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Pianisten Lucille Chung und Alessio Bax: Ihr Leben gemeinsam am Klavier

4T2A2646 - CopyIch genieße einen an Perfektion heranreichenden Cappuccino an der geschmackvollen, ordentlichen und brandneuen Adresse der Pianisten Lucille Chung und Alessio Bax in New Yorks ‘Upper-Upper Westside’.

Lucilles Organisationsfähigkeiten in die moderne, durchgestylte und dennoch komfortabel, schicke Atmosphäre zu übertragen, ist ein Echo auf Alessios italienisches, klassisches Design-Erbe, welches, zu meiner Freude, auch wenn es um die Küche geht, ebenso eine führende Stimme in der Handhabung des professionellen Prädikats-Milchaufschäumer für Cappucino ist.

Diese großzügige Räumlichkeit, die das junge attraktive Paar ihr Zuhause nennt, wenn es in New York ist, nimmt zwei Konzertflügel auf. Einer ist fürs Üben und Unterrichten in ihrem Arbeitszimmer, das zur Zeit ebenfalls als Gästezimmer dient; der andere im Wohnzimmer und für das gleichzeitige Üben bestimmt oder dafür, sich einander oder auch Gäste zu unterhalten, die typischerweise ebenfalls Musikliebhaber oder Musiker sind.

Klavierspielen ist für beide ein zentraler Bestandteil ihres Lebens. Daher können sie es auch genau so gut gleich zusammen machen und so die Zeit gemeinsam verbringen. Als zwei junge, jeder für sich allein genommen, erfolgreiche Musiker verbringen sie die restliche Zeit gemeinsam, indem sie versuchen, die Klavier Fakultät an der SMU in Dallas und ihren zunehmend vollen Auftritts- und Aufnahme-Terminkalendern unter einen Hut zu bringen. Obwohl sie als Solisten sehr gefragt sind, passiert es in letzter Zeit immer öfter, dass sie auch als Duo spielen. Nicht, dass sie das notwendigerweise so geplant hätten. Obwohl es immer eine großartige Idee zu sein schien [dass sie gemeinsam auftraten] und es gelegentlich passierte, war es erst in jüngster Zeit, dass die Zahl ihrer Duo-Auftritte zugenommen hat, so dass diese heute 20 Prozent der Zeit ausmachen, die zuvor für professionelle Soloauftritte in Anspruch genommen wurde.  Und die Wahrheit ist, sie genießen es, diese wertvolle, intensiv erlebte Zeit am Klavier zusammen zu verbringen.

Als Klavier Duo zu spielen, schafft endlose Möglichkeiten aufzutreten, sich auf eine Bandbreite gut einstudierter Programme vorzubereiten und bietet ihnen schließlich eine Vielseitigkeit, indem es die Musik auf den Weg zu den unterschiedlichen Veranstaltungsorten bringt, wohin sie gern gemeinsam reisen. Wieviel romantischer könnte es noch werden?

“Es bedarf einer Menge an Koordination,” meint Lucille, die verantwortlich für alle organisatorischen Details des Teams ist. Alessio lächelt glücklich, während er zugibt, für diesen Bereich kein Interesse zu haben and bestätigt: “Wir haben uns entschieden, dieses Jahr mehr Zeit für gemeinschaftliche Auftritte auszusparen. Wir haben immer sporadisch
zusammen gespielt, aber nie haben wir uns früher bemüht, das im Voraus zu planen.”

Lucille beschreibt die Psychologie des Zusammenspielens: “Es muss nur zur richtigen Zeit sein, dann sagen wir gerne ja, denn wir sind ein großartiges Team. Es gibt ein totales, gegenseitiges Vertrauen und… wir denken so ähnlich, dass wir uns nicht einmal unterhalten müssen, während wir proben. Nach einer Unterbrechung wissen wir einfach, wo man wieder einsetzt und wie man seine Vorstellungen kommuniziert. Wir denken als eine Einheit und das ist vorteilhaft, wenn es darum geht, innerhalb des Repertoires die eigene Sicherheit zu verbessern. Wir können während eines Konzertes Risiken eingehen und sind uns dann immer noch der Absicherung bewusst, des gleichzeitigen vollständigen Beistandes.”

