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Pianist Louis Schwizgebel–Wang

 

Foto: Christian Lutz.

Der junge und sympathische Louis
Schwizgebel-Wang wird schon seit geraumer Zeit nicht mehr als geheimer
Insidertipp betrachtet und falls doch, wird es sicherlich nicht mehr nach
seinem Konzert am 30. Januar in der ‘Merkin Hall’ der Fall sein.

Bereits im Jahre 2007 wurde der in
der Schweiz geborene Pianist dem Publikum in den USA vorgestellt, als er sein
Debüt in der Zankel Hall in New York und im Kennedy Center in Washington gab. Nach
Angaben der Washington Post zu dieser Zeit spielte
er mit einer “ ’powerhouse’ Technik, einer durchtriebenen Art von Humor, einer herrlich
ausdrucksvollen Phrasierung und wallender Leidenschaft und zeigt so auch eine
Sensibilität gegenüber feinen, aber wesentlichen Details des Anschlags und der
Klangfarbe.” Zuvor, im Jahre 2006, erhielt er den ersten Preis bei den ‘Young Concert Artists European Auditions’ an der Hochschule für
Musik Felix Mendelssohn-Bartholdy in Leipzig.

Wieder wird er von den Young Concert Artists auf den Markt
gebracht, einer Organisation, die sich zur Aufgabe gemacht hat, die Karriere
vieler großartiger Künstler zu fördern — einschließlich von Künstlern wie Jerome
Lowenthal, Jean-Yves Thibaudet, Richard Goode, Emanuel Ax und Jeremy Denk. Schwizgebels
bevorstehendes Zugabe-Konzert an der Merkin Hall
wird dem jungen Auftrittskünstler die Möglichkeit geben, das New Yorker
Publikum an den positiven Eindruck zu erinnern, den er in New York und
darüberhinaus hinterlassen hatte.

Schwizgebel-Wangs
andere Karrierehöhepunkte beinhalten eine China Tournee mit dem
Symphonierorchester Basel im Jahre 2004 und das Gewinnen des Internationalen
Klavierwettbewerbs in Kassel im Jahre 2005. Sein anhaltendes Gewinnen von
Preisen in Europa und den Vereinigten Staaten hat zu mehr großartigen
Konzertmöglichkeiten geführt, wie zum Beispiel seinem Auftritt als Solist mit dem
Wiener Symphonie Orchester unter der Leitung von Fabio Luisi und mit dem London
Philharmonic unter der Leitung von Carl Davis. Er hat jüngst auch ein
Solokonzert an Londons Wigmore Hall gespielt und diesen Sommer ist er beim Verbier
Festival aufgetreten, als die Kritikerin Ismene Brown meinte: “ Ich habe
am meisten genossen, was in frischer Blüte stand, genau die Art von Dingen, die Verbier ausmachen. In
einer abgetrennten, weißen modernen Kirche tauchte eines nachmittags ein 23-jähriger
Schweizer Pianist namens Louis Schwizgebel-Wang  auf,
der ein-einviertel Stunden Liszt mit exquisiten Klaviermärchen im Fluge vorüberziehen
ließ — von
den düsteren Fragen von Vallée d’Oberman bis
zu einigen atemberaubend virtuosen Spielen der Paganini Studien….

Als Musiker Karriere zu machen ist
ein langfristiger Willensakt, der, was das Hervorbringen von Musik betrifft, Intelligenz
und Neugierde voraussetzt, wie es von Terfel personifiziert wird. Im Moment hat
vielleicht der schöne und glamoröse Buniatishvili, im
geichen Alter wie Schwizgebel-Wang, einen großen Marketingvorteil, aber in
zwanzig Jahren, denke ich, dass, wie Kovacevich und Argerich, eher Schwizgebel-Wang
Meister seines Instruments ist, um oben
in den Bergen von Verbier die Ohren für die intimen
Geheimnisse großartiger Musik zu öffnen. Man versuche ihn zu erwischen, wenn er
diesen Herbst mit seinem Schweizer Landsmann, dem Celllisten Lionel Cottet, in Großbritannien
auftritt und ich wette, dass er nicht allzu ferner Zeit als Solist bei vielen vornehmen Adressen spielen.wird”

