Große russische Sinfonik in einer Spitzeneinspielung, die Ihresgleichen sucht
Eins kann ich schon mal ganz zu Beginn der Rezension verraten: Hier geht es um die längst fällige Aufnahme einer großen Sinfonie, und diese Besprechung wird nicht ohne viele Verweise auf andere Rezensionen von www.the-listener.de auskommen. Warum das so ist? Weil sowohl der Komponist, um den es hier geht, als auch sein Werk, als auch die hier zu hörenden Interpreten in Deutschland immer noch relativ unbekannt sind. Angesichts der Großartigkeit der auf der nun neu vorliegenden Naxos-CD nachzuhörenden Musik, möchte ich einmal wieder die Gelegenheit nutzen, um eine Lanze für die Musik Mieczysław Weinbergs zu brechen.
Dieser war einerseits unverkennbar ein Schostakowitsch-Epigone, den der Meister aus St. Petersburg selbst hoch geschätzt hat (die hier vorliegende sechste Sinfonie Weinbergs gehörte zu Schostakowitschs Unterrichtsmaterialien, die er im Rahmen seines Kompositionsunterrichts verwendete). Andererseits war Weinberg ein Musikschöpfer, der sein Werk stärker noch als sein prominenter Komponistenkollege aus der Spätromantik heraus definierte. Das bedeutet aber nicht, dass Weinbergs Musik irgendwie anachronistisch wäre (genau so wenig, wie man das über die Musik von Jean Sibelius etwa sagen könnte). Weinberg besaß einfach einen eigenen, unverkennbaren Personalstil.
Die Labels Neos und Chandos haben in der jüngeren Vergangenheit beide versucht, Gesamteinspielungen der immerhin 22 Sinfonien Weinbergs zu realisieren, sind jedoch bislang beide noch in der Anlaufphase „stecken geblieben“. Auch dies zeigt, dass das Œuvre des in Polen geborenen und später in die UdSSR übersiedelten Komponisten zwar von Kritikern und Liebhabern hoch geschätzt wird, bislang aber in der Publikumsgunst nicht ganz so weit vorne lag.
In den letzten Jahren hat auch das Naxos-Label und dessen Sublabels immer wieder mit schönen Weinberg-Einspielungen geglänzt und so dafür gesorgt, dass das großartige Werk des Russen nicht ganz in Vergessenheit gerät. Beispiele für einige Einspielungen, die wir auf www.the-listener.de auch besprochen haben, finden sich zum Beispiel hier und hier.
Nun also die sechste Sinfonie auf Naxos. Was für ein herrliches, großes Werk! Jeder, der die großen Sinfonien Schostakowitschs und Mjaskowskijs zu schätzen weiß, sollte dieser CD einen ausgedehnten Testlauf geben, denn diese sechste Sinfonie ist ein herrliches Beispiel dafür, wie selbst unter den Kulturrepressalien der Sowjets eine eigenständige, große Kunst möglich war. Die Voraussetzung dafür war allerdings, dass der Schöpfer dieser Kunst sein Handwerk verstand, und das tat Mieczysław Weinberg fraglos.
Allein der langsame, düstere Eröffnungssatz sollte schon reichen, um anspruchsvolle Hörer aufhorchen zu lassen. Doch die dann folgende, von hohem individuellen Einfallsreichtum zeugende, asymmetrische Aufeinanderfolge von Sätzen mit Knabenchor und rein orchestralen Sätzen ist wirklich und wahrhaftig ganz großes Kino!
Zumindest vom Unterhaltungswert her steht diese große, knapp fünfzigminütige Sinfonie-Komposition keiner Schostakowitsch-Sinfonie etwas nach. Auch in Sachen Anspruch ist das Stück sowohl musikalisch als auch inhaltlich ein großer Wurf. Weinberg hatte sich bei seiner sechsten Sinfonie von Schostakowitschs dreizehnter Sinfonie („Babi Jar“) inspirieren lassen und sich für seine Sechste ebenfalls eine jüdische Thematik ausgesucht.
In Anbetracht der hervorragenden Interpretation die das Werk auf dieser CD-Novität erfährt sowie des sehr sehr guten Aufnahmeklangs der Veröffentlichung, kann man das Loblied auf diese neue Naxos-Einspielung nur weiterführen. Schon lange „werbe“ ich hier ja aktiv für die (in Deutschland leider nur per Import erhältlichen) CDs des St. Petersburger Sinfonieorchesters unter der Leitung von Vladimir Lande (…). Nun ist also auch Naxos auf die hier zu hörende Traumkombination aufmerksam geworden. Das St. Petersburger Sinfonieorchester – einst unter der Leitung Mariss Jansons‘ mit einem hervorragenden Schostakowitsch-Zyklus auf EMI in aller Munde – fühlt sich unter dem Dirigat Vladimir Landes hörbar pudelwohl. Das haben bereits die sehr guten Veröffentlichungen der jüngeren Vergangenheit gezeigt, die diese Musikerpartnerschaft hervorgebracht hat.
