national und international als Komponist für Gitarrenmusik. Andrés Segovia war der erste Interpret seiner Kompositionen für Gitarre; später gehörte seine Musik zum Repertoire des legendäre Gitarrenquartett Los Romeros, denen er zahlreiche Werke widmete. Heute sind vor allem seine Miniaturen für Sologitarre bekannt, seine Gitarrenkonzerte (und konzertanten Stücke) stehen leider ein wenig im Schatten jener seines Zeitgenossen Joaquín Rodrigo.
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Romain Descharmes · Malmö Symphony Orchestra, Marc Soustrot: Camille Saint-Saëns – Piano Concertos Nos. 1 & 2 · Allegro appassionato

Dass die französische Romantik in Deutschland chronisch unterbewertet wird und viel mehr Beachtung verdiente, kann man eigentlich nicht oft genug konstatieren. Die französischen Komponisten des 19. Jahrhunderts entwickelten eine ganz eigene, zauberhafte Klangsprache, die sich hörbar von der deutschen unterscheidet. Eine Schlüsselrolle in der romantischen Musik Frankreichs kommt dabei dem Camille Saint-Saëns (1835-1921) zu. Seine fein ausbalancierten, charmanten Werke sind immer wieder eine Entdeckung wert; sein Œuvre gibt deutlich mehr her, als seine „Hits“ „Der Schwan“ aus dem „Karneval der Tiere“ und die „Orgel-Symphonie“.

Saint-Saëns’ fünf Klavierkonzerte gehören, wie so viele andere Kompositionen seines beeindruckend umfangreichen Gesamtwerks, zu den Stücken, die außerhalb seiner Heimat kaum noch aufgeführt werden. Die nach wie vor validen Referenzaufnahmen stammen aus den späten 1980er Jahren (etwa Jean-Philippe Collards Gesamteinspielung) oder sind gar noch älter (Gabriel Tacchinos immer noch sehr hörenswerte Gesamtaufnahme aus den frühen 1970ern, die allerdings „in Würde angestaubt ist“). Und so rücken Saint-Saëns’ Klavierkonzerte immer weiter in den Hintergrund.
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Maria Lettberg · Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Ariane Matiakh: Zara Levina – The Piano Concertos

Zara Aleksandrovna Levina (oder in der korrekten deutschen Transkribierung: Sara Alexandrowna Lewina, 1906–1976) galt schon sehr früh als „Wunderkind“. Mit acht Jahren gab sie ihren ersten Klavierabend, mit vierzehn begann sie am Konservatorium von Odessa mit dem Klavierstudium. Bald entschied sie sich für eine Karriere als Komponistin und setzte ihr Studium am Moskauer Konservatorium fort, wo sie unter anderem von Mjaskowski und Glière unterrichtet wurde. Zara Levina schrieb zahlreiche Lieder, Kammermusik und zwei Klavierkonzerte.

Obwohl sie hohes Ansehen unter Musikern wie David Oistrakh, Maria Grinberg und Viktor Knuchevitzky genoss und sich ihre Lieder in der Sowjetunion großer Beliebtheit erfreuten, blieben die Werke Zara Levinas im Westen lange Zeit völlig unbekannt. Daran änderten auch ihre prominenten Nachfahren nichts: Zara Levinas Enkelin Katia Tchemberdji ist Komponistin und Pianistin und lebt seit 1990 in Berlin; noch bekannter ist der Enkel Alexander Melnikov, der als Pianist international sehr erfolgreich ist.
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Henning Kraggerud · Malmö Symphony Orchestra, Bjarte Engeset: Johan Halvorsen · Carl Nielsen – Violin Concertos / Johan Svendsen – Romance

Hand aufs Herz: Wie viele Leserinnen und Leser kennen die Violinkonzerte von Johann Halvorsen und von Carl Nielsen? Sicher, die Symphonien des Dänen Nielsen sind als herausragende Beispiele spätromantischer Symphonik bestens bekannt, aber ein Violinkonzert? Und der Norweger Halvorsen: Von ihm kennt man doch am ehesten die „Passacaglia für Violine und Viola über ein Thema von Händel“. Galt sein Violinkonzert nicht als verschollen?
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Boris Giltburg · Royal Liverpool Philhamonic Orchestra, Vasily Petrenko: Shostakovich – Piano Concertos Nos. 1 and 2 · String Quartet No. 8 (arranged for piano by Boris Giltburg)