Alessio, der auch in seinem zweiten Jahr als Gastkünstler mit der angesehenen ‘Chamber Music Society of Lincoln Center’ auftritt und sich der verschiedenen Farben und Texturen erfreut, die von den verschiedenen Instrumenten innerhalb von Kammermusik geboten werden, liegt ebenfalls viel an der Situation mit zwei Klavieren: “Auf eine Weise ist es die ideale Situation zwischen Kammermusik und Solo-Auftritten. Es wirkt eher wie eine Klavieraufführung, insofern es eine größere Freiheit und Flexibilität gibt, aber dennoch gibt es eine starke Partnerschaft und einen befriedigenden musikalischen Dialog. Das Repertoire ist wunderbar und wir können leicht die Proben koordinieren.”

Und dann gibt es natürlich all die sozialen Aspekte des Zusammenreisens, die das Paar auf jeden Fall genießt. Sie mögen es immer, den anderen auf dem Weg zu Auftritten zu begleiten, nun als Duo weitet sich das bis auf die Bühne aus. Lucille erläutert: “Dieses Jahr hatten wir bereits dreißig extra Duo-Konzerte und wir sind gerade von einer ganzen Chicago Tournee wiedergekommen, die aus vier unterschiedlichen Programmen bestand, einschließlich einer aufregenden zweistündigen “Perspective”; die mit Solo wie auch Duo- Auftritten und beiden ihren neuen Aufnahmen als Livestrom von WFMT.com ausgestrahlt wurde. Dieser ausgestrahlten Darbietung folgte ein Programm in Madison, Wisconsin, Brahms Waltzes Op. 39 wie auch ihre eigenen Arrangements von Piazzolla Tangos umfasste. Brahms wird auch diesen Sommer beim angesehenen Music@Menlos Festival gespielt werden.

Alessios CD wird gerade beim Signum Classics Label unter dem Titel Rachmaninov Preludes and Melodiesherausgebracht und wird – ich bin mir da sicher – ein weiteres atemberaubendes Beispiel von Alessios Virtuosotechnik sein, die sich mit einem kultivierten musikalischen Verstehen verbindet und die expressivsten Nuancen in der Musik hervorbringt.  Alessio erweist Rachmaninov die Ehre, einem Künstler, den er als den “letzten der Romantiker” bezeichnet. Und wenn man Alessio kennt, kann man eine grundlegende Verwandtschaft spüren. Egal, um wessen Musik es sich handelt, er widmet sich immer ihrer ernsthaften Erkundung und, während des Auftritts, klingt es so … unglaublich richtig – im besten Sinne von richtig, nämlich in der Musik Schönheit und Wahrheit zu finden.

Im letzten Sommer am ‘Conservatoire de musique’ in Montreal aufgenommen und gerade von Disques XXI Universalherausgegeben, spricht diese einen für sie wichtigen musikalischen Ort an. Mozart war der Grund für Lucille Musikerin zu werden. Sie erklärt, “…Seine Musik war so voller Freude und dennoch so immanent zugänglich, so einfach und doch so tief. Ich fühlte mich sofort angezogen und war fortan danach süchtig. Ich erinnere mich lebhaft, wie ich bei einer Gelegenheit, während ich mit einem zweiten Klavier das Concerto probte, eine Vorstellung hatte, in einer hell erleuchteten Halle mit einem Orchester aufzutreten. Ich konnte die Energie und das Publikum um mich herum ‘fühlen’. Wenig Ahnung hatte ich davon, dass dies bald Wirklichkeit und mein Leben werden sollte …”

Ihr zierlicher Körper könnnte auch leicht der einer Tänzerin sein, und ebenso, wie bei einer Tänzerin, bei der jede Sehne angespannt ist, ist sie durch und durch Musikerin. Eine Ausgeburt an Konzentration, gibt sie sich bei jedem ihrer temperamentvollen Auftritte der ganzen emotionalen Botschaft der Musik hin. Seit ihrem Debüt Auftritt im Alter von 10 Jahren mit dem Montreal Symphony Orchestra unter Charles Dutoit und der sich anschliessenden Asien Tournee mit dem Orchester wurde Musik für die in Kanada geborene Chung, deren Familie aus Korea stammt, zu ihrem natürlicher Lebensraum. Sie ganz sie selbst am Piano, mit vollkommener Gelassenheit und natürlichen Gesten, ob sie eine private Unterrichtstunde gibt oder ob sie in der großen Konzerthalle ist. Ihre Mozart CD gibt eine sehr lebendige Darstellung ihres innigen Klavierspiels wieder, voll von spielerischer Vorstellungskraft – ein perfektes Gegenstück zu Mozart.