Seine Eltern — seine Mutter
Chinesin, sein Vater Schweizer — sind beide in Genf lebende bildende Künstler
und glaubten an ein wohlbehütetes Umfeld. Er begann im Alter von sechs Jahren
bei seinem Lehrer Franz Josefovski mit dem Unterricht. Als junges Talent am
Klavier  — im Alter von zwölf Jahren,
vertrat er die Schweiz beim neunten internationalen Steinway Festival in Hamburg  — besuchte er das Konservatorium in Lausanne,
aber nur, um Unterricht bei seiner Lehrerin Brigitte Mayern zu nehmen. Als er noch
zu Hause lebte, erhielt er im Alter von 15 Jahren ein Solistendiplom. Später
reiste er zum Unterricht an der Universität der Künste bei Pascal Devoyon in
Berlin an. Das ist der Grund dafür, dass er erst seitdem er in diesem Jahr nach
New York kam, um bei Juilliard bei Emanuel Ax und Robert McDonald zu studieren,
eine wahrhaftige “schulische Umgebung” erlebt, die er
in der Tat sehr mag.

Er liebt es sich selbst herauszufordern
und ich war davon beeindruckt zu erfahren, dass er es mag, weiter Sachen zu erkunden. Selbst hinsichtlich
seiner bereits sehr gelobten Klaviertechnik mag er einen tieferen Einblick in
die Prinzipien gewinnen, die immer präsent sind, selbst wenn das nicht immer
offensichtlich sein sollte, trotz all der großartigen Ausbildung und des
musikalischen Talents.

Ich traf ihn vor kurzem zum
erstenmal, nach seiner Teilnahme beim Beethoven-Marathon, einer Live-Übertragung
aus dem ‘Greenspace‘ von WQXR [New Yorks öffentliches Radio für klassische
Musik] vom 20. November.Dieser Marathon war eine gemeinsame
Anstrengung einiger der talentiertesten – etablierter und aufstrebender –  Pianisten,
einschließlich von Künstlern wie Jonathan Bis,
Jeremy Denk, Alessio Bax und Phillip Edward Fisher.

“Ich musste meinen Horizont
erweitern …” meinte Schwizgebel-Wang, als ich ihn nach seinem brillianten
Spielen von Beethovens Opus 14, Nr. 1 und Opus 81a ansprach. Seine Teilnahme
bei der Übertragung aus dem ‘Green Space’ passierte ein
bisschen spontan und gab ihm eine begrenzte Zeitspanne von nur acht Tagen, beide Sonaten für
den Auftritt vorzubereiten.

“Ich entschied mich für ein
Studium in New York,” erklärte er, “da ich bereits über Kontakte verfügte, einige
Vorspieltermine gewonnen hatte und gemanagt wurde, was sich weiter fortsetzt.
Die Young Concert Artists waren sehr
hilfreich; sie stellten mich Emanuel Ax vor, der mich dann bei Juilliard als
seinen Studenten akzeptierte. Ebenso überzeugte mich auch Martin Engstroem, der
Organisator des Verbier Festivals, nach New York zu gehen. Zunächst war ich
2008/9 zu den Verbier Akademie-Meisterklassen gegangen und dann hatte mich Engstroem
in diesem Jahr dazu eingeladen, ein Konzert zu spielen. Ich hätte an Paris oder
London gedacht. Engstroem drängte mich weiter, nach New York.”

Und ihm gefällt es sehr. Er schätzt
sich glücklich, eine Wohnung nahe von Julliard
gefunden zu haben und er übt täglich in der Schule. “Zu Hause war ich immer ein
bisschen faul zum Üben, weil …nun ja, es handelt sich um zu Hause und es gab reichlich
Ablenkungen. Aber hier geht man an den Übungsräumen vorbei und dann bin ich motiviert;
alle anderen machen ja das Gleiche,” fährt der Pianist fort.

