Der ungarische Violinist Erno Kallai hat als Schüler des legendären Violinisten Itzhak Perlman bei ‘Julliard’ sicherlich eine schwere Aufgabe in dessen Fußstapfen zu treten. Bei dem Meister zu studieren rückt Kallai in den Mittelpunkt einer andauernden Tradition, die Generationen emminenter Violinisten inspirierte – Meister die große Persönlichkeiten waren. Als ich vor dem Eingang zu seinem Studio im fünften Stock der ‘Julliard School’ darauf warte, Perlman zu treffen, ertappe ich mich dabei darüber nachzudenken, dass dies einschüchternd für jeden jungen Violinisten sein könnte, selbst dann, wenn es, wie im Falle von Kallai, einen Traum offenbart, der wahrgeworden ist.
Das Unterrichtsstudio mit Blick über seinen eigenen kosmischen, klassischen Musikbezirk rund um das Lincoln Center, gehörte einst Dorothy DeLay, die Generationen begabter Violinisten unterrichtet hatte, die aus aller Welt zu ihr kamen, einschließlich von Perlman selbst seit seinem 13. Lebensjahr. Die große Dame und Pädagogin, die als Assistentin bei Ivan Galamian begonnen hatte, eine anscheinend immens verehrte, wenn nicht sogar gefürchtete Autorität der Violine, brachte fortwährend eine Liste von Studenten hervor, die sich wie das ‘Who’s Who’ der oberen Ränge der Violinen Prominenz las. (Ihr Vermächtnis wird sehr gut in Barbara Lourie Sands “Teaching Genius” beschrieben.)
Bezeichnenderweise gelang es ihr, jeden einzigartigen Stil, jede Individualität und spezifisches musikalisches Ich eines Studenten intakt zu lassen. Es gab keine Fließbandproduktion von seelenlosen Getreuen einer bestimmten Methode. Viele liebe- und humorvolle Ehrerweisungen, die sich von “ihren Wunderkindern” auf ihre Eigenheiten bezogen, halten dieser großartigen, treibenden Kraft zugute, ihre Erfolge angeregt zu haben und zollen Anerkennung für ihre Gabe sie zu unterstützen und vor allem darin zu bestärken, unabhängig funktionierende Musiker und Menschen zu werden.
Herr Perlman, der ihr Assistent wurde, bevor er später selbst ihr Studio weiterleitete, eignete sich ihren erfolgreichen pädagogischen Ansatz an. Laut Schilderungen und meinen eigenen Eindrücken von Herrn Perlmans innerer Einstellung dem Unterrichten gegenüber und seiner eingehenden und persönlichen Beschäftigung mit den Studenten, scheint es für die ehrgeizigen Violinisten kein besseres Zuhause fern von zuhause zu geben. Diese zugetanen Musiker sind, und das ist genau so wichtig, wahre Menschen und die Herangehensweise muss flexibel und persönlich bleiben. Perlman meint: “Studenten wie Lehrer gibt es in verschiedenen Kategorien. Ich selbst war ein anderer Student bei Galamian; ich war so eingeschüchtert, dass ich kritiklos jede Anweisung befolgte. Ich rebellierte nicht oder ignorierte seine Ratschläge; ich akzeptierte einfach nur alles, ohne es zu analysieren. Bei DeLay gab es hilfreiche Anregungen und individualistisches Denken. Das ist die Art von Unterricht, an die ich mich zu halten suche – obwohl ich auch viel von Galamians autoritativem Ansatz gelernt habe – und Erno ist die Art von Student, die ich bei DeLay war,” erläutert Perlman. “Wir haben viele gute Diskussionen; es gibt immer Anregungen und Möglichkeiten, musikalisch gesehen. Erno weiß, was er macht. Man schaue nur auf seine Hände und man weiß, dass er sein Instrument versteht.”
Perlman war immer Kallais Idol. Er begann im Alter von zwei Jahren auf der Spielzeuggeige zu spielen und wuchs sein ganzes Leben von Musik umgeben, auf. Nie stellte sich die Frage, etwas anderes als ein Violinist zu werden.
In Budapest geboren und aufgewachsen, als Sohn eines Violinisten der sich auf Zigeunermusik spezialisiert hatte, sah Kallai eine Werbeanzeige für das ‘Perlman Music Program’ auf Long Island. Dieses Programm gab es seit 1993 und war dank der Intiative von Toby Perlman (selber eine ehemalige Studentin von Delay) gegründet worden, um ein Ferienlager für vielversprechende 8- bis 18-jährige Violinisten zu schaffen, das ein unterstützendes, musikalisches Umfeld bieten sollte.
Kallai hat für Perlman als einen Lehrer äußersten Respekt. Perlman vermittelt durch seine Expertise wertvolle musikalische Botschaften und besorgt für Studenten freigiebig die notwendigen Kontakte. Bei vielen Gelegenheiten bietet er ihnen die Möglichkeit, mit ihm auf der Bühne das Rampenlicht zu teilen. Aber es gibt noch ein weiteres Element, die seine berühmte Popularität zu kongenialer Zuneigung und Respekt von seinen Studenten wie Kallai erhebt und das ist sein Enthusiasmus. Perlman suchte Kallai nach dem Hören nur weniger Noten auf einem technisch nicht einwandfreien Vorspielband aus, das im Jahre 2003 dem ‘Perlman Music Program’ zugeschickt worden war. ”Ich hörte mit Toby, meiner Frau dem Band zu. Das ‘Perlman Music Program’ ist ihre Idee! Wir sagten uns beide sofort: ‘Wir werden ihn aufnehmen!’ Es gab etwas an seinem Spielen, was wir sehr gern mochten; er war ein Virtuose mit einem guten technischen Fundament und einem guten Klang und sein Stil und seine Haltung gegenüber dem Instrument waren besonders, in einer Art großen Tradition, genau wie ich Geigenspielen hören mag.”
Locker in seinem elektrisch betriebenen Rollstuhl sitzend – so als wäre es gerade mal die nächst verfügbare Sitzposition, erlaubt es Perlmans starker, freier Geist, nicht auf seine physischen Einschränkungen, die eine Folge seiner Ansteckung mit Kinderlähmung im Alter von vier Jahren sind, begrenzt zu sein oder von diesen definiert zu werden. Mit einem enormen Fundus an Stärke und Würde hat Perlman jede anfänglich antizipierte Beschränkung überwunden. Er hat nicht nur den größten Erfolg als Auftritts- und Aufnahmekünstler erreicht, sondern ist ein geselliger Lehrer, der an erster und vorderster Stelle beispielhaft die Bedeutung aufzeigt, ein echter “Mensch” zu sein.
Foto von Itzhak Perlmans Website
Sein Aktivismus für die Belange Behinderter ist weltbekannt und es ist teilweise dank seiner großen, künstlerischen Statur, dass ‘Carnegie Hall’ – wie auch andere öffentliche Institutionen – die Notwendigkeit erkannt haben, Sessellifte zu installieren, als Ergebnis seiner Bemühungen, in gleicher Weise Zutritt zu haben.
“Ich hatte genug davon, mein Leben hinter der Kulisse in den Frachtfahrstühlen der Konzerthallen Amerikas zu verbringen.” (zitiert von Sand – ‘Teaching Genius’ S.190)
Bei Juilliard ist sein Studio mit einer Tür, die mit Fernsteuerung zu bedienen ist, ausgestattet, was ihm leichten Zutritt garantiert.
Itzhak Perlmans Mitwirkung am Unterrichten und dabei, das Orchester seines eigenen Programms zu leiten, führte zu einem umfassenderen Denken. Aus seinen Bemühungen auf Long Island entwickelte sich das Perlman Musik Programm des aus Israel Gebürtigen auch in Jerusalem und eine kürzere Winterversion in Sarasota.