Doch mit dieser Neueinspielung der sechsten Sinfonie wurde ein neuer Höhepunkt erreicht. Besser kann ich es mir fast nicht vorstellen. Dieses „fast“ bezieht sich lediglich auf die gelegentlich „kieksenden“ Knabenstimmen des Chors der Glinka-Schule, der ja hier immerhin in drei Sätzen zum Einsatz kommt. Aber alles andere ist wirklich vorbildlich.
Das gilt auch für den Klang, für den Dirk Fischer und Alexei Barashkin verantwortlich zeichnen. Letztgenannter hatte bereits für die CDs des Orchesters auf dem kanadischen Marquis-Label eine sehr ansprechende Sound-Gestaltung erarbeitet. Mit der Unterstützung durch den zweiten Tonmeister ist daraus nun ein ganz hervorragender, dem HiFi-Bereich naher Aufnahmeklang entstanden, den man nur loben und eigentlich höchstens in Sachen fehlender Bass-“wucht“ gering kritisieren kann.
Fazit: G R O S S A R T I G ! ! ! Vielleicht bekommt es ja Naxos hin, das sinfonische Gesamtwerk Weinbergs vorzulegen. Falls das geplant ist, würde man sich wünschen, dass alle Einspielungen mit dem hier versammelten Dreamteam realisiert würden.
M. Weinberg – Sinfonie Nr. 6
St. Petersburg Symphony Orchestra – V. Lande
Das Duo Huebl und Wait: Letztes Jahr Referenzklasse, heute leider nur moderat
Einst war es ein Hauptanliegen der Firma Naxos, Repertoireredundanzen im labeleigenen Programm möglichst zu vermeiden. „Konkurrenz aus dem eigenen Haus“ sollte es für Naxos-CDs nicht geben. In den letzten Jahren ist man von dieser Labelpolitik immer mehr abgerückt, pflegt nun – zumindest teilweise – wie andere Labels auch einen Starkult. Vorliegende Neuerscheinung überrascht mich persönlich dann aber doch.
Erst im letzten Jahr erschien eine CD in der grandiosen „Robert Craft Edition“ unter dem Titel „Duo Concertant“, seinerzeit in einer fantastischen Aufnahme dargeboten von Jennifer Frautschi und Jeremy Denk. Diese Aufnahme war für mein Empfinden nichts weniger als eine Referenzedition, die immer noch die Speerspitze dessen markiert, was man aus Strawinskys wunderschönem Duo machen kann.
Nun also erscheint das Duo Concertant noch einmal auf Naxos, diesmal im Rahmen einer CD, die alle Werke für Geige und Klavier auf sich vereint, die Strawinsky geschrieben hat. Die Interpreten dieser aus den genannten Gründen ungewöhnlichen Naxos-Novität ließen ebenfalls große Taten erwarten, handelt es sich doch um niemand Geringeres als Carolyn Huebl und Mark Wait, die im letzten Jahr eine geradezu atemberaubende Gesamteinspielung der Schnittke-Violinsonaten eingespielt hatten, die mit zum Besten gehörte, was im letzten Jahr auf CD überhaupt veröffentlicht wurde.
Leider hinterlässt die nun erschienene Strawinsky-CD des professoralen Duos von der Vanderbilt University in Nashville, Tennessee einen etwas weniger guten Eindruck. Die letztjährige Schnittke-Gesamteinspielung hingegen entsprach Referenzniveau.
Die Gründe für diese Einschätzung sind divers. Beginnen wir ruhig einmal mit dem Duo concertant und vergleichen es mit der bereits oben erwähnten Einspielung von Frautschi und Denk: Während diese beiden aus dem Duo einen wirklich atemberaubenden Wirbelwind kreieren, der alles, was sich zufällig gerade vor den HiFi-Boxen aufhält tüchtig durchpfeift und einen mit geradezu nervenzerfetzender musikalischer Spannung an den Hörplatz zu fesseln versteht, ist die Lesart von Huebl und Wait weit weniger dramatisch, grenzt geradezu ans Emotionslose. Strawinsky wird von den beiden ganz ähnlich musiziert, wie Neue Musik: Betont sachlich, metronomgenau und eher klinisch.
Das, was bei Schnittkes Musik genau das Richtige war, wird hier bei Strawinskys Werken der Einspielung eher zum Verhängnis.
