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Olivier Messiaen – Et exspecto resurrectionem mortuorum / Le tombeau resplendissant / Hymne

Kühl und distanziert – in Sachen Messiaen: Ein Volltreffer!

Ist schon witzig: Vor einigen Jahren erschien eine Aufnahme des groß angelegten Messian’schen Orchesterwerks „Et exspecto resurrectionem mortuorum“ mit dem SWR-Sinfonieorchester unter der Leitung des Franzosen Syilvain Cambreling auf Hänssler Classics, heute schiebt Naxos eine Neuaufnahme nach, die gewissermaßen die „umgekehrte Autorität“ widerspiegelt: der derzeitige Leiter eines Rundfunkorchesters der ARD (nämlich des MDR-Sinfonieorchesters) dirigiert hier ein französisches Orchester.

Jun Märkl war bis zu seinem Antritt als GMD des MDR-Sinfonieorchesters Chefdirigent des hier zu hörenden Orchestre National de Lyon. Diese Aufnahmen, die aus den Jahren 2008 bis 2010 stammen, sind also noch Ausdruck von Jun Märkls Zeit in Frankreich. Auf Naxos war in dieser Besetzung bereits ein Zyklus sämtlicher Orchesterwerke Claude Debussys erschienen, der weltweit viel Lob einheimste, mir persönlich aber wegen seiner emotionalen Kälte überwiegend nicht so gut gefiel (siehe zur Verdeutlichung auch diese Rezension zu einer der Debussy-CDs).

Wie also schlägt sich die Kombi Märkl/Lyon nun in Sachen Messiaen?

Kurze Antwort: Deutlich besser!

Lange Antwort: Auch auf dieser Naxos-Neueinspielung des eher selten zu hörenden Messiaen-Stücks aus dem Jahr 1964, fällt die Kühle und Nüchternheit auf, die Märkl seinem Orchester abverlangt. Es gibt durchaus hochgradig emotionale Messiaen-Darbietungen. Und sie haben ihre Berechtigung, wenn man bedenkt, dass fast das gesamte Messiaen-Spätwerk als Meditation über den christlichen Glauben verstanden werden kann.

Märkl hingegen pflegt eher einen Stil wie zum Beispiel Pierre Boulez und lässt Messiaen weniger als musikalischen Mystiker erscheinen, sondern eher als Vorreiter des Avantgardismus, als Hauptvertreter der Moderne des 20. Jahrhunderts. Auch das ist legitim und passt zu der hin und wieder fragmentiert wirkenden Partitur des „Et exspecto resurrectionem mortuorum“ einfach auch sehr sehr gut.

Ein einfach nur perfekter hoch auflösender und blendend brillanter Aufnahmeklang tut sein Übriges hinzu. Naxos weiß hoffentlich, was es an seinem Haus- und Hoftonmeister Tim Handley hat, denn der kreiert in letzter Zeit HiFi-Perlen vor dem Herrn, dass es einfach eine Wucht ist.

Diese Messiaen-CD klingt in etwa genau so gut, wie die erst vor wenigen Tagen von mir über den Klee gelobte Holst-CD (Rezension siehe hier), und das bedeutet, dass wir hier ein Klanghighlight allerhöchster Güte geliefert bekommen.

Fazit: Jun Märkl und das Orchestre National de Lyon legen hiermit eine sehr ausgewogene, gelungene Darbietung von einem der eher unbekannteren Messiaen-Orchesterwerke vor. In Sachen Interpretation steht sie der viel gelobten Boulez-Einspielung des Stücks auf Deutsche Grammophon nicht nach, in Sachen Sound wage ich zu behaupten, dass die neue Naxos-CD die erwähnte Boulez-Aufnahme sogar noch zu übertreffen vermag – und das, obwohl auch die Boulez-Aufnahme aus den 1990er-Jahren als ausgewiesenes HiFi-Highlight gilt. Für den Naxos-Preis: Ein Volltreffer!

O. Messiaen – Et exapecto resurrectionem mortuorum
Orchestre National de Lyon – J. Märkl

(2012) Naxos Katalog-Nr.: 8.572714 / EAN: 747313271474

Weitere Rezensionen finden Sie bei:

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Veröffentlicht inThe-Listener

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