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Michael Korstick: Claude Debussy – Piano Music Vol. V

Am 25. März 2018 jährt sich zum 100. Mal der Todestag des französischen Impressionisten Claude Debussy, der einer der wichtigsten und bis heute populärsten Wegbereiter der Moderne war. In der Arithmetik der Musikwelt bedeutet dies, dass wir uns nun im „Debussy-Jahr“ befinden und dass uns jede Menge Neu- und Wiederveröffentlichungen mit seiner Musik bevorstehen, in unterschiedlichen Qualitätsstufen, versteht sich.

Eine der (aus meiner Sicht) interessantesten Aufnahmereihen, die anlässlich des Jubiläums in Angriff genommen wurde, wird nun, nach fünf Jahren „in the making“ abgeschlossen. Mit „Debussy: Piano Music Vol. 5“ beschließt Michael Korstick seine Gesamtaufnahme des Klavierœuvres Debussys. 2012 erschien der erste Teil der Reihe auf SWR Music, danach folgte im jährlichen Abstand eine Ausgabe. Die fünfte und letzte wurde ein wenig verzögert veröffentlicht, damit sie gerade noch so ins Debussy-Jahr rutscht. Schwerpunktmäßig enthält sie das erste und zweite Buch der Études. Darüber hinaus umfasst sie einige verstreute Miniaturen, darunter zwei frühe Stücke, die „Tarantelle styrienne“ von 1890 und das „Nocturne“ von 1892, eine „Étude retrouvée“, die vor den eigentlichen zwölf Études entstand und eine Art Triptychon dessen, was einst vermutlich mal als zweite „Suite Bergamasque“ geplant war: die Stücke „Masques“, „D’un cahier d’esquisses“ und „L’isle joyeuse“. Die digitale Version des Albums enthält zusätzlich die Klavierfassung des Poème dansé „Jeux“.

Michael Korstick trägt bereits seit Studienzeiten an der New Yorker Juilliard School den Spitznamen „Dr. Beethoven“ und er tut dies nicht ganz ohne Stolz. Aber genauso gut hätte man ihm den Titel „Docteur Debussy“ verleihen können, denn seit seiner Jugend beschäftigt sich der gebürtige Kölner (mit derzeitigem Wohnsitz in Linz, Österreich) mit dem französischen Komponisten. Wie alles, was Korstick anpackt, hat er sich für die Gesamteinspielung sehr viel Zeit gelassen. Fünf Jahre für fünf CDs, das ist in den heutigen Zeiten kaum noch üblich. Aber diese lange und stückweise Beschäftigung ist Ausdruck der Sorgfalt und Akribie, mit der sich Korstick der Musik Debussys widmet.

Die schweren und stellenweise erstaunlich modernen, dann wieder fast kargen Etüden gehören nicht gerade zum oft gespielten Debussy-Repertoire. Und doch sind sie, in der Umsetzung eines technisch so versierten Pianisten wie Michael Korstick überaus hörenswert. Ihm gelingt es, das Abstrakte, das Didaktische der Etüden ebenso spieltechnisch makellos wie ästhetisch ansprechend umzusetzen. Dies ist nicht der Debussy der zarten Pastell-Töne (sic!), sondern vor allem der kraftvollen, komplexen, stellenweise sehr experimentellen Klänge. Die zwölf Stücke entstanden im Sommer 1915, seiner letzten produktiven Phase, bevor die Folgen seiner Krebserkrankung seine Schaffenskraft erlahmen ließen. Korstick spielt diesen späten Debussy mit der ihm eigenen Mischung aus Konzentration, technischer Brillanz und der richtigen Dosis Gefühl. Sämiges Romantisieren ist ihm wie immer fremd, Korsticks Debussy ist nuancenreich, mal kraftvoll verdichtet, mal flirrend und schwebend. Selten waren diese vielschichtigen und anspruchsvollen Werke mit mehr Überzeugungskraft zu hören. Korsticks künstlerisches Credo, sich exakt an das vom Komponisten Notierte zu halten, sorgt einmal mehr für ein überragendes Ergebnis.

Auf naxos.de findet man verschiedene empfehlenswerte digitale und physikalische Bezugsquellen.

Die zuvor erschienenen Teile gibt es hier:

 

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