Ähnliches gilt übrigens auch für die „Suite italienne“ (einer Duo-Fassung des zauberhaften Balletts „Pulcinella“ für Klavier und Geige) sowie des „Divertimentos“ (der Duoversion des Balletts „Der Kuss der Fee“). Auch diese an sich fabelhaften Stücke, die von ihrer Anlage her neoromantisch bzw. sogar neobarock konzipiert sind, werden von Huebl und Wait mehr seziert als musiziert. Dabei werden übrigens vor allem im Rahmen der „Suite italienne“ überraschende spieltechnische Schwächen bei der Geigenpartie hörbar (während Mark Wait im Übrigen wie immer famos Piano spielt). Das kann ich mir nun gar nicht erklären, denn die letztes Jahr erschienene Schnittke-Aufnahme zeichnete sich vor allem durch eine durch und durch makellose Geigenperformance aus. Carolyn Huebl schaffte es damals, diese halsbrecherisch schweren Schnittke-Sonaten nicht nur zu bewältigen, sondern selbstbewusst zu dominieren. Es ist daher nun schon erstaunlich, dass die hier erklingenden Stücke, die Strawinsky zusammen mit dem Violinsolisten Samuel Dushkin arrangierte, der selbst nicht als soooooo herausragender Virtuose bekannt war, Carolyn Huebl nun an Grenzen bringen, die man weiter abgesteckt vermutet hatte.
Auch der Sound der Aufnahme kann mit der hervorragenden letztjährigen Schnittke-Produktion leider nicht mithalten. Während die Schnittke-CD zwar etwas sehr trocken geklungen hatte, ansonsten aber auch höchste HiFi-Ansprüche zu erfüllen vermochte, ist der Sound der nun neu erscheinenden Strawinsky-CD ebenfalls eher im Bereich der audiophilen Mittelklasse angelegt. Soll heißen: An dem Sound dieser CD wird sich niemand groß stören können, aber herausragend klingt das Ganze auch nicht. Irgendwie etwas „satt“ und matt kommt der Sound aus den Boxen. Erstaunlich schwer lastet eine Deckelung der Höhen auf dem Gesamtklang und lässt vielleicht auch dadurch die hier zu hörenden Aufnahmen nur wenig spritzig erscheinen. Dabei hätte gerade diese Duo-Aufnahme Transparenz und hoch auflösende Durchzeichnung nötig gehabt.
Fazit: Recht gut, aber nicht gut genug. Der große Vorteil dieser CD ist, dass man sämtliche Werke für Geige-Klavier-Duobesetzung aus der Feder Igor Strawinskys kompakt auf einer CD erhält. Das gibt es meines Wissens so nur auf dieser Veröffentlichung. Doch die sonst so guten Interpreten (Mark Wait wurde in der Vergangenheit zum Beispiel bereits mehrfach für den Grammy Award nominiert) können die in sie gesteckten hohen Erwartungen diesmal leider nicht in vollem Umfang erfüllen. Hoffentlich war dies also nur eine Ausnahme von der Regel, sodass wir bald wieder Referenzaufnahmen von Carolyn Huebl und Mark Wait bejubeln dürfen.
I. Strawinsky – Werke für Violine und Piano
Carolyn Huebl & Mark Wait
Sammler, die oft auf Seltenheit und Werterhaltung ihrer Tonträgersammlung aus sind, werden es wahrscheinlich schlimm finden, doch für alle „Ottonormalhörer“, die einfach nur am gepflegten Musikgenuss interessiert sind, ist die Zeit, in der wir leben, ein Fest!
Denn nun erscheinen auch solche, seit langer Zeit vergriffen geglaubte „Schätzchen“ wieder auf CD, die man für immer verloren geglaubt hatte. War man also gerade noch dabei, gedanklich zu kalkulieren, wie schmerzvoll es sein würde, vielleicht zwischen 30 und 50 Euro für eine seltene CD der in Würde verstorbenen Klassik-Indies Collins Classics und Music Masters zücken zu müssen, kann man nun sehr viel budgetorientierter an die begehrte Musik kommen.
Mit dem Label Retrospective Records gründete sich unlängst eine Firma, die sich ganz der Reinkarnation von zum Teil sehr schönen Aufnahmen aus den Archiven von Collins Classics verschrieben hat, und auch Nimbus records aus Großbritannien unternimmt Großtaten am Fließband und hievt zum Teil ganz großartige audiophile Klassiker aus dem Bestand des amerikanischen HiFi-Labels „Music Masters“ wieder auf den Klassikmarkt.