Von Fotothek_df_roe-neg_0002792_002_Portrait_Dmitri_Dmitrijewitsch_Schostakowitchs_im_Publikum_der_Bachfeier.jpg: Roger & Renate Rössing, credit Deutsche Fotothek.derivative work: Improvist (talk) - Fotothek_df_roe-neg_0002792_002_Portrait_Dmitri_Dmitrijewitsch_Schostakowitchs_im_Publikum_der_Bachfeier.jpg, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=14401692Es ist noch gar nicht so lange her, zur Hoch-Zeit der analogen Tonträger in den 1960ern und 1970ern, da waren hochkarätig besetzte Neuaufnahmen der Werke Dmitri Schostakowitschs eine Seltenheit. Zum Glück hat sich das geändert. Eine neue Generation von Musikern hat die Klangwelt Dmitri Dmitrijewitschs für sich entdeckt. In den letzten Jahren sind zahlreiche spannende Neuaufnahmen erschienen. Auch bekanntes Repertoire wird neu und vorurteilsfrei betrachtet, etwa die beiden Klavierkonzerte der vorliegenden Veröffentlichung.
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Wiener KammerOrchester · Stefan Vladar: Beethoven – The Solo Concertos

Ludwig van Beethoven (Porträt von Joseph Willibrord Mähler, 1805)Die letzte Besprechung des Jahres gebührt einem Klassiker (im wörtlichen Sinne). Auf den Konzertbühnen und in den Diskografien sind Ludwig van Beethovens Konzerte populäre Dauerbrenner. Sie decken zumindest zwei der drei Kompositionsphasen Beethovens ab, die frühe und die mittlere. Die fünf Klavierkonzerte, das Violinkonzert und die beiden Romanzen sowie das Tripelkonzert sind dennoch authentischster Beethoven, Highlights in seinem Repertoire, die seine stete Entwicklung und sein Genie exemplarisch abbilden.
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Michael Gielen Edition Vol. 3: Brahms – The Symphonies · Piano Concerto No. 1 · Double Concerto · Piano Quartet No. 1

Die in mehreren Volumen angelegte „Michael Gielen Edition“ ist das überwältigende künstlerische Vermächtnis des im Oktober 2014 von seiner aktiven Laufbahn zurückgetretenen Dirigenten. Über viele Jahrzehnte prägte Michael Gielen die Spielkultur der „öffentlich-rechtlichen“ Klangkörper Südwestdeutschlands: Vor allem das (mittlerweile in dieser Form nicht mehr existierende) SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg gelang durch seine Arbeit an die Weltspitze. Während ihm die Anerkennung durch die breite Öffentlichkeit in Deutschland verwehrt blieb, wo man drüben Masur und hüben Karajan, aber eben nicht Gielen verehrte, galt und gilt er jenseits der Grenze, speziell in Asien, als einer der allergrößten seiner Zunft.

Michael Gielen Edition Vol. 3: Brahms - SWR19022CD»Ich bin altmodisch und bleibe modern«, hat der in Dresden geborene Maestro mal gesagt. In diesem scheinbaren Widerspruch, der Tradition und Fortschritt vereint, liegt das Geheimnis der zeitlosen, radikal am Notentext orientierten Interpretationen. Nach der Wiener Klassik und Romantik (Vol. 1, SWR19007CD) und den Sinfonien Bruckners (Vol. 2, SWR19014CD) liegt nun mit dem dritten Teil der Edition der vollständige Brahms-Sinfonienzyklus vor. Dieser wird durch die Tragische Ouvertüre in d-Moll, die Haydn-Variationen, das Schicksalslied für Chor und Orchester, das Klavierkonzert Nr. 1 in d-Moll, das Doppelkonzert in a-Moll und (last but not least) durch die wundervolle Schönberg-Orchestrierung des Klavierquartetts Nr. 1 in g-Moll ergänzt.
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Tianwa Yang · Barcelona Symphony Orchestra, Darrell Ang: Lalo – Symphonie Espagnole / Manén – Concierto español

Tianwa Yang · Barcelona Symphony Orchestra, Darrell Ang: Lalo – Symphonie Espagnole / Manén - Concierto español - 8.573067Kaum einer anderen Violinistin gelingt derzeit das virtuose, temperamentvolle Repertoire so überzeugend, wie der in Deutschland lebenden Chinesin Tianwa Yang. Mit zahlreichen renommierten Preisen bedacht (darunter der Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik und gleich zweimal der ECHO Klassik), beweist die charismatische Geigerin seit Jahren, dass sie technisches Können, interpretatorische Reife und Esprit miteinander auf einzigartige Weise verbinden kann.
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