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„But Not Forgotten“ – Musik afroamerikanischer Komponisten

Überraschungen am laufenden Band

Ein Hauch von Dèja-vu-Effekt stellte sich bei mir unlängst ein, als ich die neueste CD des hochklassigen Sono Luminus-Labels (ehemals bekannt als „Dorian“) auf den Schreibtisch bekam. Mit „But Not Forgotten“ legt Klarinettist Marcus Eley zusammen mit seiner Duettpartnerin Lucerne DeSa eine hochklassige Anthologie US-amerikanischer Musik für Klarinette und Klavier vor – und eben das gab es ja auch im August 2011 bereits aus dem Hause Sono Luminus.

Der Unterschied zu der CD vom letzten Jahr: Während anno 2011 vor allem Komponisten im Umfeld von Aaron Copland sowie der besagte große Vertreter der US-amerikanischen Musikmoderne des 20. Jahrhunderts, nämlich Copland selbst, vorgestellt wurden, legen Marcus Eley und Lucerne DeSa ihren Fokus nun durchwegs auf afroamerikanische Komponisten.
Und da ist es ähnlich wie bei der Popmusik: Es gibt große Stars, aber daneben finden sich vergleichsweise wenige farbige Künstler, die es geschafft haben, in den „Hörer-Mainstream“ vorzudringen. Fragt man mich, so macht eben dieser Umstand die vorliegende Sono Luminus-Neuerscheinung nur umso interessanter, denn hier gibt es echt was zu entdecken!

Und längst nicht alles, was es hier zu hören gibt, tönt in Richtung Scott Joplin oder William Grant Still, jenen beiden Godfathers of Symphonic Jazz. Hier gibt es auch ganz anders geartete Sachen, und so überrascht gleich das erste Stück der CD – die „Night Fantasy“ der 1940 geborenen Komponistin Dorothy Rudd Moore – mit einem durchaus sperrig zu nennenden, neo-expressionistischen Ansatz. Natürlich finden sich hier auch Anklänge des Jazz, aber gleich das nächste Stück „Episodes“ von Alvin Batiste zeigt, wie sehr auch die afroamerikanische Komponistenszene vom panamerikanischen Vorbild Aaron Copland beeinflusst wurde.
Mit dem „Basque Folk Song“ von Clarence Cameron White kommt dann richtiggehend spätromantische Musik durch die Boxen, während die nachfolgende Pastorale aus den „Scenes from Nigeria“ des Komponisten Samuel Akpabot das afrikanische Erbe der farbigen US-Amerikaner ins Gedächtnis ruft und zudem auch eine eher dodekaphonisch/zwölftönige Kompositionsweise offenbart.

Mit „Coty“ von Quincy Hilliard wird dann der Übergang zu jenen Klängen geschaffen, die man allgemein erwartet, wenn von afroamerikanischer Musik die Rede ist: Jenem Universum rund um den Ragtime, den Symphonic Jazz und den Kunstmusikanspruch von Big Bands und Interpreten ab den 1940er-Jahren bis heute.
Und auch hier stellt sich heraus: Wir haben noch längst nicht alles gehört, es gibt noch große, bislang noch nie aufgenommene Repertoirelücken, die von Marcus Eley und seiner Duettpartnerin auf sehr versierte und hingebungsvolle Weise zumindest teilweise durch diese CD geschlossen werden.
Es folgt der typische Sound von William Grant Still und Scott Joplin, bevor mit „Soul-Bird“ von Todd Cochran noch einmal ein Vorstoß in Neue Musik-Bereiche das Programm beschließt.
Abschließend werden wir Hörer mit einem blueslastigen, sehr gelungenen und „feeling-reichen“ Arrangement der Hymne „Amazing Grace“ entlassen.

Abschließend bleibt nur ein Gedanke: „Wow! Was für eine schöne, abwechslungsreiche CD!“ Diese Sono Luminus-Novität ist rundum gelungen, sowohl was das ausgewählte Repertoire betrifft, als auch Interpretation und Sound. Hier ist alles mustergültig und zeitlos, sodass sich diese neue Anthologie als eine der bislang wertvollsten des laufenden Jahres erweist. Der schlichtweg perfekte Sound macht die Veröffentlichung auch zur warmen Empfehlung für ausgewiesene HiFi-Liebhaber mit höchsten Klangansprüchen. Diese CD erfüllt sie!

„But Not Forgotten“ – Musik afro- amerikanischer Komponisten
M. Eley (Klarinette) / L. DeSa (Klavier)

(2012)
Sono Luminus / Naxos Katalog-Nr.: DSL-92156 / 053479215628
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Veröffentlicht inNaxos NewsThe-Listener

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