“Mein erster Sommer auf Long Island fand im Jahre 2003 statt,” erinnert sich Kallai. “Ich war so begeistert, in das Programm aufgenommen worden zu sein und genoss jede Minute seiner sechs Wochen von intensiven Meisterklassen, Kammermusikgruppen und Orchesterproben und es gab auch die Teilnahme am Chor. Der ganze Tag war mit musikalischen Aktivitäten und etwa vier Stunden Privatunterricht an jedem Morgen angefüllt. Ich schloss viele Freundschaften; einige dieser Freunde studierten ebenfalls bei ‘Juilliard’. Danach wurde ich im folgenden Sommer wiedereingeladen und dann ebenso zum Winterprogramm in Florida. Als mich Herr Perlman im zweiten Jahr ansprach, ob ich mich nicht bei ‘Julliard’ als sein Student berwerben wollte, fühlte ich mich sehr geschmeichelt. Die Tatsache, dass er einen Student empfiehlt, ist natürlich eine großartige Chance, aber die anderen der sechs Jurymitglieder müssen ebensfalls zustimmen,” erklärt Kallai. Im Jahre 2006 machte sich Kallai auf den Weg nach New York zu Julliard, wo er in diesem Jahr 2012 im Mai sein ‘Master’ Programm abschließen wird.
Foto: Tamas Revesz
Kallai beschreibt Itzhak Perlmans Spielen als: ”Verschieden von dem eines jeden anderen. Aber er möchte nicht, dass ihn seine Studenten nachahmen oder irgendjemand anders. Er schafft es wirklich, dass man selbst nachdenkt, er sagt nicht alles, wir diskutieren viel und sehen, was inspiriert. In seiner Gegenwart zu sein, ist einfach großartig. Ich habe gelernt, mir selbst und der Musik im allgemeinen auf eine andere Weise zuzuhören. Nachdem ich ihn getroffen habe, kann ich nun klarer hören, wie die Struktur in der Musik verlangt, aufgebaut zu werden, wie man verschiedene Nuancen, mehr Farben und Klang hervorbringt. Selbst wenn diese Dinge in einem selbst sind, braucht man doch das richtige Feedback, damit diese sicher herauskommen, um dir Selbstvertrauen zu geben.”
“Als Erno den Juilliard Wettbewerb mit dem Prokofjew Konzert gewann,” sagt Perlman, und bezieht sich auf Kallais ‘Carnegie Hall’ Auftritte im Jahre 2008 von Prokofjews zweitem Konzert, ”war es recht offenkundig, dass er das Zeug zum großen Auftrittskünstler hat. Er ist in der Lage, während eines Auftritts seine Spontanität durch seine musikalische Inspiration aufrechtzuerhalten. Während des Auftritts passieren diese extra Sachen. Das Adrenalin, das auf der Bühne im Spiel ist, verhilft einem dazu, Dinge etwas anders zu machen. Es kann bis zu einem bestimmten Grade eingeübt werden, aber man fühlt das im Moment. Es ist dieser gewisse Gemütszustand, wo man tatsächlich – musikalisch gesprochen – improvisiert. Ich erzähle immer meinen Schülern – obwohl für sich allein genommen er nervenaufreibender ist, ist der erste Auftritt sehr leicht, weil, na klar, es das erste Mal ist. Aber was macht man beim zweiten, dritten Mal … um involviert zu bleiben. Genau dann ist es, wenn die eigene musikalische Inspiration gefordert ist…genau das und das aufmerksame Zuhören.” erläutert Perlman.
Foto: Nick Granito
Perlman steht hundertprozentig zu seinen Worten des Lobes. Im November nahm Kallai an Perlmans Arsht-Center Kammerkonzertauftritt in Miami teil. Während des 2012 Semesters wird Kallai auf einer Kammermusik-Tournee Perlman begleiten, die sie nach Mexiko, Toronto und Virginia führen wird. Seite an Seite mit seinem Mentor zu spielen, ist ein Erlebnis, das Kallai wertschätzen kann: ”Er nimmt wirklich seine Studenten als Musiker und Menschen ernst. Er fördert den individuellen Ausdruck in der Musik – genau wie er es am Abendtisch in seinem Hause tut. Wir – seine Studenten – fühlen uns schließlich wie zu seiner Großfamilie gehörig und lieben es vorbeizukommen, um zu spielen und mit ihnen zu sprechen, und oft kocht Toby – seine Frau – für uns, was immer etwas besonderes ist.”
Für Kallais kommende Auftritte, wie zum Beispiel sein Konzert im September im Louvre siehe seine Website: www.ernokallai.com
Alles am Pianisten Richard Goode strahlt Freundlichkeit, Höflichkeit, einen guten Sinn für Humor und Geduld aus. Vorallem aber, vermitteln seine lebendigen Augen eine Neugierde, die mit einer Vitalität und Jugendlichkeit leuchten, die einen leicht über sein Alter hinwegtäuschen — im letzten Sommer wurde er 68 Jahre alt.
Ich hatte die Chance, ihn bei zahlreichen Gelegenheiten spielen zu hören, nicht nur bei einem seiner zahlreichen Konzerte in der Carnegie Hall, wo er aus einer Handvoll herausragender Auftrittskünstler bei Carnegies jährlicher ‘Keyboard Virtuoso’ Reihe vorgestellt wird, sondern auch in intimeren Settings, wie dem ‘92nd Street Y’. Er schafft es immer wieder, das Publikum mit seinen Interpretationen voller Einsicht zu überzeugen. Die Financial Times nannte seine Aufnahme aller fünf Beethoven Konzerte, die er mit dem ‘Budapest Festival Orchestra’ unter der Leitung von Ivàn Fisher (herausgegeben von ‘Nonesuch Records’ im Jahre 2009) spielte, eine “richtungsweisende Aufnahme der Beethoven Konzerte”. Er ist ein Auftrittskünstler, der es schafft, sogar dem bekanntesten Repertoire einen persönlichen Stil und besondere Nuancen abzugewinnen.
Als ich seine Wohnung in der ‘Upper East Side’ betrete, wurde ich gebeten, bitte meine Schuhe auszuziehen und von seiner Frau, der Violinistin Marcia Weinfeld und dem ehrwürdigen Pianisten selbst begrüßt, der entscheidend dabei mitgeholfen hat, das hohe Niveau der internationalen Piano- Szene zu prägen. “Meine Frau unterrichtet ihre Schüler im anderen Wohnungsflügel,” sagt er und schließt die großen, schweren Türen zu seinem Studio, das mit gut gefüllten Bücherregalen ausgestattet ist, die Teile der berühmten Goode Buchsammlung, Aufnahmen und viele Musikpartituren, eine gemütliche Couch und natürlich seinen Klavierflügel beheimatet.
Wie viele zu dieser Zeit aus der Bronx Stammenden, kommt Goode aus einer jüdischen osteuropäischen Familie — beide seine Großmütter wanderten mit ihren Kindern direkt vor dem Krieg aus der Ukraine nach Amerika aus und es dauerte einige Jahre bis ihre Ehemänner ihren Familien nach New York folgen konnten. Goodes Großmutter mütterlicherseits war jüdisch-orthodox und strenggläubig, was seine Mutter rebellieren und einen recht sekulären, amerikanischen Lebenstil annehmen ließ. Goode beschreibt seinen Vater als sehr musikalisch, obwohl er nie eine Musikausbildung erhielt. Seit dem sich der talentierte Sohn ernsthaft dem Klavierstudium widmete, begann der Vater Klaviere zu stimmen, “was wirklich schwer ist — ich versuchte es, aber konnte es nicht machen” fügt Goode lächelnd hinzu.
Goodes erste Lehrerin, an dessen Hausbesuche er sich noch erinnert, entsprach nicht den Vorstellungen seinens Vaters. Einen passenderen Einfluss übte Elvira Szigety, eine Tante des gefeierten Violinisten Josef Szigety, aus und leitete den sechseinhalbjährigen Jungen für die nächsten drei Jahre weiter an.