Bei diesem Jubel wird eine Sache aber oft übersehen: Als fleißigster Wiedergebärer erweist sich derzeit Naxos. Wie üblich hängt dies der selbsternannte Weltmarktführer für klassische Musik aber nicht an die große Glocke, sondern wurschtelt im Stillen vor sich hin. Die großartige „Robert Craft Edition“ (Wann kommt eigentlich die nächste Strawinsky-CD, liebes Naxos-Team? Wird von mir sehnlichst erwartet!) erschien seinerzeit zuerst auf Music Masters und Koch/Schwann, die Hanson-Sinfonien mit dem Seattle Symphony Orchestra unter Gerard Schwarz habe ich hier von Delos im Regal stehen – gibt’s nun auch mit Naxos-Aufdruck. Ebenso verhält es sich mit der grandiosen Schønwandt-Aufnahme der Nielsen-Sinfonien, die einst bei DaCapo erschien – nun auch bei Naxos. Und es gäbe noch einige Beispiele mehr zu nennen…
Nun aber bahnt sich ein großer Wurf an: Naxos veröffentlicht dieser Tage die erste CD in einer (hoffentlich!) Reihe von Aufnahmen des britischen Komponisten Peter Maxwell Davies, die einst beim britischen Collins Classics Label erschienen waren. Peter Maxwell Davies (seit dem Tode Sir Michael Tippetts anno 1998 sicherlich der prominenteste verbliebene britische Komponist neben John Tavener und Michael Nyman) verbindet viel mit dem Naxos-Label. Vom Ende der 1990er an bis Mitte des neuen Jahrtausends hatte Maxwell Davies die „Naxos-Quartette“ komponiert – jenen Zyklus von zehn Streichquartetten, mit dem das Naxos-Label insofern Neuland beschritten hatte, als das der erste Kompositionsauftrag eines Schallplattenlabels in der gesamten bisherigen Musikgeschichte war.
So etwas verbindet wohl…
Es ist daher nur konsequent, dass bei Naxos nun auch die zum Teil grandiosen Aufnahmen wieder neu herauskommen, die Maxwell Davies einst mit dem BBC Philharmonic Orchestra bei Collins Classics umsetzte. Der Komponist fungierte hierbei auch als Dirigent.
Naxos eröffnet den Reigen mit der ersten Sinfonie, einem typischen Maxwell Davies-Werk: Eigenwillig bis zum geht-nicht-mehr, eine ungewöhnliche Mischung aus sperrig bis hin zu fast schon kitschig süßlich, urbritisch und doch irgendwie „global“. Einige Leute mögen Maxwell Davies‘ Stil anbiedernd finden und nicht ganz in unsere Zeit gehörig – und ganz ehrlich: Diese Leute kann ich auch verstehen.
Nichtsdestotrotz ist der sinfonische Erstling des Briten ein gutes Stück, womöglich manchmal etwas „over the top“ in Sachen Dramatik und auch etwas „gewollt“ – ja, hier ringt tatsächlich im Kern noch immer jemand mit dem Erbe Beethovens. Wie in der guten alten Zeit.
Peter Maxwell Davies‘ Konservatismus, der aber gerade noch hip genug ist, damit seine CDs auch neben der Philip Glass-Sammlung toleriert werden, hat ihm viele hartnäckige Fans eingebracht und nicht zuletzt auch einen Adelstitel von der Queen. Den Mann zeigt man gerne her, der macht nicht ganz so abgefahrene Sachen. Und der versteht es auch, seine Musik und sein Image gut zu verkaufen.
Das zeigt auch die witzige Jazzparodie „Mavis in Las Vegas“, die auf dieser Naxos-Neuerscheinung enthalten ist. Sie thematisiert einen Aufenthalt des Komponisten in der Stadt der tausend Lichter und des großen Glamours. Das Stück steht in einer langen Tradition des Komponisten, auch „leicht verdauliche“ Stücke in schöner Regelmäßigkeit zu schreiben.
Fazit: Eine schöne, sehr lohnende Wiederveröffentlichung für alle, die das Credo pflegen: „Neue Musik ist ja ganz schön, aber verständlich soll sie sein.“ Bittesehr: Diese CD hat, was ihr wollt, und das in sehr guter Qualität. Der Sound gehört mit zum Besten, was die Neunzigerjahre zu bieten hatten, und das BBC Philharmonic spielt unter der Leitung des Komponisten routiniert prima. Die typisch britische Krankheit des gelegentlich schwächelnden Orchester-Blechs grassierte seinerzeit aber noch… Ansonsten: Super! Ich hoffe sehr, dass Naxos diese interessante Wiederveröffentlichungspolitik weiterbetreibt und somit gute, zu Unrecht vergessene Aufnahmen wieder aus dem Archiven holt.
P. Maxwell Davies – Sinfonie Nr. 1 / Mavis in Las Vegas
BBC Philharmonic – P. Maxwell Davies
Jonathan Nott und die Bamberger Symphoniker führen Mahlers Siebte in bislang unerreichte Höhen
Es ist schon komisch: Während man noch Ende der 1980er-Jahre Gesamtausgaben der Mahler-Sinfonien als Zyklus mit der Lupe suchen musste, ist das Œuvre des gebürtigen Böhmen heute geradezu inflationär verfügbar. Doch ist die Gesamtsituation dadurch besser geworden? Ich persönlich denke: Nein!
Zwar gibt es heute tausendundeinen Mahler-Zyklus, einige sogar für sehr wenig Geld, andere wiederum sehr teuer, doch die meisten davon scheren sich nicht um die ganz spezifische, hoch emotionale und vor allem auch sehr psychologisch motivierte Klangwelt Gustav Mahlers – auch wenn bei praktisch jeder Neuauflage Gegenteiliges behauptet wird.
