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Orchester Jakobsplatz – Neue jüdische Identität findet ihren Ausdruck in der Musik

 

Foto: Erol Gurian – Orchester Jakobsplatz

“Mein Ziel ist es, jüdische Musik in ihrem gegenwärtigen Kontext vorzustellen und nicht in der üblichen Darstellungsweise, als etwas, das einfach mit dem Holocaust zu tun hat oder als ,entartete Kunst’ kategorisiert wird“, erklärt der künstlerische
Leiter Daniel Grossmann, der das Orchester Jakobsplatz im Jahre 2005 gründete.

In Deutschland aufzuwachsen, als zweite jüdische, nach dem zweiten Weltkrieg geborene, Generation, scheint ein Bedürfnis hervorzurufen, eine neue Beziehung zu dem eigenen jüdischen Kulturerbe und künstlerischer Identität zu finden.

Das Ensemble besteht aus jungen, professionellen Musikern aus mehr als zwanzig Ländern, die auf das Spielen selten aufgeführter Werke jüdischer Komponisten in Kombination mit anderen Werken des 20. und 21. Jahrhunderts ausgerichtet sind.

Seit 2007 ist Münchens neues jüdisches Gemeindezentrum, das am Jakobsplatz gelegen ist, der ständige Sitz des Orchesters, in dessen Hubert Burda Auditorium seine regelmäßig Konzertreihe stattfindet. Das Programm ist vielfältig – mit Aufführungen traditioneller Kost neben zeitgenössischer Musik, die Auftragsarbeiten für das Ensemble umfasst und dessen jüdische Verbindungen wiedergibt.

Der beachtliche Erfolg sich einen ständigen Veranstaltungsort mit seinen Aufführungsmöglichkeiten zu sichern, haben umgekehrt einen Anteil an dem klaren und ständigen Anwachsen gehabt, sowohl in seiner Bandbreite, als auch was seine Dimensionen betrifft:

“Die jüdische Musiktradition ist ein anhaltendes Thema für unser Ensemble und unsere internationalen Mitglieder, aber persönlich gesehen bringt ein jeder seine eigenen Traditionen in den Dialog des Musizierens mit ein,” meint Grossmann, in einem Interview nach der Vorstellung Orchesters beim Münchener Classical: NEXT Forum.

Neue Wege klassischer Musik darzustellen stand im Zentrum der internationalen Musikgemeinschaft, die an Classical:NEXT teilnahm.  Sich der Herausforderung stellend hat das Orchester Jakobsplatz sicherlich mit seinem Konzept eine interessante Nische gefunden, ständig sein Repertoire wie die Anzahl der Spielorte zu auszuweiten, während man sich gleichzeitig um erfolgreiche Kooperationen mit anderen Künstlern sowie Institutionen vor Ort bemüht.

Aus dieser Zielvorstellung heraus hat sich das Orchester an zahlreichen Koproduktionen mit dem Bayrischen Staatstheater beteiligt.

Beispiele sind die Bühnenaufführung der Kammeroper “Der Kaiser von Atlantis, oder die Tod-Verweigerung“ von Viktor Ullman, Benjamin Fleischmanns “Rothschilds Violine” in Verbindung mit Sarah Nemtsovs Kammeroper “Herzland” – alle vom Bayrischen Staatstheater auf die Bühne gebracht.

Andere Höhepunkte, die dabei halfen, das Prestige des Orchesters und die internationale Ausrichtung auszubauen, umfassen das Wohltätigkeitskonzert mit Anne-Sophie Mutter und die Aufführungen mit namhaften Solisten wie Tanja Becker-Bender, Sergej Leiferkus, Adrian Brendel, Ann-Katrin Najdu und Kevin Conners.

Im Jahre 2006 eröffnete das Orchester das neunte jüdische Sommerfestival in Budapest, wo Grossmann regelmäßig als Gastdirigent seit 2000 aufgetreten ist.

Einer internationalen Tournee nach Israel im Jahre 2009 folgten jüngst Tourneen nach Moldavien, der Ukraine und Rumänien. Dieses Jahr ist die jüdische Gemeinde Stockholm Gastgeber der Wiederbelebung des Sentiments alter und neuer jüdischer Musik durch das Ensemble und das Orchester plant bereits für 2013 eine Tournee durch die USA.

Foto: Christine Schneider -Daniel Grossmann

Der junge und bedächtige Daniel Grossmann, der das Orchester Jakobsplatz leitet, weist auf die Wichtigkeit anhaltenden Kulturaustausches in all den Bestrebungen der Orchesters hin. “Jeder integriert sein eigenes Kulturerbe in die bestehenden Institutionen. Wir integrieren unser Jüdisches. Der Kulturaustausch, der daraus entsteht, ist eine unermessliche Erfahrung und recht erfrischend für jemanden, der, wie ich, in Deutschland nach dem Krieg jüdisch aufgewachsen ist.”

Dieser neuen jüdischen Generation, die deutsch und jüdisch in Deutschland aufgewachsen ist, ist es gelungen, eine lebendige Mischung bestehender vielfältiger und reicher jüdischer Traditionen in eine deutsche Umgebung zu integrieren. Sie beabsichtigen diese Attraktivität in anderen Ländern, wo es einst ein aktives jüdisches Gemeindeleben und musikalische Tradition gab, zu erhöhen. Dieser neue, bedeutende, multi-kulturelle Schwerpunkt ermöglicht ebenfalls einen frischen und lebhaften Nährboden für zeitgenössische Werke, der von einem neuerblühenden und selbstbewussten jüdischen Geist zeugt.

Kein Wunder also, dass das Projekt im allgemeinen große kulturelle und politische Aufmerksamkeit innerhalb der jüdischen Gemeinde und von der deutschen Regierung erhalten hat. Mit der festen Niederlassung des Ensembles am jüdischen Gemeidezentrum am Jakobsplatz, gibt diese Gruppe ein Beispiel für die Rückkehr eines viel vollständigeren jüdischen Kulturerbes, das nun seinen wohlverdienten Platz im Münchener Kulturleben einnimmt.

Orchester Jakobsplatz hat zwei CDs für das NEOS Music Label aufgenommen. Im Jahre 2008 wurden Werke von John Cage und im Jahre 2009 Werke des jüdischen Komponisten Paul Ben-Haim von diesem Label herausgegeben. NEOS Music hat eine anhaltende Kooperation mit dem Orchester Jakobsplatz eingerichtet und wird weiterhin ihre Werke herausbringen.

 

Um mit der Managerin des Orchesters Dr. Julia Grossmann in Verbindung zu treten, kontaktiere man info@orchester jakobsplatz.de oder ihre USA/Kanada Vertreterin Barbara Scales bei bscales@lattitude45arts.com

 

Veröffentlicht inGrenzüberschreitendNaxos News

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