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Style Fantastique (Pandolfi-Mealli/Froberger) – Carpe Diem

Style Fantastique (Pandolfi-Mealli/Froberger)
Style Fantastique (Pandolfi-Mealli/Froberger)

GIOVANNI PANDOLFI-MEALLI (1620 – ca. 1669)

Style fantastique
Sonata La Castella
Sonata La Melana
Lamentation faite sur la mort tres douloureuse de sa Majesté Impériale Ferdinand le troisième (Johann Jakob Froberger)
Sonata La Cesta
Toccata III in F (1649) (Johann Jakob Froberger)
Sonata La Stella
Sonata La Sabbatina
Suite en ré mineur (Johann Jakob Froberger)
Sonata La Clemente

Ensemble LE CONCERT BRISÉ

William Dongois (Zink), cornetto
Carsten Lohff – cembalo, organ
Éric Bellocq – lute

Carpe Diem
1 CD ▪ DDD
CD-16280 EAN: 4032324162801

Rezension in Gitarre und Laute (21.07.2011)

… fantastisch! … * * * * *

Giovanni Pandolfi-Mealli, der Komponist dieser CD, wird den meisten von Ihnen völlig unbekannt sein. War er mir auch, als ich begann, mich mit der vorliegenden Aufnahme zu beschäftigen. Seine Lebensdaten werden vermutet mit um 1620—um 1669. Erhalten sind vom ihm zwei Sammlungen mit jeweils sechs Sonaten für Violine und basso continuo: „Sonate a violino solo, per chiesa e camera … opera terza“ und „opera quarta“ [RISM P832 und P833], beide gedruckt 1660 in Innsbruck. Die sechs Sonaten op. 3 stehen hier auf dem Programm, zusammen mit einigen Einzelsätzen von Johann Jakob Froberger (1616—1667).
Mit dem Charakter des „Fantastischen“ befasst sich William Dongois in seinem Text zum Booklet der Aufnahme. Der Begriff „stylus fantasticus“ beschrieb einen freien, eher der Fantasie unterworfenen Stil und wurde im frühen 17. Jahrhundert als eine Art Loslösung vom strengen Satz gepriesen. Mit der Monodie wurde das Improvisieren ermöglicht und das freie Spiel bescherte Komponisten und auch Interpreten vollkommen neue Ausdrucksmöglichkeiten.
Ob diese Musik heute noch etwas fantastisches hat, damit befasst sich der Zink-Spieler William Dongois in seinem Text. Statt der Violine ist also ein Zink als Soloinstrument besetzt … und allein das ist etwas fantastisches, weil sicher viele potentielle Hörer sich nicht vorstellen, welche Virtuosität man auf diesem Blasinstrument erzielen kann. Der Zink hat ein Kesselmundstück wie eine Trompete und schon deshalb gehört er zu den Blechblasinstrumenten, auch wenn er aus Holz oder anderen Materialien angefertigt wurde und wird – nur nie aus Blech.
Und virtuos ist der Zink, wenn er so gespielt wird wie hier von William Dongois. Natürlich erschöpft sich darin nicht das Fantastische der Musik dieser Aufnahme, auch nicht in dem Wundern über das Instrument oder über das makellos strahlende Spiel von William Dongois. Es aber wie Jorge Luis Borges zu sehen, der schrieb, die „Gelehrtheit [sei] die moderne Form des Fantastischen“, ist für meine Begriffe eine viel zu wenig sinnliche Betrachtungsweise und außerdem eine, die nicht wirklich in eine Zeit der grenzenlosen Kommunikation passen will. Aber da wir anders sozialisiert sind, als die Menschen des 17. Jahrhunderts, mit anderen Dimensionen an Lautstärke, Virtuosität oder Harmonie und Disharmonie vertraut, ist das Fantastische vielleicht wirklich eine nur intellektuell zu erfassende Größe?
Die Sonaten von Giovanni Pandolfi-Mealli op. 3 und op. 4 sind übrigens alle in kritischen Ausgaben einzusehen und herunterzuladen, und zwar auf den Seiten „Musikland Tirol“. Die kargen Partituren geben vielleicht weitere Hinweise zum Thema „stylus fantasticus“ bzw. über den Anteil der Interpreten am Fantastischen!
Beteiligt am Spiel ist übrigens ein Ruckers-Cenbalo von 1632 bzw. 1745, das sich im Besitz des Musée d’art et d’histoire in Neuchâtel befindet. Ansonsten wird wenig Aufhebens gemacht mit Authentizität oder Aufführungspraxis … und es ist vermutlich auch schwierig, bei einem Programm, das mit „stylus fantasticus“ überschrieben ist. Zu viel ist nicht notiert, sondern der Fantasie der Interpreten überlassen, zu viel Musik ist damals, zur Zeit von Giovanni Pandolfi-Mealli, erst in dem Moment entstanden, als sie gespielt wurde.