Die berühmte Kunstmäzenin Rosalie Leventritt hatte auf Richard Goodes frühe Laufbahn den größten Einfluss. Die Leventritt Stiftung war landesweit maßgeblich daran beteiligt, die Musikerziehung zu fördern (siehe die Geschichte der Young Audiences unter http://www.youngaudiences.org ). Durch die Vermittlung von Leventritt wurde Goode dem Pianisten Rudolf Serkin vorgestellt, der zusammen mit Leventritt dem Vorstand der Young Audiences angehörte und willens war, dem jungen talentierten Jungen zuzuhören, wie er für ihn im Haus von Leventritt spielte.
“Serkin brachte mich zu Claude Frank,” sagt Goode, ”der ein Schüler von Schnabel war. Ich hatte Unterrichtsstunden in Leventritts Haus. Dann begann ich das ‘Mannes College’ zu besuchen, das zu dieser Zeit auf der ‘East Side’ beheimatet war. Ich hatte in meinem Leben das Glück, durch meine verschiedenen Lehrer vielen Einflüssen ausgesetzt gewesen zu sein, wie zum Beispiel meinem Theorielehrer Carl Schechter bei ‘Mannes’ und Nadja Reisenberg, die eine Assistentin von Hoffman war, und später, als ich zu Curtis ging, Mieczyslaw Horszowski und natürlich Serkin selbst. Lehrer prägen einen unweigerlich und dann möchte man ihnen entkommen,” gibt Goode zu Bedenken. Rudolf Serkin bleibt eine herausragende Persönlichkeit mit “seiner intensiven und dramatischen Art des Spielens, seiner vollständigen Hingabe an die Absichten des Komponisten und dessen besonderem Stil … er war eine sehr starke Persönlichkeit, die ich bewunderte und von der ich mich gleichzeitig absetzen musste. Ich bin eine ganz andere Person.” Der andere gewaltige Einfluß auf Goode – obwohl nur durch seine Aufnahmen übertragen – er hat ihn nie persönlich kenengelernt – war Schnabel selbst. “Stellte Serkin die Hitze da, war Schnabel das Licht”, meint er. Der österreichische Artur Schnabel war legendär für seine intellektuelle Beherrschung von Beethovens und Schuberts Musik und den Verzicht auf jegliches aufdringliches Prahlen mit der persönlichen bravourösen Technik.
“Es ist für mich eine Erleuchtung, der man folgen konnte, in Hinsicht darauf, wie er Musik sah und wie er intellektuell mit größter Klarheit seine Musik auswahl interpretierte. Jahre nachdem ich aufhörte bei Curtis zu studieren, gab Schnabels Sohn Karl Ulrich Meisterklassen bei ‘Mannes’”. Goode war voller Ehrfurcht solch enge Begegnungen mit dem Sohn seines Idols zu haben. “Und was für eine witzige und angenehme Person er war – und was für ein genauer Lehrer. Sein Unterricht dauerte stundenlang und er gab alles in so einer ungemein warmherzigen und großzügigen Art und Weise. Seine Unterrichtstunden hielten eingie Stunden an und er war danach erschöpft” erinnert er sich. “Ich besitze immer noch Partituren, die von ihm mit Notizen versehen sind.”
Goode übernahm zusammen mit der Pianistin Mitsuko Uchida, (András Schiff machte ursprünglich ebenfalls für einen kurze, anfängliche Zeitspanne mit) Rudolf Serkins historische, vierzig Jahre andauernde künstlerische Leitung des Marlboro Festival nach Serkins Tod im Jahre 1991. Goode begann im Alter von 14 mit dem Besuch von Marlboro, idyllisch im ländlichem Vermont gelegen – einer der Haupt – Nachwuchförderungsstätten der nächsten Generation großartiger Musiker an der Ostküste. Während neun aufeinanderfolgenden Sommern spielte er Kammermusik und lernte von Lehrern, die dafür bekannt sind, zu den Besten zu gehören.
Ich fragte ihn, ob sich unter seiner Leitung das Leben in Marlboro verändert hätte. Er antwortete ein wenig zögernd: ”Der Ton mag sich ein bisschen verändert haben, aber die grundsätzliche Idee blieb bemerkenswerterweise die gleiche. Wir bekommen das Talent, bieten einen Platz zum arbeiten und natürlich eine gute Anleitung und der Geist all dessen schafft eine gute Atmosphäre, wo man auch Spaß haben kann. Wir errichten die Strukturen für Disziplin und Freiheit und dann überlassen wir alles sich selbst. Eine große Veränderung von den alten Weisen ist eine harmonischere, akzeptierendere Haltung gegenüber Musikern, die es einem erlaubt, sich nicht so zu fühlen, als wäre man auf Bewährung hier. Leute hatten früher mehr davor Angst beurteilt zu werden – nun ist alles ein bisschen legerer. Generell haben wir viele Streichinstrumentalisten, aber unglücklicherweise sind wir, was Pianisten betrifft, an der Zahl beschränkt. Wir haben ‘auditions’ und 4-5 der älteren kommen normalerweise für 3 Jahre. Das lässt den Raum für ungefähr 5-6 Newcomer zu. Alles in allem gibt es jeden Sommer 10 Pianisten vor Ort. Alle Teilnehmer proben ausgiebig zusammen und, wenn alles gut geht, hat man schließlich viele Auftritte.” Aber vielleicht ist für alle vielbeschäftigten Musiker hier in Marlboro der wichtigste Faktor das bemerkeswert Einfache und dennoch Erfrischende, das heutzutage in der schnelllebigen, geschäftigen Welt fehlt, die keine Zeit lässt: “Es ist ein Ort, an dem man Zeit hat!”
Photo:Matthew Murphy for the NYTimes
Darüberhinaus bietet Marlboro nicht nur ein sehr willkommenes Lernerlebnis, sondern auch viel Spaß mit anderen jungen Musikern; es ist ebenfalls eine großartige Gelegenheit, sich als aufstrebender Musiker einen Namen zu machen. Viele Pianisten haben dies, als Musicians from Marlboro, mit einer Vielzahl von Auftrittsmöglichkeiten über das Festival hinaus erricht, wie zum Beispiel durch eine, dem Festival angeschlossene Tournee bei der Kammermusikreihe des New York Metropolitan Museums. Unter den weithin bewunderten Teilnehmern des Festivals sind die Marlboro-Asolventen Jeremy Denk und Jonathan Biss, ein Freund von Denk, der im Februar 2010 zusammen mit Richard Goode ein außerordentliches Duo Konzert beim ‘92nd Y’ gab.
Hinsichtlich der anscheinend anwachsenden Menge unermäßlichen musikalischen Talents hat Goode Folgendes zu sagen:”Die immerwährende Fähigkeit zur Musik hat sich gewandelt; es ist bemerkenswert, was für einen Unterschied das Internet uns gebracht hat. Ich selber bin immer noch bei diesem Prozess hinterher,” gibt er lachend zu. “Ich habe bei Marlboro über die letzten 10 Jahre solche Finesse bemerkt. Leute bauen auf dem auf, dem sie ausgesetzt waren, das was sie hören und sie entwickeln eine größere Fähigkeit und Affinität. Gute technische Beherrschung war immer schon weit verbreitet. Technische Herausforderungen werden immer irgendwie überwunden werden. Ein großes Ziel vor Augen zu haben, ist aufregend und Musiker stellen sich den Herausforderungen. Aber das Niveau von musikalischem Können hat sich definitiv erhöht. Ich sehe, dass Musik im klassischen Stil zu machen, viel schwerer für die jüngere Generation zu meistern ist als vielleicht ein Werk aus dem späten 19ten oder frühen 20ten Jahrhundert. Grundsätzliche Elemente liegen viel mehr offen – jede Note zählt und Beziehungen sind vielleicht subtiler. Musiker brauchen die Öffentlichkeit, mehr Interaktion mit anderen Musikern anderer Disziplinen und mehr Kommunikation. Wir haben einige Innovationen mit bei Marlboro einbezogen, zum Beispiel ein wundervolles Programm für Vokalisten, die zuvor ein bisschen wie Bürger zweiter Wahl behandelt worden waren. Wir bieten nun einen Opern- ‘Workshop’, der von Ken Noda von der ‘Metropolitan Opera’ eingerichtet wurde, wie auch ein Programm für begabte Nachwuchs-Künstler.“
Goode unterrichtet auch am ‘Mannes College’ und gibt Meisterklassen mit Ursula Oppens am City College. “Es wurde mir zunehmend klar, dass das Unterrichten und das Spielen nur verschiedene Aspekte der selben Sache sind – ein Musiker zu sein, sich in die Musik hineinzuversetzen und, wie es Horszowski ausdrückte, das Lesen der Partitur mit einzuschließen und zu sehen, was es darin gibt!” Und er fügt hinzu, “die Sache, die ich bei Serkin gelernt habe, dass es das Resultat am Ende ist, das zu entdecken, was versteckt ist; aber um das zu tun, muss man erst die Partitur auskundschaften und darüber Bescheid wissen, was es darin gibt!”