Gustav Mahler im Jahr 1909 – ein Jahr nach der Uraufführung seiner siebten Sinfonie. Bildquelle: ⓒLibrary of Congress, USA.
Wir wollen hier mal keine Namen nennen, doch jeder ernsthaft an der Musik Gustav Mahlers Interessierte weiß, dass man 80% des derzeit Verfügbaren getrost zu den Akten legen kann.
Umso wertvoller werden also die echt qualitativ hochwertigen Mahler-Zyklen, von denen es in den letzten zehn Jahren nach meinem Dafürhalten nur drei gegeben hat: Diejenigen von Michael Gielen und dem SWR Symphonieorchester, von David Zinman und dem Tonhalle Orchester Zürich und von Jonathan Nott und den Bamberger Symphonikern (auch qualitativ übrigens in der Reihenfolge, soll heißen: Nott und die Bamberger haben in meiner Privatsammlung bislang die „Goldmedaille“ umhängen).
Und wer nun glaubt, ich hätte die Zyklen von Michael Tilson Thomas und seinem Orchester aus San Francisco oder Benjamin Zander und dem Philharmonia Orchestra unter Umständen vergessen, der irrt: Ich find‘ die nur einfach nicht besonders gut…
Nun also geht Jonathan Nott mit seinen Bambergern in eine weitere Runde und nimmt sich der verzwickten siebten Sinfonie an, die Mahler selbst Zeit seines Lebens als eine seiner Besten betrachtete. Nachfolgende Geistesgrößen, wie etwa Theodor Adorno oder Paul Bekker konnten dem musikalisch vollzogenen Rückblick der Siebten, dem Blick über die Schulter auf vergangene „Wunderhorn“-Tage, nichts Positives abgewinnen. Adorno sagte geradeheraus, Mahlers Siebte sei charakterisiert durch „ein ohnmächtiges Missverhältnis zwischen der prunkvollen Erscheinung und dem mageren Gehalt des Ganzen“. Paul Bekker hingegen störte sich an den „Kontrasten“ der einzelnen Sätze: “… die Kontraste stehen unvermittelt, ungelöst nebeneinander“.
Alma Mahler hingegen wusste aus dem Familienkreis über eine denkwürdige Begebenheit zu berichten, bei der Gustav Mahler das Stück am Klavier vorgespielt hatte: „Kein Werk ist ihm so unmittelbar aus dem Herzen geflossen wie dieses. Wir weinten damals beide.“
Von diesen oben zitierten Meinungen ist sicher die von Paul Bekker diejenige, welche die Interpretationsgeschichte des Werkes am meisten beeinflusst hat. Sehr häufig hört man (auch klassische) Werkwiedergaben auf CD, bei der die (von Adorno als „schwach“) empfundenen Ecksätze irgendwie hingeschludert werden, während man sich in epischer Breite dem populären Mittelsatztrio gewidmet hat. Oder es gibt (genau umgekehrt) Einspielungen, die den Nachtmusiken der Mittelsätze (zu denen ja ideengeschichtlich auch das Scherzo gehört) quasi gewalttätig ihren Zauber nehmen wollen, zugunsten einer fein ausgeklügelten Interpretation der umstrittenen Ecksätze. Nur selten finden sich ausgewogene Darbietungen der Siebten. Doch ein paar gibt es schon…
Mit der Deutung von Jonathan Nott und den Bamberger Symphonikern ist nun eine herausragend Gute in den Kreis der Erlauchten getreten. Sie ist grandios gespielt, von der ersten bis zur letzten Sekunde. Die Bamberger Symphoniker machen ihrem Ruf, eines der besten Orchester Deutschlands (wenn nicht sogar das beste) zu sein, alle Ehre: Von den sagenhaft schön dargebotenen Naturtönen der Hörner bis hin zur atemberaubenden Exaktheit des Spiels von Mandoline und Gitarre in der zweiten Nachtmusik ist diese Einspielung die ultimative Königsklasse der Mahler-Interpretation! Sie hat selbst die famosen Einspielungen von David Zinman mit dem Tonhalle Orchester Zürich und von Gary Bertini mit dem WDR Sinfonieorchester (ein „Klassiker“ der Mahler-Interpretation aus den 1980er-Jahren) eindrucksvoll in ihre Schranken verwiesen.
Wer gedacht hat, Gielen und Zinman hätten bereits alles an Transparenz aus der zum Teil dicht gesetzten und schwierig durchhörbar zu machenden Siebten herausgekitzelt, sollte sich einmal diese neue SACD anhören. Es ist beinahe erschütternd, wie hier jeder Ton seinen Platz zugewiesen bekommt, wie genau Nott diese Partitur „aufgedröselt“ hat, wie klar und ohne alle Missverständnisse Mahlers Werk plötzlich vor einem steht. Das ist nicht grandios, das ist nicht Referenz, das ist für mich streng genommen die bislang einzige Aufnahme, die Mahlers Siebte von vorne bis hinten derartig seziert, dass man glaubt, die Partitur läge offen vor einem.
