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Eldar Nebolsin · New Zealand Symphony Orchestra, Michael Stern: Tschaikowsky – Klavierkonzert Nr. 2 / Konzertfantasie

Im Œuvre Pjotr Iljitsch Tschaikowskys gibt es einige phänomenal populäre Kompositionen, die sein übriges Werk in den Schatten stellen und die nicht die Anerkennung erhalten, die sie aus künstlerischen Gesichtspunkten verdienten. Das 2. Klavierkonzert und die Konzertfantasie für Klavier und Orchester gehören auf jeden Fall zu diesen zu Unrecht beiseitegeschobenen Stücken des russischen Großmeisters.

Tschaikowskys monumentales Klavierkonzert Nr. 1 in b-Moll op. 23 gehört zu den beliebtesten Schlachtrössern der romantischen Konzertliteratur. Die Anfangsakkorde des ersten Satzes gehören zu den prägnantesten Momenten in der klassischen Musik und sind älteren deutschsprachigen Hörern als langjährige Titelmelodie der Satiresendung „Notizen aus der Provinz“ mit Dieter Hildebrandt bekannt. Aber auch Tschaikowskys 2. Klavierkonzert in G-Dur op. 44 und noch mehr, die wunderbare Konzertfantasie op. 56 für Klavier und Orchester enthielten eigentlich alle Zutaten, um ebenso erfolgreich zu sein: schwelgerische Melodien, thematischer Einfallsreichtum und virtuos-perlende Solopassagen. Sie werden selten aufgeführt und aufgenommen, oft genug überhaupt nur im Rahmen einer Gesamtaufnahme, quasi nolens volens.

Eldar Nebolsin: Tschaikowsky - Klavierkonzert Nr. 2 / Konzertfantasie - Naxos 8.573462Erfreulich anders handhabt es der Pianist Eldar Nebolsin: Er hat sich auf seinem aktuellen Album den beiden stiefmütterlich behandelten Konzerten angenommen. Gemeinsam mit dem vorzüglichen New Zealand Symphony Orchestra unter Michael Stern schuf der Russe mit Wohnsitz in Spanien (und einer Professur an der Berliner Hochschule für Musik Hanns Eisler) transparente, detailreiche und inspirierte Einspielungen. Nebolsin gelingt es, die optimistische Grundstimmung der beiden Werke lebhaft umzusetzen, ohne die dramatischen Momente zu glätten und ohne die bezaubernden Melodien zu überzeichnen. Was man hört, ist genuiner Tschaikowsky, allerdings ohne zusätzlichen Zuckerguss. Das Klavierkonzert erklingt dabei in der ursprünglichen Notenausgabe (und nicht in der vom Verleger Alexander Siloti gegen den Willen Tschaikowskys stark editierten Fassung). Bei aller Virtuosität fügt sich Nebolsin hier gut in den Gesamtklang des Werkes ein. Die Konzertfantasie gibt dann auch dem Orchester reichlich Gelegenheit, seine Beweglichkeit und seinen transparenten Klang unter Beweis zu stellen. Die Dialoge zwischen Soloinstrument und Orchester sind äußerst einnehmend gestaltet. Wie schon beim Klavierkonzert erweisen sich Eldar Nebolsin und die Neuseeländer als ausgezeichnet eingespieltes, gut aufeinander abgestimmtes Team.

Das Ergebnis ist ein wundervolles Album mit wundervollen Kompositionen Tschaikowskys, die den großen „Hits“ in nichts nachstehen, die aber längst nicht so abgenutzt sind, wie so viele andere Werke des St. Petersburgers.

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