Photo: Sasha Gusov
Und da wir über die Partitur sprechen, erzählte ich ihm von meiner Liebe für das Schumann Konzert. Er berichtet mir von einer wunderbaren Überraschung, die er eines Abends nach der Aufführung meines Lieblingskonzertes erlebte:” Nach meinem Auftritt kommt Richard Roe, der Musikexperte von Sothebys, hinter die Bühne und fragt mich, ob ich die Orginalpartitur von Schumann Konzerts sehen möchte. Ich brannte vor Freude und Neugierde und meinte, ‘natürlich, wann kann ich kommen, um sie zu sehen – vielleicht morgen?’ Und da war sie, die Orginalpartitur, direkt bei Sothebys, voll von Überarbeitungen in Schumannns sorgsamer Handschrift.” Und damit gingen wir hinüber zu seinem Bücherregal, suchten ein bisschen und kamen dann mit einer gedruckten naturgetreuen Kopie der Originalversion zurück, die so klar Schumanns Bemühungen aufzeigt, beim Übergang vom zweiten zum dritten Satz eine von vier Versionen auszuwählen. Am Anfang stand ein anderer Anbeginn, mit dem Klavier anfangend und dem Orchester den dritten Takt gebend. Goode erzählte mir von einem Auftritt, der dessen Publikum erstaunte, dem Spielen der ursprünglich ersten Version der Partitur in der ‘Carnegie Hall’ von dem Pianisten Malcom Freger, der ein Schüler von Karl Friedberg war, der seinerseits bei Clara Schumann studiert hatte. Traditionen verpflichten und die Partitur ist ein Kapitel für sich. Um dieses zu bezeugen, erzählt mir Goode, dass er sich dazu entschlossen hat, öfter mit der Partitur aufzutreten. Für ihn ist es so, dass das Auswendiglernen den Prozess des Hervorbringens von Musik beschneidet: “Besser, ich spiele entsprechend der Musik. Vieles in meinem Spielen (in der Kammermusik) liegt in der Musik selbst. Warum soll man drei Haydn Sonaten auswendig lernen, wenn man mit der Partitur vorliegend 15 spielen könnte? Ich empfinde ein großes Maß an Freiheit und weniger von der Angst, vor einem Erinnerungsfehler eingeschüchtert zu werden. Solange man die Musik verinnerlicht, macht es nichts aus, dass sie vor einem steht, es sollte so sein, wie es für einen jeden Auftrittskünstler am besten ist, das auszudrücken, wovon man denkt, das es den richtigen Klang vermittelt. ”
Es ist an der Zeit, dass sich jemand von dem emanzipiert, was zu einem ungeschriebenen Gesetz der Spielpraxis geworden ist. Zu guter Letzt geht es darum, wie gut man der Musik Gehör veschafft.
Richard Goodes nächste Auftritte in New York City:
24. April 2012 – Carnegie Hall, Isaac Stern Auditorium, New York, NY.
Während der Tournee
12. Februar 2012 – Royal Festival Hall, South Bank Centre, London
2. März, 2012 – University of Buffalo Lippes Concert Hall, Buffalo, NY.
4. März, 2012 – Chicago Symphony Center, Chicago, IL.
5. März 2012 – Lutkin Hall, Northwestern University, Evanston, IL.
9. März 2012 – Kauffman Center for the Performing Arts, Kansas City, MO.
Der junge und sympathische Louis
Schwizgebel-Wang wird schon seit geraumer Zeit nicht mehr als geheimer
Insidertipp betrachtet und falls doch, wird es sicherlich nicht mehr nach
seinem Konzert am 30. Januar in der ‘Merkin Hall’ der Fall sein.
Bereits im Jahre 2007 wurde der in
der Schweiz geborene Pianist dem Publikum in den USA vorgestellt, als er sein
Debüt in der Zankel Hall in New York und im Kennedy Center in Washington gab. Nach
Angaben der Washington Post zu dieser Zeit spielte
er mit einer “ ’powerhouse’ Technik, einer durchtriebenen Art von Humor, einer herrlich
ausdrucksvollen Phrasierung und wallender Leidenschaft und zeigt so auch eine
Sensibilität gegenüber feinen, aber wesentlichen Details des Anschlags und der
Klangfarbe.” Zuvor, im Jahre 2006, erhielt er den ersten Preis bei den ‘Young Concert Artists European Auditions’ an der Hochschule für
Musik Felix Mendelssohn-Bartholdy in Leipzig.
Wieder wird er von den Young Concert Artists auf den Markt
gebracht, einer Organisation, die sich zur Aufgabe gemacht hat, die Karriere
vieler großartiger Künstler zu fördern — einschließlich von Künstlern wie Jerome
Lowenthal, Jean-Yves Thibaudet, Richard Goode, Emanuel Ax und Jeremy Denk. Schwizgebels
bevorstehendes Zugabe-Konzert an der Merkin Hall
wird dem jungen Auftrittskünstler die Möglichkeit geben, das New Yorker
Publikum an den positiven Eindruck zu erinnern, den er in New York und
darüberhinaus hinterlassen hatte.
Schwizgebel-Wangs
andere Karrierehöhepunkte beinhalten eine China Tournee mit dem
Symphonierorchester Basel im Jahre 2004 und das Gewinnen des Internationalen
Klavierwettbewerbs in Kassel im Jahre 2005. Sein anhaltendes Gewinnen von
Preisen in Europa und den Vereinigten Staaten hat zu mehr großartigen
Konzertmöglichkeiten geführt, wie zum Beispiel seinem Auftritt als Solist mit dem
Wiener Symphonie Orchester unter der Leitung von Fabio Luisi und mit dem London
Philharmonic unter der Leitung von Carl Davis. Er hat jüngst auch ein
Solokonzert an Londons Wigmore Hall gespielt und diesen Sommer ist er beim Verbier
Festival aufgetreten, als die Kritikerin Ismene Brown meinte: “ Ich habe
am meisten genossen, was in frischer Blüte stand, genau die Art von Dingen, die Verbier ausmachen. In
einer abgetrennten, weißen modernen Kirche tauchte eines nachmittags ein 23-jähriger
Schweizer Pianist namens Louis Schwizgebel-Wang auf,
der ein-einviertel Stunden Liszt mit exquisiten Klaviermärchen im Fluge vorüberziehen
ließ — von
den düsteren Fragen von Vallée d’Oberman bis
zu einigen atemberaubend virtuosen Spielen der Paganini Studien….
