Zum Inhalt

Autor: Salvatore

Staatskapelle Weimar, Hansjörg Albrecht: Richard Wagner – Der Ring ohne Worte

Während seit Ende Juli wieder die Bayreuther Festspiele die Wagner-Fans aus der ganzen Welt anziehen und die High Society an den Premierenabenden ihr Schaulaufen veranstaltet, kommt der Organist und Dirigent Hansjörg Albrecht mit einem „kleinen“ Alternativprogramm für die Daheimgebliebenen daher: einer Neuaufnahme von Lorin Maazels Bearbeitung „Der Ring ohne Worte“. Es ist eine über 70-minütige Verdichtung des monumentalen „Ring-des-Nibelungen“-Zyklus auf die zentralen Orchestersequenzen. Dabei stammt jede Note von Wagner selbst, nichts wurde an den Verbindungsstellen hinzugefügt. Das Ergebnis ist quasi Wagners fundamentaler Zyklus „für (mit Verlaub) „Opernhasser“, die auf den Gesang in den stundenlangen Opern, nicht aber auf die Musik Wagners verzichten wollen. Und für die Bewunderer der Musik Wagners ist der „Ring ohne Worte“ eine hervorragende Gelegenheit, die Musik des Meisters noch einmal aus einer anderen Perspektive wahrzunehmen.
Weiterlesen Staatskapelle Weimar, Hansjörg Albrecht: Richard Wagner – Der Ring ohne Worte

Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin · MDR Rundfunkchor Leipzig, Marek Janowski: Ludwig van Beethoven – Missa Solemnis

Die „Missa Solemnis“ von Ludwig van Beethoven gilt als eine der herausragenden Kompositionen des Bonner Komponisten und »zählt zu den berühmtesten Messen der abendländischen Kunstmusik«, so die Wikipedia (Recht hat sie!). Das monumentale Werk für Sinfonieorchester, gemischten Chor, vier Gesangssolisten und Orgel ist künstlerisch und akustisch eine wirkliche Herausforderung: Rund 75 Minuten dauert eine Aufführung, die den Beteiligten höchste Konzentration abverlangt. Die Orchester-, Chor- und Solistenstimmen überlagern sich oft. Man braucht einen exzellenten Dirigenten, ein hochklassiges Ensemble, fähige Toningenieure und eine hervorragende Akustik, um Beethovens sakrales Meisterwerk klanglich so abzubilden, dass es den Hörer mit seiner elektrisierenden Dramatik von der ersten bis zur letzten Sekunde packt.
Weiterlesen Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin · MDR Rundfunkchor Leipzig, Marek Janowski: Ludwig van Beethoven – Missa Solemnis

Kuniko: Bach – Solo Works for Marimba

Die japanische Perkussionistin Kuniko (ihren Nachnamen Kato führt sie als „Stagename“ nicht) gehört zu einer neuen Generation von Künstlern und Künstlerinnen, die Musik außerhalb der gängigen Schubladen begreifen und sich sowohl dem Gehalt der Musik verpflichtet sehen, wie der Möglichkeiten der künstlerischen Umdeutung und Umformung. Ihr Instrument, die Marimba, ist keines, für das es ein großes klassisches Werk gäbe. Die Notwendigkeit sich ein eigenes Repertoire zu schaffen, sprich zu transkribieren, ist also fast immer der Ausgangspunkt im schöpferischen Prozess der Japanerin.
Weiterlesen Kuniko: Bach – Solo Works for Marimba

Thomas Albertus Irnberger · David Geringas · Michael Korstick · Royal Philharmonic Orchestra, James Judd: Ludwig van Beethoven – Violinkonzert · Tripelkonzert · Romanzen

