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Peter Mennin – Orchesterwerke

„Ausgrabung“ aus dem Keller der gemäßigten US-Musikmoderne

In Naxos‘ sehr löblicher Reihe „American classics“ erschien unlängst eine CD mit sinfonischer Musik des Komponisten Peter Mennin – und das war auch schon lange mal fällig!

Peter Mennin gehört zur selben Generation wie einige der herausragenden und weltweit anerkannten Größen der klassischen US-Musikmoderne, so etwa William Schuman oder Elliott Carter. Im Gegensatz zu diesen vermochte oder wollte Mennin aber keine radikale Neuerungen in der Musik akzeptieren oder gar selbst mitentwickeln.

Sein Stil blieb durchwegs spätromantisch, auch wenn er sich gelegentlich an den Grenzen der Tonalität rieb und mit einem Bein im Expressionismus zu stehen schien. Mennins Tonsprache ist allein schon durch diesen Umstand, aber auch wegen einiger Aspekte der Instrumentation dem Stil des Briten Ralph Vaughan Williams nicht unähnlich. Jedenfalls ist er keiner der eingeschworenen US-“Nationalkomponisten“, die mit Cowboyballetten oder Gettysburg-Sinfonien auftrumpften.
Peter Mennin erhielt seine thematischen Bezüge zu den USA – wenn überhaupt – nicht aus der Geschichte der Amerikaner, sondern aus deren Kunst. Er bezog zum Beispiel nicht selten Inspirationen aus literarischen Werken, unter anderem aus einem der Monolithen der US-Literatur – dem Roman „Moby Dick“ von Herman Melville.
Peter Mennin schrieb daraufhin das nur zehnminütige, sehr effektvoll komponierte „Concertato“ für Orchester mit dem Beinamen „Moby Dick“ als Auftragsarbeit für das Erie Philharmonic Orchestra.
Es ist praktisch eine sinfonische Dichtung, der die allseits bekannte Geschichte um den weißen Wal Moby Dick zugrundeliegt.

Die CD beinhaltet des Weiteren zwei der insgesamt neun Sinfonien des Amerikaners: die dritte und die siebte, die den Beinamen „Variation Symphony“ trägt. Die dritte Sinfonie enstand als Auftragswerk für das New York Philharmonic Orchestra, die siebte schrieb der Komponist für das Cleveland Orchestra.
Auch diese beiden Stücke sind spätromantisch im Gestus, wobei die siebte Sinfonie aus dem Jahr 1964 auch in stärker dissonante Sphären vorstößt, die – das sollte man betonen – ein Komponist wie zum Beispiel Roy Harris, der ebenfalls bis zuletzt Spätromantiker blieb – aber bereits deutlich früher und deutlich überzeugender einsetztee.

Während „Moby Dick“ und die dritte Symphonie wie gesagt mit keinem Ton erahnen lassen, dass hier ein US-amerikanischer Komponist am Werk war, atmet die siebte Sinfonie den Geist von Neue Musik-Pionieren wie Charles Ives, ohne jedoch dessen weltweit herausragende Klasse zu erreichen.

Kurz und gut: Peter Mennins Musik muss man nicht kennen. Für diejenigen aber, die sich gern im Fahrwasser der US-amerikanischen Kunstmusik des 20. Jahrhunderts tummeln, ist diese CD hier bestimmt von einigem Interesse. Und wenn auch Mennins Werke nicht immer die Klasse der Größten unter den US-Komponisten erreichen, so sind sie immer noch nahe genug dran, damit Ives-, Harris-, oder zum Beispiel auch Hanson- und Diamond-Fans ihre Freude haben werden.

Die CD liegt hier übrigens als Lizenzveröffentlichung von einer Mitte der 1990er-Jahre bereits beim US-Label Delos erschienenen Einspielung vor. Delos-typisch ist der Sound ein wenig unausgewogen: Die Blechbläser wirken teilweise überpräsent, Holzbläser und vor allem die Streicher hätte man hingegen gern etwas lauter gehört. Auch die leicht dumpf wirkenden Höhen in der Streichersektion sind ein von Delos-Aufnahmen der 1990er-Jahre hinlänglich gewohnter Makel.
In diesem Fall entschädigt eine sehr engagierte und technisch blitzsaubere Interpretation des wie immer bestens disponierten Seattle Symphony Orchestra unter der bewährten Stabführung der Dirigentenlegende Gerard Schwarz.

Mennins Musik ist eh nicht häufig auf CD verfügbar. Auf dem deutschen Markt sind aktuell nur drei Zusammenstellungen seiner Musik verfügbar. Die hier enthaltenen Werke gibt es ausschließlich im Rahmen dieser einen Einspielung. Wer sich für Mennins Musik interessiert – und zumindest die siebte Sinfonie ist das Interesse allemal wert -, kann also gar nicht falsch liegen, wenn er hier zugreift – dies zumal zum günstigen Naxos-Preis.

P. Mennin – „Moby Dick“ / Sinfonie Nr. 3 / Sinfonie Nr. 7
Seattle Symphony – G. Schwarz

(2012/1996)  Naxos Katalog-Nr.: 8.559718 / EAN: 636943971826

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