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Julian Rachlin auf der Violine/Viola – Itamar Golan auf dem Klavier – Brahms’ vollständiger Sonaten Zyklus für Violine/Viola in fantastischer Teamarbeit dargebracht

 Man höre die zweite Hälfte diesen Samstag, dem 8.Dezember, als Violinist/Violaspieler Julian Rachlin und Pianist Itamar Golan am 92Y ihre Suche fortsetzen, die Kunstfertigkeit von Johannes Brahms’ vollständigem Zyklus für Violine und Viola zu erkunden (das Konzert beginnt hier um 19 Uhr 30). Das temperamentvolle Team begann mit großem Gusto während ihrem ersten von zwei Auftritten gestern Abend (dem 5. Dezember) ihr ambitiöses Unternehmen, das den vollständigen Sonaten Zyklus für Violine /Viola von Brahms umschließt. “Julian ist ein Künstler, der wirklich spontan und in diesem Sinne fabelhaft abenteuerlich, jedoch zur gleichen Zeit für den Partner ein bisschen unberechenbar ist. So muss man immer auf Überraschungen gefasst sein. Das hält einen auf Trab, aber es ist sehr spannend!” meint Itamar Golan, der mich mit seinem unglaublich sensiblen Anschlag gestern abend beeindruckte. Es war oft so, als ob er den hinreißenden Klang von Rachlins Violine (oder abwechselnd von seiner Viola) mit hervorragender Zurückhaltung aufrecht erhielt, dennoch war Golans Entschluss, die Violine /Viola scheinen zu lassen, ein Zeichen der Stärke und Beherschung, nicht der Schwäche. “Besonders als Partner gibt es Momente, wenn die Musik mit all ihrer Stärke aus dir hervorbrechen muss und es gibt solche Momente, wenn man die Musik in einem selbst aufrecht erhalten, bestimmte Farben hervorholen, das volle majestätische Gewicht zurückhalten muss und nicht den (die) Partner.

Man muss auf natürliche Weise fähig sein, sich einander dem Klang des anderen anzupassen. Das ist das Schöne daran, was ich tue; als Partner bringen wir in uns gegenseitig unterschiedliche Sachen hervor. Das ist ein wichtiger Bestandteil der Magie des Zusammenspielens, es geht nicht nur darum, sich gegenseitig zu unterstützen, oder auf der gleichen Seite oder vielmehr gleichen Wellenlänge zu sein, es gibt eine größere, geistige Verbindung; etwas, was weniger sichtbar, aber sehr beständig ist: man entlockt der anderen Person, der man sich gegenübersieht, andere Kräfte; und auch umgekehrt, die Person, mit der man zusammenarbeitet, bringt in dir andere Qualitäten hervor.” Wie Golan andeutete, seine gemeinsamen Auftritte mit Julian sind immer etwas besonderes, da viele Aspekte ihrer Arbeit ungeplant bleiben und spontan aus der Dynamik auf der Bühne erwachsen, was ihre gemeinsamen Shows einzigartig und unglaublich aufregend macht. Diese Spontanität kam besonders in ihren bezirzenden virtuos aufgeführten Zugaben zum Ausdruck: Kreislers Liebesleid und Liebesfreud.

Golan beschreibt sich selbst in seiner bescheidenen und dennoch direkten Ehrlichkeit als ein bisschen komplizierter Charakter und erläutert mir, dass er sehr emotional auf die Umstände des persönlichen Lebens reagiert und auch jede Menge Fluktuationen in seinen persönlichen Beziehungen erfahren hat. Ungeachtet dessen weist er darauf hin, dass er und Rachlin es geschafft haben, eine bemerkenswert enge Freundschaft und professionelle Beziehung über vierzehn Jahre aufrechtzuerhalten: “Wir hatten uns zum ersten Mal bei den Konzertauftritten des jeweils anderen in Wien und Paris getroffen und entschlossen uns schon kurz darauf zusammen aufzutreten und aufzinehmen und wir planten fortwährend viele Projekte in ganz unterschiedlichen Umgebungen zusammen.”

Das Duo tritt oft mit Misha Maisky auf und mit Rachlins ehemaliger Freundin, der Violinistin/Violaspielerin Janine Jansen, um nur wenige von ihrer berühmten Liste zu nennen. Heute konzertiert Golan um die Welt und schätzt, dass es sich um ca. neunzig Auftritte jährlich handelt. Golan war zuvor mit Brahms Sonaten Zyklus für Viola/Violine mit dem hervorragenden Künstler Shlomo Mintz aufgetreten und nahm den Set im Jahre 2003 auf dem Avie Label auf. Beide schlossen sich auch mit dem Cellisten Matt Heimovit zu einem Trio zusammen. Weitere eindrucksvolle Duo-Partnerschaften umfassten die Violinisten Vadim Repin und Maxim Vengerov. Golan hat für solche renommierten Labels Deutsche Gramophone, Decca, Teldec, Sony Classical, EMI und Warner Classics Aufnahmen gemacht. Zu einem früheren Zeitpunkt seiner Berufslaufbahn, als er in Israel aufwuchs, verfolgte Golan zuerst eine Karriere als Konzertpianist und trat im Alter von sieben Jahren auf den Bühnen für Klavier in Israel auf. Er wurde mit einem Stipendium am NEC von dem berühmten Pädagogen Robert Shure akzeptiert, der ihn bei einem Besuch in Israel hörte, aber Golan entschloss sich dazu, seinen Platz am Konservatorium freizugeben, da er sich ungenügend ausgerüstet fühlte, sich daran zu gewöhnen, Teil einer großen Institution zu sein. Golan durchlief eine rebellische Phase.Er verbrachte seine angsterfüllten Teenager Jahre indem er unterschiedliche Identitäten auskundschafte, verschiedene Länder und Religionen erkundete und “sich selbst suchte.” Golan fand schließlich einen Weg, um zurück zur Musik zu finden: “Ich dachte, ich würde nie wieder spielen, aber es schien mein Schicksal zu sein, ein Partner am Klavier zu werden. Meine Teenager Angst war notwendig, um für eine gewisse Zeit mein Leben völlig von der Musik zu trennen und das ermöglichte es mir, meine Liebe für sie erneut zu entdecken. Als ich mit einer Gruppe von Freunden spielte, erkannte ich, dass es das war, was ich am liebsten machen wollte.” Im Jahre 1991 wurde Golan der jüngste Lehrer an der ‘Manhattan School of Music’ und seit 1994 hat er eine Stelle als Professor für Kammermusik am Pariser Konzervatorium inne, wo er mit seiner Ehefrau Natsuko und ihrem gemeinsamen Sohn wohnt.

Ilona Oltuski

Veröffentlicht inGrenzüberschreitend

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