Als Musiker Karriere zu machen ist
ein langfristiger Willensakt, der, was das Hervorbringen von Musik betrifft, Intelligenz
und Neugierde voraussetzt, wie es von Terfel personifiziert wird. Im Moment hat
vielleicht der schöne und glamoröse Buniatishvili, im
geichen Alter wie Schwizgebel-Wang, einen großen Marketingvorteil, aber in
zwanzig Jahren, denke ich, dass, wie Kovacevich und Argerich, eher Schwizgebel-Wang
Meister seines Instruments ist, um oben
in den Bergen von Verbier die Ohren für die intimen
Geheimnisse großartiger Musik zu öffnen. Man versuche ihn zu erwischen, wenn er
diesen Herbst mit seinem Schweizer Landsmann, dem Celllisten Lionel Cottet, in Großbritannien
auftritt und ich wette, dass er nicht allzu ferner Zeit als Solist bei vielen vornehmen Adressen spielen.wird”
Seine Eltern — seine Mutter
Chinesin, sein Vater Schweizer — sind beide in Genf lebende bildende Künstler
und glaubten an ein wohlbehütetes Umfeld. Er begann im Alter von sechs Jahren
bei seinem Lehrer Franz Josefovski mit dem Unterricht. Als junges Talent am
Klavier — im Alter von zwölf Jahren,
vertrat er die Schweiz beim neunten internationalen Steinway Festival in Hamburg — besuchte er das Konservatorium in Lausanne,
aber nur, um Unterricht bei seiner Lehrerin Brigitte Mayern zu nehmen. Als er noch
zu Hause lebte, erhielt er im Alter von 15 Jahren ein Solistendiplom. Später
reiste er zum Unterricht an der Universität der Künste bei Pascal Devoyonin
Berlin an. Das ist der Grund dafür, dass er erst seitdem er in diesem Jahr nach
New York kam, um bei Juilliard bei Emanuel Ax und Robert McDonald zu studieren,
eine wahrhaftige “schulische Umgebung” erlebt, die er
in der Tat sehr mag.
Er liebt es sich selbst herauszufordern
und ich war davon beeindruckt zu erfahren, dass er es mag, weiter Sachen zu erkunden. Selbst hinsichtlich
seiner bereits sehr gelobten Klaviertechnik mag er einen tieferen Einblick in
die Prinzipien gewinnen, die immer präsent sind, selbst wenn das nicht immer
offensichtlich sein sollte, trotz all der großartigen Ausbildung und des
musikalischen Talents.
Ich traf ihn vor kurzem zum
erstenmal, nach seiner Teilnahme beim Beethoven-Marathon, einer Live-Übertragung
aus dem ‘Greenspace‘ von WQXR [New Yorks öffentliches Radio für klassische
Musik] vom 20. November.Dieser Marathon war eine gemeinsame
Anstrengung einiger der talentiertesten – etablierter und aufstrebender – Pianisten,
einschließlich von Künstlern wie Jonathan Bis,
Jeremy Denk, Alessio Bax und Phillip Edward Fisher.
“Ich musste meinen Horizont
erweitern …” meinte Schwizgebel-Wang, als ich ihn nach seinem brillianten
Spielen von Beethovens Opus 14, Nr. 1 und Opus 81a ansprach. Seine Teilnahme
bei der Übertragung aus dem ‘Green Space’ passierte ein
bisschen spontan und gab ihm eine begrenzte Zeitspanne von nur acht Tagen, beide Sonaten für
den Auftritt vorzubereiten.
“Ich entschied mich für ein
Studium in New York,” erklärte er, “da ich bereits über Kontakte verfügte, einige
Vorspieltermine gewonnen hatte und gemanagt wurde, was sich weiter fortsetzt.
Die Young Concert Artists waren sehr
hilfreich; sie stellten mich Emanuel Ax vor, der mich dann bei Juilliard als
seinen Studenten akzeptierte. Ebenso überzeugte mich auch Martin Engstroem, der
Organisator des Verbier Festivals, nach New York zu gehen. Zunächst war ich
2008/9 zu den Verbier Akademie-Meisterklassen gegangen und dann hatte mich Engstroem
in diesem Jahr dazu eingeladen, ein Konzert zu spielen. Ich hätte an Paris oder
London gedacht. Engstroem drängte mich weiter, nach New York.”
Und ihm gefällt es sehr. Er schätzt
sich glücklich, eine Wohnung nahe von Julliard
gefunden zu haben und er übt täglich in der Schule. “Zu Hause war ich immer ein
bisschen faul zum Üben, weil …nun ja, es handelt sich um zu Hause und es gab reichlich
Ablenkungen. Aber hier geht man an den Übungsräumen vorbei und dann bin ich motiviert;
alle anderen machen ja das Gleiche,” fährt der Pianist fort.
Er genießt den musikalischen Input
seiner beiden Lehrer Ax und McDonald. Sie reden nicht viel über Technik. Schwizgebel–Wang
gefällt es, ihren Vorschlägen zuzuhören, wie man mit unterschiedlichen Phrasierungen, musikalischen Strukturen und Interpretationen umgehen
solle. “Manchmal gibt es kleine Veränderungen im Detail, die die gesamte Idee
des Stücks verändern”, behauptet er und zieht für sich das meiste aus dem
einjährigen Prozess des Graduiertendiploms heraus, den er auf ein zweites Jahr verlängern
möchte.
Als wir über Technik sprechen, wird
Louis wirklich interessiert.
Es ist für jeden aufstrebenden Pianisten
faszinierend zu wissen, dass, wie enorm das Talent, wie gekonnt seine Auftritte
und wie aussichtsreich seine Karriere auch sein
mag, er konstante Unsicherheiten zugeben kann oder vielmehr ein ständiges
Infragestellen von Klaviertechnik als einem zuverlässliches Handwerk, um all
die wundervollen vielversprechenden künstlerischen Ideen zu schmieden. Wie erzeugt
man den vollen Klang, den er an bestimmter Stelle in der Musik möchte? Wie
bedient man die Tastatur, so dass der gewünschte Sound nicht zu harsch, aber laut genug sein wird?
Es gibt natürlich unterschiedliche
stilistische Weisen sich dem
Klavier zu nähern, zum Beispiel wenn man französische impressionistische Musik
spielt wie Ravels Gaspard de la Nuit,
das Louis für sein bevorstehendes Konzert in der Merkin Hall vorbereitet. “Irgendwas
an dem leichten Berühren der Tasten, der präzisen und klaren Genauigkeit, ist
für mich viel greifbarer und leichter instinktiv zu erfassen als, sagen wir,
Brahms oder Schubert,”meint er.
Also was ist es, worauf man sich
beim Üben konzentrieren muß, angesichts der Tatsache, dass man zwei Beethoven Sonaten in acht Tagen vorbereiten
kann? “Ich bin nicht nach “Übungen”
verrückt.” Ich schaffe meine eigenen Übungen entsprechend eines jeden Stückes,
das ich spiele, und ich mag es, alles über die Musik zu erfahren, die ich
spiele. Und ich würde es im Allgemeinen sehr begrüßen, Technik
besser zu verstehen, was einem erlaubt, sich am Piano wohl zu fühlen. “
Es ist faszinierend die Interaktion zu sehen, wenn großes Talent auf die
lebenslange Erfahrung eines Klavierlehrers trifft, wie Edna Golandsky, die
viele Pianisten willkommen geheißen hat und deren Horizonte sie erweiterte, als
sie ihren Rat suchten. Louis spielt einen Satz von Schuberts Sonate in a-Dur,
Haydns Sonate in c-Dur und etwas von Ravels Gaspard
De La Nuit. Edna bewundert sein Talent und erkennt, dass er auf der Suche danach
ist, wie er die sich immer wieder verflüchtigende Qualität des Tons bekommt -
ohne Mühe und mit Zuverlässigkeit.