Nott erreicht dies unter anderem durch ungewöhnlich langsame Tempi, die aber erstaunlich gut zu dem musikalischen „Großen und Ganzen“ der Siebten passen. Er liegt damit in einer Tradition der Mahler-Lesart, wie sie einst der legendäre Herbert Kegel in grandioser Weise vollzog. Unvergessen und für mich die ewige Speerspitze der Interpretation von Mahlers Wunderhornsinfonien sind dessen Interpretationen der Sinfonien 1 bis 4.
Aber die herrliche Transparenz dieser neuen Aufnahme aus Bamberg ist natürlich auch eine Begleiterscheinung des sehr eindrucksvollen Sounds, den Tonmeister Reinhold Förster hier für die Ewigkeit gebannt hat. Und ich frage mich: Wieso bekommt man das bei dieser Mahler-Aufführung aus der Sinfonie an der Regnitz hin, während das erst kürzlich bei einer Weber-Einspielung aus demselben Bau wirklich eher misslungen war? Für Laien wie mich ist so etwas immer ein Rätsel!
Ein Rätsel für mich persönlich ist auch, wie das Tudor-Label es immer schafft, dass SACD- und CD-Layer einer Hybrid-SACD so extrem unterschiedlich klingen. Praktisch alle anderen Labels, die SACDs in ihren Portfolio führen, versuchen den Sound beider Layer einander so weit anzunähern, wie möglich. Bei Tudor ist das Gegenteil der Fall. SACD- und CD-Layer liegen hier klanglich oft Welten auseinander (nicht immer übrigens zugunsten des SACD-Layers).
Bei dieser Veröffentlichung jedoch ist der SACD-Layer die Wiedergabeoption der Wahl: Die Brillanz und zugleich die Wärme, die über ihn durch die Boxen strömen, ist audiophiler Genuss pur. Der polterige und transparenzarme CD-Layer hingegen wird niemanden zufriedenstellen, der die Scheibe „nur“ auf einem CD-Player hört, selbst wenn das ein sehr guter ist.
Fazit: In meinen Augen ist die neue Mahler-Siebte der Bamberger Symphoniker unter Jonathan Nott nicht nur die neue Referenzeinspielung, sondern sie ist auch der bislang sicherlich heißeste Kandidat für einen Platz auf der Rangliste „CD des Jahres“ 2012. Das Jahr ist ja noch jung. Wir werden sehen…
G. Mahler – Sinfonie Nr. 7
Bamberger Symphoniker – J. Nott
(2012)
Tudor Katalog-Nr.: TUD 7176 / EAN: 812973011767
Das neue Klaviermusiklabel “Grand Piano” im Porträt
Wie würde man wohl ein neues Label nennen, das sich die Aufgabe gestellt hat, seine Hörer ausschließlich mit Klaviermusik zu versorgen? Und wie würde man ein Label nennen, dass diese Aufgabe nicht darin begreift, die einmillionste Gesamtedition von Beethoven-Klaviersonaten auf den Markt zu werfen, sondern stattdessen mutig Gesamteditionen des Klavierwerks von so unterschiedlichen Komponisten wie Camille Saint-Saëns, Erwin Schulhoff, Mieczysław Weinberg und Joachim Raff angeht?
Wie würde man ein solches Label nennen, bei dem das Klavier und die für es geschriebene Musik mehr im Mittelpunkt stehen, als irgendwo sonst?
Die Macher des neuen Klassik-Labels, von dem hier die Rede sein soll, haben sich ohne Zweifel für den richtigen Namen entschieden: „Grand Piano“!
Diese beiden Worte sind nicht nur der englische Begriff für einen großen Konzertflügel, nein, sie transportieren auch eine Message: Hier stehen Instrument und Werk im Vordergrund. Hier wird „Piano“ eben groß geschrieben!
Mit den ersten vier CDs des Grand Piano-Labels, die im März 2012 das Licht eines immer stärker umkämpften Klassikmarkts erblicken, haben wir also noch eine Firma mehr, die in den Ring steigt.
Musste das sein? Wozu noch ein Label? Wer soll das alles eigentlich kaufen?
Solche Fragen sind meines Erachtens immer berechtigt, doch im Unterschied zu vielen Mitbewerbern aus jüngerer Zeit, haben die Macher von Grand Piano zwei Asse im Ärmel, die überzeugen.
Erstens: Sie haben ein auf den ersten Blick erfassbares und unmissverständliches Konzept. Es wird sofort klar, was das Label bietet und was es „will“. Das ist schon einmal mehr, als das Gros anderer neuer Klassiklabel aufweisen kann.
Zweitens: Hier hatte jemand eine Vision und zieht die nun ohne Kompromisse durch. Hier geht es nicht um das noch Satter-machen eines eh schon übersättigten Markts. Hier geht es um das (wieder) hungrig machen auf Neues und Unerhörtes.