Und dann wird es persönlich: War es dank der Musik, dass sich dieses Paar kennenlernte? Hätten sie sich vorstellen können, mit einem Nicht-Musiker/einer Nicht-Musikerin verheiratet zu sein und wird es nicht manchmal zuviel des Guten?

Alessio sieht es so: “Es wäre zu fremd, wenn wir nicht beide so sehr Musik mögen würden. Fast jede Stunde eines Tages sind wir mit Musik beschäftigt. Es ist fast völlig unmöglich, irgendeinen Moment zu finden, der nicht irgendwie mit Musik in Verbindung steht. So kann ich mir nicht vorstellen, mit einer Person zusammen zu sein, deren Leben sich auf völlig andere Vorstellungen beziehen würde. Es wäre auf so vielen Ebenen etwas Trennendes. Jede Person, jedes Paar ist unterschiedlich, aber meine Reaktion ist [folgende]: Wie könnte es sonst funktionieren?” Und doch wartet Lucille mit einer anderen, dennoch ebenso überzeugenden Sichtweise auf: “Wenn man mir, bevor ich Alessio kennenlernte erzählt hätte, ich würde einen anderen Pianisten heiraten, hätte ich gesagt, ich glaube das nicht. Rivalität, Egos… jeder Gedanken in meinem Kopf hätte die Antwort hervorgebracht, dass es nicht gut funktionieren könne – und dann noch obendrein ein Zusammenspielen? Es wäre mir nie in den Sinn gekommen…Und dennoch hat es sich als wahrer Segen herausgestellt. Ich mag und respektiere sein Spielen so sehr, es veranlasst mich, mit ihm spielen zu wollen.”

Alessio fügt hinzu: ”Als Pianisten müssen wir nicht miteinander spielen, es gibt nicht eine wirklich gegenseitige Abhängigkeit wie zum Beispiel bei einem Violinisten und einem Pianisten und es heikel werden könnte, wenn man jemand anderen auswählen würde, als denjenigen, mit dem man lieber zusammenspielt. Für uns ist es ein Bonus, keine Notwendigkeit.”

Aber was ist, wenn die Stimmung nicht gut ist, man gerade Streit hatte und nun zusammen auf der Bühne auftreten muss? “Erst einmal, wir sind nicht sehr konfrontativ,” sagt Alessio mit einem Ausdruck, der mich jedes Wort glauben lässt, das er sagt. “Letztendlich suchen wir Harmonie und das überträgt sich auch auf die Musik.” “Und wir sind nie schlafen gegangen, ohne zuvor ein Problem gelöst zu haben,” sagt Lucille. “Auf der Bühne treten wir als eine Einheit auf, konzentriert wie bei einem Solo-Auftritt. Ich habe Konzerte gespielt, als ich krank war und das Publikum hätte es nicht gemerkt.“ Und, mit einem verschmitzten Blinzeln in ihren Augen, “ich möchte nicht übertrieben sentimental klingen, aber ich denke, dass, wenn wir zusammen spielen, Leute davon angezogen werden – unsere romantische Beziehung wird in unserem Spielen in einer positiven harmonischen Weise offenkundig.”

Das Paar lernte sich im Jahre 1997 während des Hamamatsu Klavier Wettbewerbs in Japan kennen, wo Alessio den ersten Preis erhielt. Zu dieser Zeit studierte Lucille in Italien und unternahm viel zusammen mit der ‘italienischen Clique’ beim Wettbewerb. Alessio studierte in Dallas, aber da er Italiener war, schloss er sich der gleichen Gruppe von Freunden an. Es geschah zufällig, dass bei der Verteilung von Übungsräumen und der Planung der Auftrittszeiten Gruppen entsprechend der alphabetischen Ordnung eingeteilt wurden und ihre Namen im ersten Teil des Alphabets waren. So verbrachten Baglini, Bannister, Bax und Chung Zeit zusammen, während sie darauf warteten zu konzertieren, zusammen aßen und Freundschaften formten. Dennoch, nach diesem ersten Kontakt, gingen alle ihres Weges. Bis Lucille ungefähr ein Jahr später ihre neue E-mail Adresse mit einem Weihnachtsgruß schickte, was einen intensiven Austausch von e-mails auslöste.

Es war zu der Zeit nicht einfach, mit der langsamen Internet Verbindung und den zeitlich eingeschränkten Plänen Kontakt aufrecht zu erhalten.