Es ist mir eine Ehre bei dieser
Arbeits-Sitzung dabei zu sein. “Woran denken Sie?” fragt sie ihn, nachdem er
für sie gespielt hat. Er erläutert, dass er nie wirklich komfortable Technik gehabt hat. “Ich war immer auf der Suche
und begann mit einem zu hohen Handgelenk und Spannung. Ich wollte schon zu jung
schwere Stücke spielen und musste einen Weg finden, um diese spielen zu können.
McDonald gab mir ein paar neue Ratschläge, denen entsprechend ich mich etwas besser fühlte, wie ich in die Tasten
lange, etwas diagonal und nicht ein ‘In-die- Tasten-greifen’, wie ich es zuvor
tat, aber ich bin noch immer auf der Suche …”
Edna hat eine andere Methode, die
die natürliche Ausrichtung von Unterarm, Händen und Fingern aufzeigt. Es gibt
keine Position, die kontinuierlich aufrechterhalten werden kann:”Das Einrollen
der Finger ist einer der größten Ursachen für Verspannungen, meint sie, aber
ein Schub nach vorn bringt Fingerbewegungen hervor, die genauso kontraproduktiv
sein können wie ein ‘In-die-Tasten-greifen’, das zur Folge hat, dass man vom
Klavier “fällt”. Manchmal kann der Wechsel einer Methode dabei helfen, dass man
sich besser fühlt. Aber die wirkliche Antwort besteht darin, dass man jegliche
Verspannung loswird.”
Edna fuhr fort Louis zu vermitteln, dass die Tiefe seines Klangs aus dem
Gewicht seines Unterarms komme, der ebenfalls die Seitwärtsbewegungen auf der
Tastatur bewältigt. Es gibt ein Gefühl von einer nach vorn gerichteten Balance,
im Gegensatz zu einem Nachhintenfallen. Sie erkannte, dass er sehr viel
Vorstellungskraft in seinem Spielen hat und die Veränderungen der Klangfarbe gut
hervorbringt, aber es einen tieferen Klang geben könne: Das kommt vom Unterarm,
durch eine mit der Drehbewegung einhergehenden bewussten Verlangsamung der
Geschwindigkeit an der Tastatur,” erklärt sie.
Louis hat sofort den Dreh. Edna
fragt ihn, “Wie ist es?“ “Angenehm,” bestätigt Louis und nickt dabei dankbar.
“Auf die Ausrichtung achtzugeben,
erlaubt einem, sich mehr verankert und unterstützt zu fühlen. Um die Klänge
hervorzubringen, besonders dann, wenn wir von einem weichen Klang reden, halten Leute die Arme hoch, ihre
Schultern und trauen sich nicht, einen zu großen Klang zu produzieren. Der
Klang ist nicht am Boden der Taste, sondern ein bisschen davor. Daher richtet man
sich nicht auf den Boden aus “ erklärt ihm Edna.
“Man hat mehr Kraft, wenn man
nicht der Taste etwas abzwingt, sondern freier, als ob man einen Ball wirft. Mit
dem Timing der Taste und der Kraft des Unterarms gibt es eine große Klangvielfalt und einen vorallem einen volleren. Man sollte nur
vorsichtig sein, nicht in den Gelenken, im Handgelenk und den Fingergelenke einzuknicken.
Dieses besondere, stabilisierende Verhältnis zu brechen, kann
schnell zu Verletzungen führen und, wenn das Handgelenk
absinkt, sind normalerweise die Schultern auch am nachziehen. Vielleicht sollte
das bei Ihnen die höhere Position des Handgelenks kompensieren. Wie auch immer,
wenn es richtig ist, versucht die Hand nicht etwas anderes zu tun, fühlt sich
wohl und es gibt keinen Unterschied, ob es ich dabei um ein Konzertaufftritt
oder eine Übung handelt.”
Schwizgebel-Wang ist von seinem
ersten Besuch begeistert und erzählt mir anschließend enthusiastisch: “Es hilft
wirklich! Ich hatte etwas komplizierteres erwartet, aber eigentlich ist es so
einfach und natürlich. Ich freue mich auf Übungen in dieser Richtung.“
Das Glück zu haben, aufgeschlossen
und nicht von einigen der Geister kritischer Gerüchte über die Taubman Methode
abgeschreckt zu sein, wird ihm Gelegenheit geben, Edna wieder zu besuchen sobald Fragen aufkommen. Aber für diejenigen, die nicht
in der Nähe von New York sind, gibt es zehn Bänder, welche die Prinzipien der
Methode vorstellen und über die Golandsky Website
zu beziehen sind. www.golandskyinstitute.org
Und vielleicht werden wir während
des bevorstehenden Konzertes in der ‘Mekin Hall’ einige der beeindruckenden
positive Ergebnisse von Louis neuer Art, Klänge mit seiner
Klavier-Technik zu produzieren, erleben. Wir hoffen, dass es für ihn ein
angenehmes, müheloses Erlebnis sein wird… wenn es ihm möglich ist, seine
wundervollen musikalischen Gedanken noch freier von Hand zu fertigen.
”Jemanden mit Etiketten zu versehen ist gefährlich. Jeder wird heute mit irgendwas diagnostiziert …eine Störung hiervon und eine Störung davon…und mit Medikamenten behandelt. Und überhaupt, was ist normal? Innerhalb des kreativen Prozesses eines jeden gibt es so etwas wie eine Art Manie, eine Energie, mit der man versucht etwas einzufangen, bevor es entkommt. Zwangläufig folgt danach der Absturz. Man muss damit leben, was man erreicht hat und sich regenerieren. Vielleicht gibt es nur wenige Tage zwischen den jeweiligen kreativen Schüben, aber jeder wahre Künstler muss sich von einem solch kreativen Input erholen. Und am Ende sehe ich es als 10 Prozent Inspiration und 90 Prozent Transpiration, selbst wenn man es kreativen Wahnsinn nennen will.”
Am 1. Februar 2012 um 7.30 in der Weill Recital Hall der
Carnegie Hall
Gegründet im Jahre
2008 ist das Israeli Chamber Project (israelisches
Kammermusikprojekt) eine erstaunliche Gruppe junger, aber versierter, unternehmerischer
israelischer Musiker, die in den USA leben und – neben ihrem individuellen musikalischen
Talent – eine Mission teilen, die sie verbindet. Wie es der
geschäftsführende Direktor der Gruppe und einer der beiden Pianisten, der
Mitbegründer Assaff Weisman ausdrückt:”Wir haben mehrere Schwerpunkte: Erstens
teilen wir alle die Leidenschaft, etwas unserem Heimatland Israel wiederzugeben.
Es gibt in Israel keinerlei Geldmittel für die Kunst; das Land kann es sich einfach nicht leisten. Deshalb
verlassen viele seiner talentiertesten jungen Leute das Land, – wie wir es
taten – um ihre Ausbildung voranzutreiben und Auftrittsmöglichkeiten zu
verbessern, die für eine internationale Karriere die Voraussetzung sind. Dieses
ist die Ursache für eine Abwanderung der
Ausgebildeten, sozusagen einen “brain drain,” was
das Land ohne gute Lehrer zurücklässt, die die nächste Generation begeistern könnten. Also wollen wir auf Tournee gehen und etwas an die
jüngere Generation weitergeben, indem wir
unterrichten und sie inspirieren. Zweitens, wenden wir uns mit unseren
Konzerten an die breite Öffentlichkeit in Israel, indem wir uns nicht nur auf
die typischen Kulturzentren konzentrieren,wie es mit unserer Konzertreihe in
Tel Aviv und Jerusalem geschieht, sondern, indem wir auch klassische Musik in
die Kibbutzim, in die Wüstengegenden im Negev und arabische Städte bringen. Wir
bieten diesen entlegeneren Gebieten klassische Musikkultur, wo wir die Musik
von traditionellen und zeitgenössischen Komponisten vorstellen möchten. Unsere Bildungstourneen beinhalten an Musikschulen vor Ort Meisterklassen
und auch Einzelunterricht am Instrument und enden typischerweise mit einem
Konzert, in das wir oft auch die Studenten des Tages miteinschließen. Dabei
handelt es sich nicht um eine einmalige Sache; wir kehren zurück und haben das
Privileg, am Fortschritt teilzuhaben. “Und,” fährt Weisman weiter fort, “wir
wenden uns natürlich an die amerikanische Öffentlichkeit, unserer neuen Heimat
und fördern eine auf Israel bezogene kulturelle Sensibilität. Wir sind alle israelische
Staatsbürger und unser gemeinsamer Hintergrund verbindet sehr. Leute haben mir schon
sehr oft gesagt, dass es ein besonderes Gefühl gibt, welches auf das Publikum wirkt.