Und so finden sich im Startpackage von Grand Piano, bestehend aus den vier CDs, die auch im Rahmen dieser Besprechung zu sehen sind, nicht weniger als zwei CDs mit Weltersteinspielungen.
Des Weiteren bestehen alle vier Start-CDs nicht eben aus solchem Repertoire, das gemeinhin als „Crowdpleaser“ gehandelt wird. Wohin man auch schaut: Was hier auf den ersten vier „Grand Piano“-CDs ans Tageslicht kommt, ist Musik für Menschen, die es ernst nehmen mit dem Musikinteresse. Ob es sich um die halsbrecherischen Etüden von Camille Saint-Saëns handelt oder um die schwermütig-verschlossene Tonsprache Mieczysław Weinbergs – all das ist eigentlich verdammt „harter Tobak“, der uns Hörern gleich zum Labelstart vorgesetzt wird.
Aber auf diese Weise präsentiert sich Grand Piano von Beginn an, als ein Label, das man Ernst nehmen kann und wohl auch sollte. Obgleich das Start-Repertoire auf den ersten Blick sperrig erscheint, ist doch unzweifelhaft, dass die dargebotenen Stücke zum Teil zum Allerfeinsten gehören, was die Klaviermusik des 20. Jahrhunderts hergibt (Saint Saëns hingegen kann mich mit seinen mit der vordergründigen Grandezza des 19. Jahrhunderts geladenen Etüden, die letzten Endes doch nur Eines sind – nämlich hölzern und verknöchert – gar nicht vom Hocker reißen).
Gerade das Klavierwerk von Schulhoff und Weinberg hat seine Renaissance auf Tonträger schon längst einmal verdient gehabt. Zählen beide doch zu den ganz Großen, aber tragischerweise auch zu den viel zu wenig Gewürdigten des 20. Jahrhunderts. Auch die hier vorgelegte erste CD eines beginnenden Zyklus mit Klavierkompositionen des Schweizers Joachim Raff, der ein Liszt- und Brahms-Zeitgenosse war – aber aus dieser Tradition heraus eine ziemlich ungewöhnliche, eigene Tonsprache für sich entdeckte – erweist sich als lohnende Entdeckung, welche die Neugier auf das Gesamtwerk dieses ebenfalls nicht gerade populären Vertreters der Hochromantik nachhaltig weckt.
Das solide Gesamtkonzept setzt sich auch in puncto Interpretationsgüte fort. Mit Caroline Weichert, Tra Nguyen, Allison Brewster Franzetti und Geoffrey Burleson sind hier durch die Bank äußerst versierte Könner am Werk, deren Werkdeutungen und technische Fähigkeiten Kenner ein ums andere Mal mit der Zunge schnalzen lassen.
Auch hier gilt das Motto: Prominent gibt’s woanders – hier gibt’s gute, unaufdringliche Qualitätsarbeit.
Vielleicht ist es eben das, was am Gesamtauftritt von Grand Piano besonders überzeugt: Der schlichte Eindruck, dass man einfach gute Qualität für’s Geld bekommt.
Nicht nur das Konzept des Labels, sondern auch seine vorgelegten Aufnahmen erscheinen von Beginn an ausgereift. Das ist doch mal eine Erwähnung wert.
Solide ist im Übrigen auch der Sound der CDs. In dem Punkt gibt es nicht viel zu meckern. Zwar offenbart Grand Piano nicht unbedingt hochtrabende HiFi-Ambitionen – dazu sind andere audiophile Labels Grand Piano dann doch noch um Einiges voraus -, doch man beweist, dass die Label-Macher das Bewusstsein dafür mitbringen, dass zu einer erstklassigen Werkedition in hochklassiger Lesart eben auch ein adäquater Sound gehört, der Liebhabern gerecht werden kann.
Aus meiner persönlichen Sicht würde ich mir von Grand Piano zukünftig übrigens SACDs wünschen, wie sie bei vielen hochkarätigen Klassiklabels, wie etwa cpo, Alia Vox, ALBA, Tudor, Divox, Channel classics, pentatone oder Harmonia mundi längst (buchstäblich) zum guten Ton gehören. Das würde den Wert dieser hochrangigen Editionen noch mehr steigern und wäre gerade für die Liebhaber und HiFi-Freaks unter uns einmal mehr ein gewichtiger Grund, um zur gepflegten Grand Piano-Veröffentlichung zu greifen.
Zuguterletzt sei noch erwähnt, dass die Tonträger des neuen Labels in Deutschland über die bewährten Vertriebskanäle von Naxos erhältlich sein werden. Damit ist eine allgemeine Verfügbarkeit sichergestellt.
