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Autor: Salvatore

Michael Gielen Edition Vol. 6: Mahler – Complete Symphonies · Das Lied von der Erde · Des Knaben Wunderhorn · Lieder eines fahrenden Gesellen · Rückert-Lieder · Kindertotenlieder 1988–2014

Wenn Michael Gielen dirigiert, ist das Ergebnis niemals schlecht oder nur durchschnittlich. Der Maestro, der (im Gegensatz zu seinen „berühmteren“ zeitgenössischen Kollegen) bescheiden blieb, statt in Selbstinszenierungen und Manierismen zu verfallen, verband künstlerische Exzellenz mit profunder Sachkenntnis, Sorgfalt und uneigennütziger Bescheidenheit im Dienste der Musik. So unprätentiös wie das Artwork der Michael Gielen Edition gestaltet ist – welcher Dirigent lässt sich sonst im weißen T-Shirt fotografieren und nimmt das Bild als Cover-Image? (s. Vol. 3) – so unprätentiös ist Michael Gielens Dirigat. Transparenz als oberstes Gebot, um die Musik in ihrer gesamten Breite wahrzunehmen, um Musik erfahrbar zu machen, eröffnet gerade bei Mahler eine immense Klangwelt.
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Julia Fischer: Johann Sebastian Bach – Sonatas and Partitas BWV 1001–1006

Als Julia Fischer 2004 sämtliche Sonaten und Partiten für Violine solo (BWV 1001–1006) von Johann Sebastian Bach in der Doopsgezinde Singelkerk in Amsterdam für das audiophile Label Pentatone aufnahm, war sie gerade einmal 21 Jahre alt. »Geduld war selten meine Stärke«, meint sie dazu lakonisch im Booklet und fügt hinzu: »Schließlich hatte ich bereits seit einigen Jahren auf eine Aufnahmegelegenheit für diese Werke gewartet.« An Selbstvertrauen angesichts dieses Monuments der Violinliteratur mangelte es der jungen Geigerin wahrlich nicht. Und freilich war Julia Fischer nicht irgendeine Nachwuchsviolinistin. Sie galt damals schon als das größte Talent ihrer Generation und war bereits unter internationalen Spitzendirigenten und mit Weltklasse-Ensembles aufgetreten. Ihr Pentatone-Debüt war keine jugendliche Selbstüberschätzung, sondern Ausdruck ihrer außergewöhnlichen Fähigkeiten.
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Tatarstan National Symphony Orchestra, Alexander Sladkovsky: Dmitri Shostakovich – Complete Concertos

Das Kernrepertoire von Dmitri Schostakowitsch besteht aus seinen 15 Sinfonien, den 15 Streichquartetten, der Oper „Lady Macbeth von Mzensk“, den 24 Präludien und Fugen für Klavier solo, einigen kammermusikalischen Einzelwerken, einigen Ballettmusiken und den sechs Konzerten, jeweils zwei für Klavier, Violine und Cello. Wie viele andere Werke im Œuvre des Petersburger Komponisten sind die Konzerte zum einen eng mit ihren Widmungsträgern (sofern vorhanden) verbunden – Maxim Schostakowitsch und vor allem David Oistrach und Mstislaw Rostropowitsch – zum anderen spiegeln sie Schostakowitschs unmittelbare Realität im Erleben des Alltags in der Sowjetunion wider.

In der fortwährenden Angst vor den Repressalien durch stalinistische Apparatschiks schuf Schostakowitsch einen Matrjoschka-artigen Kompositionsstil, in dem die eigentliche Botschaft hinter einer plakativen Vordergründigkeit steckte. Heutige Interpretationen seiner Musik arbeiten mit viel Mühe die Doppelbödigkeit, die Verbitterung, den resignierten Sarkasmus und den beißenden Spott immer deutlicher heraus. Aber reduziert man damit Schostakowitschs Musik nicht zu sehr auf einen „psychologischen Reflex“? Steht sie nicht auch „für sich selbst“, ohne politische und historische Bezüge? Was wäre, wenn man Schostakowitschs Konzerte als „absolute Musik“ im radikalsten Sinne, als „l’art pour l’art“ betrachten würde, die losgelöst von der Person und der soziopolitischen Ära betrachtet werden?
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Simone Pedroni: John Williams – Themes and Transcriptions for Piano

Die Filmmusik wird ihr Stigma in konservativen Kreisen nicht los. Die Diskussion ist so alt wie die Tonspur im Film: Ist Filmmusik minderwertige klassische Musik? Ist sie ein eigenes Genre oder einfach nur eine zeitgemäße Umsetzung der klassischen Musik unter neuen technischen Vorzeichen? Immerhin haben ja die großen Komponisten von der Renaissance bis zur Romantik auch für die Bühne komponiert; gerade die Schauspielmusik entwickelte sich im 19. Jahrhundert rasant und bei Beethovens „Egmont“ oder Schuberts „Rosamunde“ zweifelt niemand an der Ernsthaftigkeit, von der Oper ganz zu schweigen.