Wir unterstützen die israelische Kunst, indem wir Werke von zeitgenössischen israelischen Komponisten in Auftrag geben,
unter ihnen Matan Porat, Jonathan Keren, Amit Gilutz und Gilad Cohen. Aber
natürlich haben wir ein breitangelegtes Repertoire, das wir spielen. Unsere
ehrliche Herangehensweise, die darauf beruht ohne etwas vorzutäuschen, ist bis
jetzt vom Publikum honoriert worden und unsere erste CD wird in dieser Saison
vom Azica-Label herausgegeben und von Naxos vertrieben.”
Die Gruppe, die aus
acht Kernmitgliedern besteht, umfasst ein Streichquartett, zwei Pianisten,
einen Harfenspieler und einen Klarinettisten. Bei ihrem Carnegie Hall Debüt werden
zwei bis sechs Musiker in sich variierendenden Kombinationen
spielen. Jeder der Musiker hat sich bereits in seinem Bereich einen Namen
gemacht. Assaff, ein ehemaliger Student des hervorragenden Herbert Stessin bei
Julliard (ebenfalls ein Lehrer von Jeremy Denk und Orly Shaham), der dabei
geholfen hatte, einige der erfolgreichsten Pianisten der jüngeren Generation
heranzuziehen, unterrichtet neben seiner ausgiebigen
Konzertarbeit mit dem Israeli Chamber Project und auch seiner Solo-Karriere als Konzertpianist selbst vier
Klassen an der Abendschule von Juilliard.
Vor seinem Studium in
New York studierte Weisman bei Professor Victor Derevianko
in Israel und wurde, wie alle Mitglieder des Israeli Chamber Project, mit Stipendien der
Amerika-Israel Kulturstiftung unterstützt. Viele der Künstler schauen auf ein
gemeinsames Heranwachsen in den Heimatstädten in Israel zurück. Andere haben
sich bei Juilliard getroffen.
Der Violinist Itamar
Zorman, das jüngste Mitglied der Gruppe meint:”Michal und Tibi nahmen mich mit
in den Übungsraum, erläuterten mir die Gruppe und ihre Ideen und ich sagte,
dass ich natürlich gerne mitmachen würde. Ich hatte zuvor schon als Trio mit
Michal, die eine ertaunliche Cellistin ist, und mit dem Pianisten Itamar Golan
gespielt. Mit Sivan, unserer Harfenspielerin hatte ich ebenfalls beim einem Festival
an der ‘Jersualem Academy’ im Jahre 2004 gespielt.“
Zorman ist der
Gewinner des internationalen Tschaikowsky Wettbewerbs in Rußland im Jahre 2011 und
wuchs in Tel Aviv auf, wo er Weisman begegnete. Besonders wurde er von zwei
anderen jungen israelischen Musikern inspiriert, die ihm mittels der Ilana
Feher Stiftung ungemein halfen. Die Violinisten Ittai Shapira und Hagai Shaham
waren nicht nur entscheidend dabei, ihm ein Stipendium zu gewähren, das ihm
eine Aufnahme und ein Debütkonzert ermöglichte, sie waren ebenso eine wahre Hilfe, indem sie ihm guten Rat gaben, was seine zukünftigen beruflichen Schritte anbelangte. Mit dem Israeli Chamber Project aufzutreten, “macht nicht nur Spaß, da ich es sehr mag, mit
dieser Gruppe von Leuten zu spielen,” sondern er glaubt auch an ihre Aufgabe,
die Gelegenheit für die Unterstützung, die er
erhielt, etwas zurückzugeben: “Der Grad an Ausbildung ist im Ganzen recht hoch
in Israel. Es gibt viele Lehrer der älteren Generation, die ihr Training in der
ehemaligen Sowjetunion erhalten haben und es gibt auch eine gutes Musik
Konzept. Es gibt einige große Studios und
einiges erstaunliches Talent. Aber ich versuche eine
neue Betrachtungsweise bekanntzumachen, die nicht ihre Werke behindert, sondern fördert. Neben
meiner Liebe für Schubert und Brahms bringe ich ebenso meine Vorliebe für
Gegenwartsmusik mit und finde im allgemeinen, dass
Israelis ein sehr aufgeschlossenes Publikum sind. Gleichzeitig genieße ich es, zeitgenössische
israelische Komponisten wie auch neue Musik überhaupt in Amerika aufzuführen. Es
mag sich um eine Generationsfrage handeln und
Symbolcharakter für den Rhythmus unserer Zeit. Natürlich gibt es etwas in der
modernen Musik, was das allgemeine menschliche Befinden genau wie in jeder
anderen Musik berührt, aber es gibt auch etwas
spezifisches in ihrer modernen Ausdrucksweise. Unsere Verantwortlichkeit als
Auftretende ist es, sie so meisterhaft zu präsentieren, wie wir es auch für die
klassischen Ikonen tun, obwohl ein Zuviel an Ehrerbietung manchmal dem einfachen
Befinden in gerade diesem Augenblick im Wege, eine andere Stärke von
zeitgenössischer Musik, welche nicht die Last
ihrer eigenen Geschichte mit sich herumträgt.”
Letzten Sommer trafen
sich Zorman und die Harfenspielerin Sivan Magen mit dem Komponisten Matan Porat,
als sie am
Marlboro Festival teilnahmen. “Wir spielten Matans Requiem,
ein äußerst wirksames Stück, besonders als wir es beim Festival um Mitternacht
spielten.” Diesen kommenden Sommer werden wir das Musikfestival in Verbier
besuchen, in der Hoffnung noch immer neue Horizonte zu aufzutun.
Programm am 1.
Februar 2012 um 7.30 in der Weill Recital Hall in der Carnegie Hall
Schostakowitsch, Trio für Klavier, Violine,
Cello in c-Moll,
Op.
8 Sebastian Currier, ‘Night Time’, für Harfe und Violine
Martinů Kammermusik Nr.1
Paul Ben Haim Drei Lieder ohne Worte
(arrangiert für Klarinette und Harfe)
Brahms Trio für Klarinette, Cello und Klavier
in a-Moll, Op. 114
Juilliard Piano Duo Lang Ning und Michael Berkovsky
Die klassischen Pianisten Michael Berkovsky und Lang Ning
Liu sind beide sehr einfühlsame und sensible Pianisten. Owohl sie aus
unterschiedlichen Ecken der Welt stammen, teilen sie die Erfahrung eines
Studiums an der ‘Julliard School’. Jetzt haben sie wieder zusammengefunden.
Nach dem Master Abschluss bei Juilliard, dem Gewinn des
Julliard Konzertwettbewerbs und dem Auftritt in der Avery Fisher Hall im Jahre
2008 hat Michael sein Musikstudium bei Peabody fortgesetzt und gewann erneut
den Auftrittspreis, der ihn zu einem Solokonzert am
Baltimore Art Center und einem Auftritt mit Orchester unter der Leitung von Leon
Fleisher berechtigte. Ich erinnere mich gut an seinen Soloauftritt vor ein paar
Jahren, nicht nur wegen der Wärme und Farbe seiner Interpretation von
Mussorgskis Bilder einer Ausstellung, sondern auch an die Tatsache, dass
nach der Hälfte des Auftritts die Konzerthalle auf einmal pechschwarz wurde. Unbeeindruckt
meisterte Michael kühn die Situation, genau wie es die legendäre Myra Hess es
tat, als sie ihr Konzert trotz des Klangs von Sirenen während der deutschen
Luftangriffe auf London weiterspielte. Michael schloss
sein Studium bei Peabody mit einem Ph.D. in Musikaufführung ab. Seine
außergewöhnlich warme und großherzige Persönlichkeit lässt kein extravagantes
Ego zu – eine Tatsache, die ihm viel Freunde und Unterstützer eingebracht hat,
wo immer er auch hingeht.