Kein Zweifel: Die großen Melodiebögen des Orchesters und der virtuose, gleichzeitig poetische Solopart machen aus dem Violinkonzert in D-Dur Ludwig van Beethovens ein immergrünes Highlight im Repertoire. Die Mischung aus leiser Melancholie und berstender Energie machen es zu einem Grundpfeiler des Kanons für Violinisten, populär beim Publikum, unwiderstehlich für den Virtuosen. Sicher, wie alle großen Konzerte ist es überspielt und eine Vielzahl von Einspielungen buhlen um die Aufmerksamkeit des Beethoven-Liebhabers. Aber wenn Thomas Albertus Irnberger seine Einspielung vorliegt, dann kann man davon ausgehen, dass es sich um eine bemerkenswerte Neuaufnahme handelt, zumal das Album durch die seltener zu hörenden Romanzen und durch das Tripelkonzert ergänzt wird. Und wenn bei letzterem das Solistentrio vom Cellisten David Geringas und dem Pianisten Michael Korstick komplettiert wird, darf man Großes erwarten. Hier musizieren drei der versiertesten Beethoven-Spezialisten unserer Zeit gemeinsam. Das brillante Royal Philharmonic Orchestra unter James Judd komplettiert ein wahrhaftes All-Star- nein ein All-Experts-Lineup.
Weiterlesen Thomas Albertus Irnberger · David Geringas · Michael Korstick · Royal Philharmonic Orchestra, James Judd: Ludwig van Beethoven – Violinkonzert · Tripelkonzert · Romanzen

Moscow Philharmonic Orchestra, Mariss Jansons: Alexander Tchaikovsky – Etudes in Simple Tones

Wie viele komponierende Tschaikowskys gibt es eigentlich? Na gut, den Großen, den kennt jeder: Pjotr Iljitsch Tschaikowsky (1840–1893), der Romantiker, Komponist von unsterblichen Melodien: Schwanensee, Der Nussknacker, Klavierkonzert Nr. 1 usw. Deutlich unbekannter ist da schon der „Tschaikowsky des 20. Jahrhunderts“, Boris Tschaikowsky (1925–1996), der Schostakowitsch-Schüler, der zumindest in seiner russischen Heimat überaus geschätzt ist und dessen Sinfonien, Kammermusik, Film- und Hörspiel-Musiken (!) allemal eine Entdeckung wert sind (etwa „The War Suite“, Naxos 8.573207). Und dann gibt es noch den zeitgenössischen Alexander Tschaikowsky (*1946), der weder verwandt noch verschwägert mit den anderen beiden ist und doch – auf seine eigene Weise – ebenso einen höchst originellen Personalstil entwickelt hat, der nun erstmalig (wie mir scheint) auf Tonträger mit gleich zwei Konzerten zu hören ist: der „Etudes in Simple Tones“ und dem (namenlosen) Konzert für zwei Klaviere und Orchester op. 70.
Weiterlesen Moscow Philharmonic Orchestra, Mariss Jansons: Alexander Tchaikovsky – Etudes in Simple Tones

Gürzenich-Orchester Köln, Dmitrij Kitajenko: Musorgksij – Eine Nacht auf dem kahlen Berge / Lieder und Tänze des Todes · Prokof’ev – Aleksandr Nevskij

Mussorgsky-Wochen im Naxos-Blog! Naja, zumindest ein bisschen. Wenige Wochen nachdem ich den Leserinnen und Lesern des Blogs Giacomo Scinardos Gesamteinspielung der Klavierwerke Modest Petrowitschs ans Herz bzw. ans Ohr gelegt habe, folgt nun eine Veröffentlichung mit orchestraler Musik des für mich »aufregendsten und modernsten russischen Komponisten des 19. Jahrhunderts« (so viel Selbstzitat sei ausnahmsweise gestattet). Mussorgsky Musik ist auf dem vorliegenden Album des Gürzenich-Orchesters Köln mit Prokofjews „Alexander Newski“ gekoppelt. Der Ehrendirigent des ältesten Kölner Klangkörpers Dmitrij Kitajenko hat eine Aufnahme vorgelegt, die in vielerlei Hinsicht von besonderem Interesse ist.
Weiterlesen Gürzenich-Orchester Köln, Dmitrij Kitajenko: Musorgksij – Eine Nacht auf dem kahlen Berge / Lieder und Tänze des Todes · Prokof’ev – Aleksandr Nevskij