Er genießt den musikalischen Input
seiner beiden Lehrer Ax und McDonald. Sie reden nicht viel über Technik. Schwizgebel–Wang
gefällt es, ihren Vorschlägen zuzuhören, wie man mit unterschiedlichen Phrasierungen, musikalischen Strukturen und Interpretationen umgehen
solle. “Manchmal gibt es kleine Veränderungen im Detail, die die gesamte Idee
des Stücks verändern”, behauptet er und zieht für sich das meiste aus dem
einjährigen Prozess des Graduiertendiploms heraus, den er auf ein zweites Jahr verlängern
möchte.

Als wir über Technik sprechen, wird
Louis wirklich interessiert.

Es ist für jeden aufstrebenden Pianisten
faszinierend zu wissen, dass, wie enorm das Talent, wie gekonnt seine Auftritte
und wie aussichtsreich seine Karriere auch sein
mag, er konstante Unsicherheiten zugeben kann oder vielmehr ein ständiges
Infragestellen von Klaviertechnik als einem zuverlässliches Handwerk, um all
die wundervollen vielversprechenden künstlerischen Ideen zu schmieden. Wie erzeugt
man den vollen Klang, den er an bestimmter Stelle in der Musik möchte? Wie
bedient man die Tastatur, so dass der gewünschte Sound nicht zu harsch, aber laut genug sein wird?

Es gibt natürlich unterschiedliche
stilistische Weisen sich dem
Klavier zu nähern, zum Beispiel wenn man französische impressionistische Musik
spielt wie Ravels Gaspard de la Nuit,
das Louis für sein bevorstehendes Konzert in der Merkin Hall vorbereitet. “Irgendwas
an dem leichten Berühren der Tasten, der präzisen und klaren Genauigkeit, ist
für mich viel greifbarer und leichter instinktiv zu erfassen als, sagen wir,
Brahms oder Schubert,”meint er.

Also was ist es, worauf man sich
beim Üben konzentrieren muß, angesichts der Tatsache, dass man zwei Beethoven Sonaten in acht Tagen vorbereiten
kann?  “Ich bin nicht nach “Übungen”
verrückt.” Ich schaffe meine eigenen Übungen entsprechend eines jeden Stückes,
das ich spiele, und ich mag es, alles über die Musik zu erfahren, die ich
spiele. Und ich würde es im Allgemeinen sehr begrüßen, Technik
besser zu verstehen, was einem erlaubt, sich am Piano wohl zu fühlen. “

McDonald hat als sein Lehrer die Taubman Methode erwähnt und ich biete an, ihm Edna Golandsky
vorzustellen, die die renommierteste Spezialistin von Dorothy Taubmans Untersuchungen
von der natürlichen Klaviertechnik ist.

Es ist faszinierend die Interaktion zu sehen, wenn großes Talent auf die
lebenslange Erfahrung eines Klavierlehrers trifft, wie Edna Golandsky, die
viele Pianisten willkommen geheißen hat und deren Horizonte sie erweiterte, als
sie ihren Rat suchten. Louis spielt einen Satz von Schuberts Sonate in a-Dur,
Haydns Sonate in c-Dur und etwas von Ravels Gaspard
De La Nuit
. Edna bewundert sein Talent und erkennt, dass er auf der Suche danach
ist, wie er die sich immer wieder verflüchtigende Qualität des Tons bekommt –
ohne Mühe und mit Zuverlässigkeit.

Es ist mir eine Ehre bei dieser
Arbeits-Sitzung dabei zu sein. “Woran denken Sie?” fragt sie ihn, nachdem er
für sie gespielt hat. Er erläutert, dass er nie wirklich komfortable Technik gehabt hat. “Ich war immer auf der Suche
und begann mit einem zu hohen Handgelenk und Spannung. Ich wollte schon zu jung
schwere Stücke spielen und musste einen Weg finden, um diese spielen zu können.
McDonald gab mir ein paar neue Ratschläge, denen entsprechend ich mich etwas besser fühlte, wie ich in die Tasten
lange, etwas diagonal und nicht ein ‘In-die- Tasten-greifen’, wie ich es zuvor
tat, aber ich bin noch immer auf der Suche …”

Edna hat eine andere Methode, die
die natürliche Ausrichtung von Unterarm, Händen und Fingern aufzeigt. Es gibt
keine Position, die kontinuierlich aufrechterhalten werden kann:”Das Einrollen
der Finger ist einer der größten Ursachen für Verspannungen, meint sie, aber
ein Schub nach vorn bringt Fingerbewegungen hervor, die genauso kontraproduktiv
sein können wie ein ‘In-die-Tasten-greifen’, das zur Folge hat, dass man vom
Klavier “fällt”. Manchmal kann der Wechsel einer Methode dabei helfen, dass man
sich besser fühlt. Aber die wirkliche Antwort besteht darin, dass man jegliche
Verspannung loswird.”