Schostakowitsch, Korngold, Rózsa und Rota erzielten mit ihren Filmmusiken beachtliche Erfolge, schätzten sie aber teilweise selbst geringer als ihre „ernsthaften Werke“. Ennio Morricone und John Williams, zwei der seit Jahrzehnten erfolgreichsten Filmmusik-Komponisten, sind da selbstbewusster. John Williams sagte mal in einem Interview: »Was auch immer die Oper Ende des 19. Jahrhunderts war, ist nun am Ende des 20. Jahrhunderts der Film.« Filmmusik füllt heute die Konzerthallen und interessiert ein junges Publikum für Orchestermusik, das sich sonst von der „Klassik“ fernhält. Während sich die zeitgenössische Musik zumindest auch den kleinen Besetzungen und Formen zugewandt hat, spielt in der Filmmusik das Orchester immer noch eine große Rolle.

Was aber passiert, wenn man den cinematografischen Orchester-Anstrich der Kompositionen John Williams’ auf das Klavier reduziert?
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Mojca Erdmann · Jukka-Pekka Saraste, WDR Sinfonieorchester: Igor Strawinsky – Le Rossignol

Eigentlich ist es schade, dass sich aus dem bemerkenswert heterogenen Œuvre Igor Strawinskys nur relativ wenige Werke dauerhaft auf den Bühnen durchsetzen konnten. Sicher, seine Ballettmusiken „Der Feuervogel“, „Petruschka“ und allen voran „Le sacre du printemps“ sind heute wohlbekannt, ebenso seine „Psalmensinfonie für Chor und Orchester“ und die „Symphony in C“ und einige andere Orchesterwerke. Seine Opern „Histoire du soldat“, „Oedipus Rex“ und „The Rake’s Progress“ werden auch immer wieder gegeben. Seine frühe Oper „Le Rossignol“ (zu Deutsch: „Die Nachtigall“) aus dem Jahre 1914 nach Motiven aus „Des Kaisers Nachtigall“ von Hans-Christian Andersen bleibt bis heute wenig beachtet.
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Nicolas Horvath: Erik Satie – Complete Piano Works · 1 – New Salabert Edition

Auch fast 100 Jahre nach dem Tode Erik Saties scheint seine Musik aufregend aktuell und einzigartig wie eh und je. Seine einfache, klare, nicht selten ironische oder zumindest surreale Musik bleibt in ihrer Schlichtheit ein Fixpunkt für die Moderne. Bereits John Cage sah in ihm einen Wegbereiter der Neuen Musik. Später bezogen sich die Komponisten der Minimal Music und aktuell die der Postmoderne auf seine schlichten Formen und seine bewusst reduzierte Klangsprache.
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clair-obscur Saxofonquartett: Paul Hindemith – Works for Saxophone

 

Paul Hindemith (1895-1963) gilt heute als einer der herausragendsten deutschen Komponisten des 20. Jahrhunderts, auch wenn sich seine Musik, zumindest hierzulande, erst stark verzögert beim breiten Publikum durchzusetzen scheint. Das mag daran liegen, dass es Hindemith an so etwas wie einer „Hit-Komposition“ (im Sinne eines allgegenwärtigen Erfolgs à la Ravels „Boléro“) fehlt, vielleicht wirkte auch jener unselige Stempel der „entarteten Musik“ der Nazis im Unterbewussten weiter, der ihn Ende der 1930er Jahre zur Emigration nötigte.
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Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons: Ludwig van Beethoven – Symphonie Nr. 9

Eine Aufnahme einer Beethoven-Sinfonie ist per se nun wirklich nichts Besonderes mehr, schon gar nicht, wenn es sich um die Neunte handelt, die mit ihrem Schlusschor „Ode an die Freude“ eh zu den überspieltesten Werken der Musikgeschichte gehört. Es mangelt nicht an hochkarätigen Aufnahmen und Weltklasse-Besetzungen. Auch die vorliegende Aufnahme des Chors und Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks unter Mariss Jansons reiht sich in eine beeindruckende Reihe von Veröffentlichungen ein. Was sie aus dem Gros der anderen Einspielungen hervorhebt, ist zum einen die höchste Sorgfalt, mit der die Sinfonie bis ins letzte Detail eingespielt wurde (und das ist, trotz ihrer Popularität, immer noch keine Selbstverständlichkeit), zum anderen der Ort, an dem die Live-Aufnahme entstand: die Aula Paolo VI. im Vatikan, anlässlich eines Konzerts zu Ehren Papst Benedikts XVI.
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Staatskapelle Weimar, Hansjörg Albrecht: Richard Wagner – Der Ring ohne Worte

Während seit Ende Juli wieder die Bayreuther Festspiele die Wagner-Fans aus der ganzen Welt anziehen und die High Society an den Premierenabenden ihr Schaulaufen veranstaltet, kommt der Organist und Dirigent Hansjörg Albrecht mit einem „kleinen“ Alternativprogramm für die Daheimgebliebenen daher: einer Neuaufnahme von Lorin Maazels Bearbeitung „Der Ring ohne Worte“. Es ist eine über 70-minütige Verdichtung des monumentalen „Ring-des-Nibelungen“-Zyklus auf die zentralen Orchestersequenzen. Dabei stammt jede Note von Wagner selbst, nichts wurde an den Verbindungsstellen hinzugefügt. Das Ergebnis ist quasi Wagners fundamentaler Zyklus „für (mit Verlaub) „Opernhasser“, die auf den Gesang in den stundenlangen Opern, nicht aber auf die Musik Wagners verzichten wollen. Und für die Bewunderer der Musik Wagners ist der „Ring ohne Worte“ eine hervorragende Gelegenheit, die Musik des Meisters noch einmal aus einer anderen Perspektive wahrzunehmen.
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