Ensemble L’Arte della Fuga: Johann Sebastian Bach – Die Kunst der Fuge – in der Fassung von Hans-Eberhard Dentler

Nahezu jedes unvollendete Werk eines großen Meisters birgt ein Geheimnis in sich: Wie hätte der Komponist das Stück zu Ende geführt und – im Falle „Der Kunst der Fuge“ Johann Sebastian Bachs – für welche Besetzung ist das Werk intendiert? Bereits kurz nach dem Tode Bachs begannen die Spekulationen und sind bis heute Gegenstand akribischer Studien und mitunter kontrovers geführter musikwissenschaftlicher Diskussionen. Eine abschließende Antwort kann es natürlich nicht geben – das liegt in der Natur der Dinge.
Weiterlesen Ensemble L’Arte della Fuga: Johann Sebastian Bach – Die Kunst der Fuge – in der Fassung von Hans-Eberhard Dentler

Arabella Quartet: In The Moment – Short Pieces for String Quartet

„In der Kürze liegt die Würze“ sagt das Sprichwort und meint den Redner, der sich besser kurzfasst, damit ihm das Publikum nicht einschläft. Was für den Redner (und hoffentlich nicht für den Blogger!) empfehlenswert ist, gilt üblicherweise nicht für das Streichquartett. Spätestens seit Haydn und erst recht seit Beethovens späten Quartetten haben Streichquartette geradezu symphonische Ausmaße angenommen. Kein Wunder, dass es immer wieder Versuche gab, das eine oder andere Werk zu orchestrieren und als Sinfonie (oder im Falle Schostakowitschs als Kammersinfonie) zu etablieren.
Weiterlesen Arabella Quartet: In The Moment – Short Pieces for String Quartet

Giacomo Scinardo: Modest Mussorgsky – Complete Piano Works

Für mich ist Modest Petrowitsch Mussorgsky (1839–1881) der aufregendste und modernste russische Komponist des 19. Jahrhunderts. Leider zerstörte seine jahrelange schwere Alkoholabhängigkeit Stück für Stück sein überbordendes Talent. Vieles Geniale in seiner Musik blieb fragmentarisch, wurde nie zu Ende gedacht und oft genug von wohlmeinenden, aber eben andersdenkenden Komponistenfreunden (in erster Linie Nikolai Rimski-Korsakow) „zu Ende komponiert“ und „bereinigt“. Ich frage mich, welche Großtaten er noch vollbracht hätte, wäre er nicht verarmt und zunehmend durch die Alkoholsucht zerfallen. Oder spiegelt die Tragik seiner Vita sich in seiner Musik wider, sodass sie ohne dieses Unglück nicht entstanden wäre? Vielleicht passt das Fragmentarische, das ewig Unfertige seiner Musik, einfach nur gut in unsere postmodernen Zeiten.
Weiterlesen Giacomo Scinardo: Modest Mussorgsky – Complete Piano Works

Gulda plays Mozart and Gulda

Die aktuelle, junge Musikergeneration (und nicht nur diese) bemüht sich wieder verstärkt um etwas, was im Klassikbetrieb der letzten 100–120 Jahre zunehmend verloren ging: Improvisation. Einst ein essenzieller Bestandteil jeder musikalischen Aufführung (Mozart und der junge Bach waren berühmt für ihre Improvisationen), verlor das Improvisierte, das Spontane im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit der Musik immer mehr an Bedeutung. Gefragt waren genaue Abbildungen des Notentextes mit wenig eigener Kreativität. Ironischerweise gestand man dabei den nicht selten egozentrischen Interpreten, und hier vor allem den Pianisten, eine Menge Manierismen zu, die eigene Note (!) blieb aber verpönt. Und ein Flirt mit der U-Musik blieb, bis auf einige Operetten- und Schlager-Alben von Sängern, undenkbar. Die erhabene E-Musik war schließlich ernst und wollte nicht unterhalten.
Weiterlesen Gulda plays Mozart and Gulda