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Autor: Salvatore

Amar Quartet: Paul Hindemith – Complete String Quartets

Paul Hindemith (1895–1963) gilt heute als einer der herausragendsten deutschen Komponisten des 20. Jahrhunderts, auch wenn seine Musik, zumindest hierzulande, sich erst langsam bei einem breiteren Publikum durchsetzen kann. Es mag daran liegen, dass es in Hindemiths Œuvre an dem einen „Signatur-Werk“ mangelt, einer Komposition also, die allgemein bekannt ist und die immer wieder zum Anlass genommen wird, das restliche Schaffen zu erkunden. Es mag daran liegen, dass Hindemiths (im besten Sinne!) eklektizistische Musik schwer zu fassen ist: Sie vereint Elemente des Expressionismus, des Neoklassizismus und sogar des Jazz. Hindemith setzte sich aber quasi zwischen alle Stühle. Zum einen löste er mit der „Freien Tonalität“ die traditionelle Dur-Moll-Tonalität auf, zum anderen lehnte er die (atonale) Zwölfton-Musik der Zweiten Wiener Schule ab. Was den Zeitgenossen schon „zu modern“ oder „nicht modern genug“ war, ist aus heutiger Sicht freilich ein einzigartiger Individualstil, der zeitlos aktuell geblieben ist.
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Henning Kraggerud · Malmö Symphony Orchestra, Bjarte Engeset: Johan Halvorsen · Carl Nielsen – Violin Concertos / Johan Svendsen – Romance

Hand aufs Herz: Wie viele Leserinnen und Leser kennen die Violinkonzerte von Johann Halvorsen und von Carl Nielsen? Sicher, die Symphonien des Dänen Nielsen sind als herausragende Beispiele spätromantischer Symphonik bestens bekannt, aber ein Violinkonzert? Und der Norweger Halvorsen: Von ihm kennt man doch am ehesten die „Passacaglia für Violine und Viola über ein Thema von Händel“. Galt sein Violinkonzert nicht als verschollen?
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Isabella Lundgren – Where is home

Isabella Lundgren
Foto: © Izabelle Nordfjell

Nicht nur in der Popmusik genießen schwedische Produktionen einen exzellenten Ruf, auch im Jazz hat sich das nordeuropäische Land mit zahlreichen international erfolgreichen Künstlern einen hervorragenden Ruf erarbeitet. Schon früh und zunächst nicht ohne Hilfe der US-amerikanischen Künstler, die in den 1950er und 1960er Jahren gerne in Europa gastierten, entwickelte sich die schwedische (oder eigentlich die skandinavische) Szene kontinuierlich. Spätestens seit den 1980er Jahren verzeichnete sie durch einen eigenen, technisch brillanten Sound auch international Erfolge: Nils Landgren, Viktoria Tolstoy, Lars Danielsson, Ida Sand und der viel zu früh verstorbene Esbjörn Svensson gehören zu den wichtigsten und erfolgreichsten Motoren des modernen Jazz. Ihre Wirkung reicht weit über die Landesgrenzen hinaus.

Moment einmal: Jazz im Naxos-Blog? Aber selbstverständlich! Naxos hat nicht nur zahllose Klassik-Plattenfirmen im Vertrieb, sondern einige hochinteressante Jazz-Labels, so zum Beispiel Ladybird, »a Swedish independent record company« aus Stockholm. In ihrem kleinen, aber feinen Katalog finden sich ausschließlich schwedische Künstlerinnen und Künstler mit hochwertigem Jazz-, aber auch Folk- und Klassik-Repertoire. Zu ihren (international) interessantesten Veröffentlichungen gehören die drei Alben der Sängerin Isabella Lundgren.
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Michael Gielen Edition Vol. 4: 1968–2014

Im Juli dieses Jahres wird der Dirigent Michael Gielen 90 Jahre alt. Auch wenn der Maestro im Oktober 2014 bekannt gab, aus gesundheitlichen Gründen seine Dirigentenkarriere zu beenden und keine Konzerte mehr zu geben, so ist sein Ruhm und seine Wirkung, vor allem im Ausland, ungebrochen. Als langjähriger Chefdirigent des SWF Sinfonieorchesters Baden-Baden, das 1996 in SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg umbenannt wurde, prägte er die deutsche Orchesterkultur nachhaltig. Er führte den Klangkörper mit Disziplin, Präzision und Bescheidenheit in die Weltspitze und blieb ihm auch nach seinem Ausscheiden als Chefdirigent 1999 als ständiger Gastdirigent (seit 2002 als Ehrendirigent) eng verbunden. Die Michael Gielen Edition zeichnet in zehn geplanten Volumina das Wirken dieser lebenden Legende nach. Dafür hat man tief in den Radioarchiven gegraben und einzigartige Schätze zutage gefördert. Nicht wenige von ihnen sind zuvor niemals auf Tonträger erschienen.
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Colin Andrews: The Complete Organ Works of Olivier Messiaen – Hommage à Messiaen