Edna fuhr fort Louis zu vermitteln, dass die Tiefe seines Klangs aus dem
Gewicht seines Unterarms komme, der ebenfalls die Seitwärtsbewegungen auf der
Tastatur bewältigt. Es gibt ein Gefühl von einer nach vorn gerichteten Balance,
im Gegensatz zu einem Nachhintenfallen. Sie erkannte, dass er sehr viel
Vorstellungskraft in seinem Spielen hat und die Veränderungen der Klangfarbe gut
hervorbringt, aber es einen tieferen Klang geben könne: Das kommt vom Unterarm,
durch eine mit der Drehbewegung einhergehenden bewussten Verlangsamung der
Geschwindigkeit an der Tastatur,” erklärt sie.

Louis hat sofort den Dreh. Edna
fragt ihn, “Wie ist es?“ “Angenehm,” bestätigt Louis und nickt dabei dankbar.

“Auf die Ausrichtung achtzugeben,
erlaubt einem, sich mehr verankert und unterstützt zu fühlen. Um die Klänge
hervorzubringen, besonders dann, wenn wir von einem weichen Klang reden, halten Leute die Arme hoch, ihre
Schultern und trauen sich nicht, einen zu großen Klang zu produzieren. Der
Klang ist nicht am Boden der Taste, sondern ein bisschen davor. Daher richtet man
sich nicht auf den Boden aus “ erklärt ihm Edna.

“Man hat mehr Kraft, wenn man
nicht der Taste etwas abzwingt, sondern freier, als ob man einen Ball wirft. Mit
dem Timing der Taste und der Kraft des Unterarms gibt es eine große Klangvielfalt und einen vorallem einen volleren. Man sollte nur
vorsichtig sein, nicht in den Gelenken, im Handgelenk und den Fingergelenke einzuknicken.
Dieses besondere, stabilisierende Verhältnis zu brechen, kann
schnell zu Verletzungen führen und, wenn das Handgelenk
absinkt, sind normalerweise die Schultern auch am nachziehen. Vielleicht sollte
das bei Ihnen die höhere Position des Handgelenks kompensieren. Wie auch immer,
wenn es richtig ist, versucht die Hand nicht etwas anderes zu tun, fühlt sich
wohl und es gibt keinen Unterschied, ob es ich dabei um ein Konzertaufftritt
oder eine Übung handelt.”

Schwizgebel-Wang ist von seinem
ersten Besuch begeistert und erzählt mir anschließend enthusiastisch: “Es hilft
wirklich! Ich hatte etwas komplizierteres erwartet, aber eigentlich ist es so
einfach und natürlich. Ich freue mich auf Übungen in dieser Richtung.“

Das Glück zu haben, aufgeschlossen
und nicht von einigen der Geister kritischer Gerüchte über die Taubman Methode
abgeschreckt zu sein, wird ihm Gelegenheit geben, Edna wieder zu besuchen sobald Fragen aufkommen. Aber für diejenigen, die nicht
in der Nähe von New York sind, gibt es zehn Bänder, welche die Prinzipien der
Methode vorstellen und über die Golandsky Website
zu beziehen sind. www.golandskyinstitute.org

Und vielleicht werden wir während
des bevorstehenden Konzertes in der ‘Mekin Hall’ einige der beeindruckenden
positive Ergebnisse von Louis neuer Art, Klänge mit seiner
Klavier-Technik zu produzieren, erleben. Wir hoffen, dass es für ihn ein
angenehmes, müheloses Erlebnis sein wird… wenn es ihm möglich ist, seine
wundervollen musikalischen Gedanken noch freier von Hand zu fertigen.

Veröffentlicht inGrenzüberschreitend

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