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Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin · MDR Rundfunkchor Leipzig, Marek Janowski: Ludwig van Beethoven – Missa Solemnis

Die „Missa Solemnis“ von Ludwig van Beethoven gilt als eine der herausragenden Kompositionen des Bonner Komponisten und »zählt zu den berühmtesten Messen der abendländischen Kunstmusik«, so die Wikipedia (Recht hat sie!). Das monumentale Werk für Sinfonieorchester, gemischten Chor, vier Gesangssolisten und Orgel ist künstlerisch und akustisch eine wirkliche Herausforderung: Rund 75 Minuten dauert eine Aufführung, die den Beteiligten höchste Konzentration abverlangt. Die Orchester-, Chor- und Solistenstimmen überlagern sich oft. Man braucht einen exzellenten Dirigenten, ein hochklassiges Ensemble, fähige Toningenieure und eine hervorragende Akustik, um Beethovens sakrales Meisterwerk klanglich so abzubilden, dass es den Hörer mit seiner elektrisierenden Dramatik von der ersten bis zur letzten Sekunde packt.

Die bisherigen Referenzaufnahmen der Missa von Jochum, Klemperer und Toscanini haben schon einige Jährchen auf dem Buckel und haben klanglich nicht das Niveau, um audiophilen Anforderungen zu genügen. Umgekehrt haben die Top-Aufnahmen der letzten Jahre zwar klanglich überzeugen können, interpretatorisch boten sie jedoch immer wieder Sonderwege und stark individualisierte Deutungen an (man denke nur an die letzte Harnoncourt-Aufnahme).

Marek Janowski, das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin und der MDR Rundfunkchor Leipzig legen nun eine Aufnahme vor, die endlich klanglich und interpretatorisch als neue Referenz dienen könnte, zumal sich die Solisten – Regine Hangler (Sopran), Elisabeth Kulman (Alt), Christian Elsner (Tenor) und Franz-Josef Selig (Bass) – als überaus homogenes Ensemble erweisen, das sich sehr gut in den Gesamtklang der Produktion einfügt.

Janowski hält bei seiner Missa Solemnis die Balance: Weder eine unangemessene Frömmigkeit (die wirklich nicht Beethovens Überzeugungen entspräche), noch eine symphonische „Verweltlichung“, sondern eine tief empfundene, aber eben quasi agnostische Spiritualität und der bei Beethoven immer wieder dominierende Gedanke der Menschlichkeit stehen im Mittelpunkt des Interpretationsansatzes. Janowski spitzt nicht zu, sondern vereint, er erklärt und setzt nicht auf schroffe, grelle Wechsel. Die vorhandenen Kontraste in der Partitur zwischen den meditativen Momenten und den dramatischen Höhepunkten zeichnet Janowski allerdings auch nicht weich, im Gegenteil: Er bildet sie plastisch ab, erweckt die typisch beethovensche Ambivalenz des „Entweder und Oder“ (leise und laut, zart und forsch, klagend und jubelnd) in der komplexen Messe zum Leben. Die große, mitunter sperrig anmutende Missa wird so zu einem fließenden Hörerlebnis „aus einem Guss“.

Die wie immer souveräne Klangregie des Pentatone-Teams und die perfekt aufeinander abgestimmten Klangkörper aus Berlin und Leipzig machen aus dieser Neuaufnahme ein gelungenes Gesamtpaket, das Beethovens Musik und seinen Humanismus in den Mittelpunkt rückt.

Veröffentlicht inAlben vorgestellt

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