Als Lang Ning über Wege nachdachte, bei ihren Freunden
das Interesse an ihren Konzertaufführungen zu wecken, kam sie auf die Idee, chinesische
Volksweisen in ihre Konzertaufführungen zu integrieren. Dies erlaubt es Michael
und Lang Ning, nicht nur ein junges Publikum anzusprechen, sondern auch große neue
Hörerschaften zu erreichen, wie Torontos chinesische Einwohnerschaft. Lang
Nings Konzept spricht klar die sich ständig vergrößernden unternehmerischen
Instinkte junger Musiker an.
Torontos Chinesische Einwohnerschaft (nach Vancouver die
größte) hat eine anwachsende Zahl von Musikenthusiasten unter sich, die eine
Vielzahl von Konzertabenden und Auftritten besuchen. Ihre energische Unterstützung junger Talente ist etwas, auf das man rechnen kann und hat zu einer besonderen Wertschätzung für klassische Musik beigetragen. Seit dem phänomenalen Erfolg von Lang Lang sind Künstler mit asiatischem Hintergrund in anwachsender Zahl Teil des internationalen Musikzirkels geworden und präsentieren mehr und mehr weibliche Talente und werben so für das neugefundene Gefallen und die künstlerische Dynamik der jungen asiatischen Auftrittskünstlerin.
Bereits während der letzten Jahrzehnte ist an
amerikanischen und kanadischen Musikschulen und Konservatorien die Zahl der
Studenten mit einem asiatischen Hintergrund ständig angestiegen, mit
hochtalentierten Musikern, die nun mit dem westlichen Kanon aufwachsen und einen
interessanten Zulauf asiatischer Kultur bieten.
Besonders an den international bekannten Institutionen wie ‘Glenn Gould School’
in Toronto oder der ‘Juilliard School’ in New York war es einer jungen
Generation von Musikern, Instrumentalisten und Komponisten möglich, sich auf
der lokalen und internationalen klassischen Musikszenen zu etablieren. (Siehe
mein Artikel über den jungen Komponisten Huang Ruo http://english.getclassical.org/2010/05/16/180/)
Die Pianistin Lang Ning Liu begann ihr Studium am
Zentralen Musikkonservatorium in Peking und hatte im Alter von 10 Jahren ihr
Orchesterdebüt mit dem ‘Beijing Philharmonic Orchestra’. Im Alter von 17 Jahren
besuchte sie das ‘Glenn Gould Institute’ in Toronto und studierte dann bei
Juilliard von 2003 bis 2008 in New York bevor sie mit einem ‘Master’-Abschluss
in Klavieraufführung nach Toronto zurückkehrte. Sie ist nun dabei, eine
internationale Auftrittskarriere aufzubauen und fand in der internationalen
Presse sehr positive Resonanz. In diesem Monat war sie die vom ‘Toronto Concert
Orchestra’ herausgestellte Solistin, als sie mit Tschaikowskis Klavierkonzert
No.1 unter der Leitung Kerry Stratton am ‘Toronto Arts Centre’ auftrat.
Die junge Pianistin ist nicht nur für ihre unbeugsame
Technik und ihr musikalisches Können bekannt bekannt, sondern auch für ihr
Engagement für in klassischer Musik angelegter Programme, die sich an ein breiteres
Publikum wenden. Sie ist Gründerin und künstlerische Leiterin der ‘Toronto
International Piano Competition’ und der ‘CCC National Canadian Piano
Competitions’ und dient als Jugendbotschafterin für das chinesische Kulturzentrum
des Großraums Toronto. Für eines ihrer jüngsten Musikprojekte stellte sie
erneut die Verbindung zu ihrem Julliard Mit-Absolventen und Pianisten Michael
Berkovsky her, der nun ebenfalls in Toronto lebt. Was als einzelner Auftritt begann,
bei dem Astor Piazzola Tangos gespielt wurden – einer Lieblingssache Berkovskys
– wurde zu einem erfolgreichen ‘Joint Venture’, benannt nach der Institution,
die beide Pianisten verbindet: The Juilliard Duo.
Bei Juilliard studierten Michael und Lang Ning Liu bei Julian
Martin. Obwohl Lang Ning etwas eher begann, wurde die musikalische Entwicklung
beider Pianisten sehr von dieser gemeinsamen Erfahrung geprägt.
Ihr neues Projekt beinhaltet die Niederschrift chinesischen Liedgutes, dem die Leidenschaft der
beiden Julliard Absolventen gilt. “100 Vögel begrüßen den Phönix” von Wang
Jian Zhong, für zwei Klaviere von dem The Juilliard Duo, transkribiert, besteht
derzeit als ein bezaubernder Clip, aufgeführt von Michael Berkovsky und Lang
Ning Liu. http://www.youtube.com/watch?v=dDN5TSfPq0E&feature=share
“Alles geht dabei darum, sich an ein anderes Publikum zu
wenden und unsere eigene schöpferische Begabung dabei einzubeziehen” meint Michael
in Toronto, als er mir von dem alten Volksmärchen über
den Phönix erzählt, auf dem “100 Vögel begrüßen
den Phönix” beruht: Der Phönix war ein einfacher Vogel, hart arbeitend und
ehrlich. Er sparte Nahrungsmittel zusammen, anders als die anderen bunteren
Vögel, die sich nicht sorgten und nicht daran dachten, sich auf härtere Zeiten
vorzubereiten. Als Zeiten der Hungersnot anbrachen und Vögel verhungerten,
teilte der Phönix die zusammengesparte Nahrung. Dafür sehr dankbar, gaben sie
jeder eine Feder und so wurde der einfache Vogel zum farbenfrohsten von allen
…die ‘einer für alle und alle für einen’ Ideologie kommt einem dabei in den
Sinn.”
Michael ließ sich gerne in Toronto nieder und zum ersten
Mal, seitdem seine Familie aus ihrer Russland nach Israel zog und [er] dann weiter in die USA für seinen Masterabschluss
bei Julliard und sein Doktortitel bei Peabody in Baltimore, empfindet Michael, dass er für sich ein Zuhause schafft. Obwohl
er international als Solist aufgetreten ist, mag er auch sehr die Idee, mit
einem anderen Pianisten zu spielen: “Die Energie ist eine andere, als spiele
man Kammermusik und es gibt eine großartige
Kommunikation zwischen zwei Pianisten …ein großartiger Energiefluss und
gegenseitiges Verständnis und es ist auch nicht so einsam, als spiele man ein
Solorepertoire.”
Momentan sind Lang Ning Liu und Michael dabei, den
“gelben Fluss” zu arrangieren, eine Komposition, die auf der Kantate des
chinesischen Komponisten Xian Xiang aus dem Jahre 1939 beruht. Seit ihrer
politisierten Premiere während der Kulturrevolution im Jahre 1969 erfreut sich
das Concerto in China und bei chinesischen Nationalisten in Übersee großer Beliebtheit.
Es ist als ein schwieriges Solostück bekannt. Berkovsky und Liu werden eine
zweite Klavierversion neu erschaffen. Dieser Tage
arbeiten Michael und Lang Ning daran, eine Konzerttournee vorzubereiten, die
sie in fünf chinesische Städte bringen wird, um im kommenden Sommer diese Werke
vorzustellen.
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