“Mir fällt der Film: You’ve Got Mail ein,” sagt Alessio, als er an die Zeiten des Wartens am Computer zurückdenkt. Dennoch, während ihre Beziehung ihnen immer wichtiger wurde, war es dennoch noch eine begrenzte Freundschaft; beide von ihnen steckten zu der Zeit noch in anderen Beziehungen. Alessio kam nach Florenz, um ein Konzert zu spielen und sie gingen selbst mit den jeweiligen Partnern zusammen zum Abendessen aus. Und dann kam Lucille nach Dallas. Alessio hatte sich gerade von seiner ehemaligen Freundin getrennt und Lucille, die ihren Freund begleitete, einen Violinisten, der mit dem ‘Dallas Symphony Orchestra’ auftrat …nun gut, um eine lange Geschichte kurz zu machen: Lucille ließ ihr Herz in Dallas und Alessio, der ein bisschen ahnungslos was, was Lucilles Zuneigung betraf, kam nach Florenz zum Abendessen im “Dante” zurück, demselben Restaurant, in dem ihre Freundschaft begonnen hatte.

Der Rest ist Geschichte. Lucille zog nach Dallas und schrieb sich als Schülerin des Pianisten und Pädagogen Joaquín Achúcarro ein, der bereits Alessios große künstlerische Inspiration war. Jetzt beteiligen sich beide als künstlerische Direktoren derAchúcarro – Foundation, die kürzlich eine Partnerschaft mit der Phillips Collection in Washington D.C., wie auch mit demBravissimo- Festival in Guatemala eingegangen ist, das junge Künstler vorstellt. Lucille und Alessio sind schon seit einigen Jahren bei Bravissimo aufgetreten und eines der Highlights dieses Jahres wird eine Produktion sein, die StravinskysPetrushka Ballett-Partitur beinhaltet, gespielt von … Marionetten. Indem eine besondere Kindheitserinnerung von Alessio einfließt, wird diese zu einem interessanten Auftrittsmotiv, produziert von einem in Miami ansässsigen Marionetten Ensemble. Die Marionetten werden mit Hilfe eines Videos eines vorherigen Duo-Pianoauftritts dieser Partitur von Lucille und Alessio, die Aufführung einstudieren.

Als Alessio eingeladen wurde, um im Jahre 2005 für die aufgezeichneten Meisterklasse von Daniel Barenboim zu spielen, war er davon beindruckt, wie gut der Maestro verstand, wie sich Musik auf das Leben bezieht und wie hervorragend er diese Verbindung erklären konnte und so Musik zum ultimativen Medium menschlicher Erfahrung machte.

Das musikalische Paar hat, obwohl es noch relativ jung ist, bereits bemerkenswerte Erfahrungen über sein melodisches Leben, seine Reisen und Bandbreite von Auftritten hinweg gesammelt. Auf einige bezieht sich Alessio in seinem Blog: Alessio Bax…habe Klavier, werde reisen (http://alessiobax.blogspot.com/)

“Wenn es etwas gibt, was ich von diesen selbst-auferlegten musikalischen „Expeditionen“ der letzten wenigen Jahren gelernt habe (zwei transsiberische Tourneen und drei kanadische Prärie Tourneen), ist das genau dieses. Eine außerordentlich wertvolle Lektion dessen, was WIRKLICH in der Musik wichtig ist und im Leben, wenn wir schon dabei sind, und was am Ende des Tages unser ultimatives Ziel beim Musikmachen sein soll. Schönheit, Enfachheit, Unmittelbarkeit ist es, was Musik so universell macht. Ich schätze mich glücklich, dieses Gefühl in den entlegensten Ecken des Erdballs zu erfahren und aus eigener Erfahrung die erstaunliche Wirkung zu sehen, die Musik auf Menschen hat. Egal wie lange wir an jedem einzigen unbedeutenden Detail auch arbeiten, wir sollten nie dieses Gefühl aus dem Bauch vergessen, diese aus dem Bauch kommende Emotion, die großartige Musik in sich birgt und jede Seele genau auf die gleiche Art und Weise ungeachtet geographischer, religiöser oder kultureller Unterschiede rühren kann.”

Der Schlüssel zu dieser ungewöhnlichen Partnerschaft mag in der Besonderheit ihrer eigenen Individualität liegen. Ob als Solo- Künstler oder als Duo-Team, klassische Auftritte sind selten noch attraktiver.

Ihre Webseiten sind: http://www.lucillechung.com/ und http://www.alessiobax.com/

Veröffentlicht inNaxos Nachrichten

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