Olivier Messiaen (1908-1992) gilt heute als einer der bedeutendsten Komponisten seiner Epoche, dessen Œuvre vor allem die Musik der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts beeinflusste. Als Professor am Conservatoire de Paris war er zwischen 1941 und 1977 unter anderem Lehrer von Pierre Boulez, Karlheinz Stockhausen und Iannis Xenakis. Als Organist der Église de la Sainte-Trinité in Paris, eine Position, die er ab 1931 55 Jahre lang innehatte, widmete er sich immer wieder der Orgel und ihren Ausdrucksmöglichkeiten. Sein Orgelwerk ist folgerichtig, neben seinen beiden bedeutenderen Instrumentalwerken „Quatuor pour la fin du temps“ und „Turangalîla-Symphonie“, von zentraler Bedeutung für seine einzigartige Klangsprache. In dieser spielen der Natur (speziell die Vogelwelt: Messiaen war auch Ornithologe) und mystische Religionserfahrungen (er war tief im katholischen Glauben verwurzelt) eine besondere Rolle.
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Ann-Helena Schlüter: Johann Sebastian Bach – Das Wohltemperierte Klavier I

An Aufnahmen des „Wohltemperierten Klaviers“ von Johann Sebastian Bach mangelt es wirklich nicht. Freilich, bei solch einem Meilenstein der Klavierliteratur ist es schon verständlich, dass sich immer wieder neue Generationen an Interpreten daran abarbeiten. Gleichzeitig stehen die jungen Musiker und Musikerinnen vor einem Dilemma: Es scheint jedes Geheimnis gelüftet, jeder wissenschaftliche Ansatz umgesetzt, jede Variante ausgelotet. Was kann man in Zeiten allgegenwärtiger spieltechnischer Perfektion tun, um sich als Interpret aus der unübersichtlichen Masse an Musikerkolleginnen und -kollegen hervorzutun?
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Nicolas Horvath – Philip Glass: Glassworlds 5

Fast schon könnte man glauben, dass die Musik des US-amerikanischen Minimal-Music-Komponisten Philip Glass ein wenig aus der Mode kommen sollte. Immerhin drängen immer mehr junge „postmoderne“ Komponisten ins Rampenlicht, aber das Gegenteil ist der Fall. Glass’ Musik ist aktueller denn je. Sie wird nicht nur von Komponisten wie Max Richter, Yann Tiersen und Ólafur Arnalds als Inspirationsquelle und Vorbild genannt, eine Fülle von jungen Musikern widmen sich mit Leidenschaft und Raffinesse der Musik des vom Establishment nicht immer gern gesehenen Grenzgängers.
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Spirito · Orchestre National de Lyon, Leonard Slatkin: Ravel – Orchestral Works · 4

Maurice Ravel, 1925, Von Unbekannt The image holder, the Bibliothèque nationale de France has not identified a photographer. (Follow link and click on "Detailed information".) - Bibliothèque nationale de France, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11402630

»Mein Meisterwerk? Der Boléro natürlich. Schade nur, dass er überhaupt keine Musik enthält.«

Maurice Ravel war der phänomenale Erfolg seines „Boléro“ zeitlebens suspekt. Kein anderes Werk des französischen Komponisten ist auch nur annähernd so bekannt wie der rund 15-minütige Tanz, der für Ravel lediglich eine »simple Orchestrationsübung« war. Auch heute dominiert in der öffentlichen Wahrnehmung der „Boléro“ Ravels Schaffen. Dabei hat das Œuvre des französischen Nationalkomponisten viel mehr einzigartige Orchesterwerke (im wörtlichen Sinne) zu bieten, als jene berühmten 15 Minuten. Ravel war wirklich keiner, der sich in seinen Werken gerne wiederholte.
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Boris Giltburg · Royal Liverpool Philhamonic Orchestra, Vasily Petrenko: Shostakovich – Piano Concertos Nos. 1 and 2 · String Quartet No. 8 (arranged for piano by Boris Giltburg)

Von Fotothek_df_roe-neg_0002792_002_Portrait_Dmitri_Dmitrijewitsch_Schostakowitchs_im_Publikum_der_Bachfeier.jpg: Roger & Renate Rössing, credit Deutsche Fotothek.derivative work: Improvist (talk) - Fotothek_df_roe-neg_0002792_002_Portrait_Dmitri_Dmitrijewitsch_Schostakowitchs_im_Publikum_der_Bachfeier.jpg, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=14401692Es ist noch gar nicht so lange her, zur Hoch-Zeit der analogen Tonträger in den 1960ern und 1970ern, da waren hochkarätig besetzte Neuaufnahmen der Werke Dmitri Schostakowitschs eine Seltenheit. Zum Glück hat sich das geändert. Eine neue Generation von Musikern hat die Klangwelt Dmitri Dmitrijewitschs für sich entdeckt. In den letzten Jahren sind zahlreiche spannende Neuaufnahmen erschienen. Auch bekanntes Repertoire wird neu und vorurteilsfrei betrachtet, etwa die beiden Klavierkonzerte der vorliegenden Veröffentlichung.
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Wiener KammerOrchester · Stefan Vladar: Beethoven – The Solo Concertos

Ludwig van Beethoven (Porträt von Joseph Willibrord Mähler, 1805)Die letzte Besprechung des Jahres gebührt einem Klassiker (im wörtlichen Sinne). Auf den Konzertbühnen und in den Diskografien sind Ludwig van Beethovens Konzerte populäre Dauerbrenner. Sie decken zumindest zwei der drei Kompositionsphasen Beethovens ab, die frühe und die mittlere. Die fünf Klavierkonzerte, das Violinkonzert und die beiden Romanzen sowie das Tripelkonzert sind dennoch authentischster Beethoven, Highlights in seinem Repertoire, die seine stete Entwicklung und sein Genie exemplarisch abbilden.
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