Giovanni Pandolfi-Mealli, der Komponist dieser CD, wird den meisten von Ihnen völlig unbekannt sein. War er mir auch, als ich begann, mich mit der vorliegenden Aufnahme zu beschäftigen. Seine Lebensdaten werden vermutet mit um 1620—um 1669. Erhalten sind vom ihm zwei Sammlungen mit jeweils sechs Sonaten für Violine und basso continuo: „Sonate a violino solo, per chiesa e camera … opera terza“ und „opera quarta“ [RISM P832 und P833], beide gedruckt 1660 in Innsbruck. Die sechs Sonaten op. 3 stehen hier auf dem Programm, zusammen mit einigen Einzelsätzen von Johann Jakob Froberger (1616—1667).

Mit dem Charakter des „Fantastischen“ befasst sich William Dongois in seinem Text zum Booklet der Aufnahme. Der Begriff „stylus fantasticus“ beschrieb einen freien, eher der Fantasie unterworfenen Stil und wurde im frühen 17. Jahrhundert als eine Art Loslösung vom strengen Satz gepriesen. Mit der Monodie wurde das Improvisieren ermöglicht und das freie Spiel bescherte Komponisten und auch Interpreten vollkommen neue Ausdrucksmöglichkeiten.

Ob diese Musik heute noch etwas fantastisches hat, damit befasst sich der Zink-Spieler William Dongois in seinem Text. Statt der Violine ist also ein Zink als Soloinstrument besetzt … und allein das ist etwas fantastisches, weil sicher viele potentielle Hörer sich nicht vorstellen, welche Virtuosität man auf diesem Blasinstrument erzielen kann. Der Zink hat ein Kesselmundstück wie eine Trompete und schon deshalb gehört er zu den Blechblasinstrumenten, auch wenn er aus Holz oder anderen Materialien angefertigt wurde und wird – nur nie aus Blech.

Und virtuos ist der Zink, wenn er so gespielt wird wie hier von William Dongois. Natürlich erschöpft sich darin nicht das Fantastische der Musik dieser Aufnahme, auch nicht in dem Wundern über das Instrument oder über das makellos strahlende Spiel von William Dongois. Es aber wie Jorge Luis Borges zu sehen, der schrieb, die „Gelehrtheit [sei] die moderne Form des Fantastischen“, ist für meine Begriffe eine viel zu wenig sinnliche Betrachtungsweise und außerdem eine, die nicht wirklich in eine Zeit der grenzenlosen Kommunikation passen will. Aber da wir anders sozialisiert sind, als die Menschen des 17. Jahrhunderts, mit anderen Dimensionen an Lautstärke, Virtuosität oder Harmonie und Disharmonie vertraut, ist das Fantastische vielleicht wirklich eine nur intellektuell zu erfassende Größe?

Die Sonaten von Giovanni Pandolfi-Mealli op. 3 und op. 4 sind übrigens alle in kritischen Ausgaben einzusehen und herunterzuladen, und zwar auf den Seiten „Musikland Tirol“. Die kargen Partituren geben vielleicht weitere Hinweise zum Thema „stylus fantasticus“ bzw. über den Anteil der Interpreten am Fantastischen!

Beteiligt am Spiel ist übrigens ein Ruckers-Cenbalo von 1632 bzw. 1745, das sich im Besitz des Musée d’art et d’histoire in Neuchâtel befindet. Ansonsten wird wenig Aufhebens gemacht mit Authentizität oder Aufführungspraxis … und es ist vermutlich auch schwierig, bei einem Programm, das mit „stylus fantasticus“ überschrieben ist. Zu viel ist nicht notiert, sondern der Fantasie der Interpreten überlassen, zu viel Musik ist damals, zur Zeit von Giovanni Pandolfi-Mealli, erst in dem Moment entstanden, als sie gespielt wurde.

Veröffentlicht inCD TippLabels in der PresseNaxos News

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