Wir von www.the-listener.de sind für’s Erste mächtig beeindruckt und werden mal sehen, wie es weitergeht. Der prächtige Start lässt im Prinzip nur zwei Optionen zu: Entweder es geht genau so weiter, und Grand Piano wird das hohe Niveau seiner vier starken Start-Releases halten können oder alles erweist sich als eine große Gaslaterne, bei der vier Top-Einspielungen vorgeschickt wurden, um diesen minderwertigere Billigproduktionen folgen lassen zu können.
Wie dem auch sei: www.the-listener.de hört sich das mal an und wird darüber schreiben. Für den Anfang: Hut ab! Wer auch immer sich ernsthaft mit Klaviermusik beschäftigt, sollte Grand Piano einen ausgedehnten Testlauf im heimischen CD-Player zugestehen.
Wir schreiben das 13. Jahrhundert!
Im Großteil der bis dahin bekannten Welt herrscht das tiefste Mittelalter; eine Epoche, die heute nicht selten als „Dunkles Zeitalter“ tituliert wird. Doch in einigen Regionen im heutigen Italien und Frankreich tut sich was…
Die später als „Protorenaissance“ bezeichnete Zeit ist angebrochen. Sie setzt mit ihrer Rückbesinnung auf antike Vorbilder einen „Trend“, der die Renaissance (scheinbar) schon 400 Jahre vor ihrer Zeit hätte einleiten können. Doch nichts dergleichen geschah. Räumlich beschränkt und vorerst nicht weitergeführt, blieb die Protorenaissance eine verhältnismäßig kurzlebige Episode der Kunstgeschichte. Die Kunsthistoriker bezeichnen diese Zeit gern auch als „Trecento“.
Auch in der Musik leitet sich ein Wandel ein. Lieder werden mit Verzierungen geschmückt, neue Instrumente entstehen, und die Idee, einen „Tag in Musik“ zu setzen kommt auf. Darunter wird ein Zyklus von Musikstücken verstanden, der vom Aufgang der Sonne am frühen Morgen bis zu ihrem Untergang einen Tag beschreibt. Diese alte Idee, die auch heute noch gelegentlich aufgegriffen wird, nahm sich das französische Ensemble Syntagma unter ihrem Leiter Alexandre Danilevski zum Anlass, die CD „Rosa e Orticha“ zu programmieren.
Auch die Aufnahme selbst wurde in Eigenregie durchgeführt, sodass hier der seltene Fall eintritt, dass eine CD des audiophilen Labels „Carpe Diem“ einmal nicht von seinem Gründer und Tonmeister Jonas Niederstadt aufgezeichnet wurde.
„Rosa e Orticha“ überzeugt aber auch so von der ersten Minute an. Ganz wunderbare Musik hat das Ensemble Syntagma da aus den Untiefen der Vergangenheit wieder zutage befördert.
Und auch wenn ich mir einmal wieder den Eindruck nicht verkneifen kann, dass Manches doch sehr „heutig“ musiziert wird, soll heißen, mit einem Hang zum Transzendenten, ja, vielleicht auch zum Esoterischen (Esoterik bedeutet etymologisch ja nicht mehr als „das Innere betonend“), ist das eine sehr überzeugende Vorstellung.
Programmatischer Kritikpunkt ist in meinen Augen die Uneinheitlichkeit der Besetzungen. Mal wird ein Stück rein instrumental vorgetragen, mal in einer reinen Vokalbesetzung, mal mit einem Soloinstrument und mal in einer Mischung aus allem.
Auf den Gipfel getrieben wird das bei einer (scheinbaren?) Freiluftaufnahme eines Stücks für Carillon (also ein bespielbares Glockenspiel einer Kirche, o. ä.). Hier piepsen mir doch die zu hörenden Vögel zu Beginn etwas arg laut, später dann dafür aber gar nicht mehr, sodass die Piepmätze entweder einen gewaltigen Glockenspielschreck bekommen haben oder sie wurden (was ich vermute) aus der Tonkonserve eingespielt.
Das alles ist natürlich legitim, doch einen besonders konvergenten Gesamteindruck hinterlässt es nicht gerade.
Doch darüber kann man gern hinwegsehen, denn die Musik, die hier geboten wird, ist über weite Strecken einfach schlicht so schön, dass sich streng genommen jegliche Kritik verbietet.
Zudem ist die CD klanglich als durchaus sehr gut zu bezeichnen. „Carpe Diem“-Chef Jonas Niederstadt hätte zwar sicherlich noch etwas mehr an akustischer Auflösung herausgekitzelt (auf seinen Aufnahmen kann man ja eine Nadel in einen Heuhaufen fallen hören – das ist hier nicht der Fall) und auch die manchmal etwas unbeholfen wirkende Räumlichkeit der CD hätte er sicher besser in den Griff bekommen, doch „Rosa e Orticha“ ist immer noch zu 100 Prozent HiFi-tauglich und wird auch ausgewiesene Klanggourmets zufriedenstellen.
Fazit: Eine CD mit wunderschöner Musik in hochklassigem Klang und hübscher Ausstattung. Herz was begehrst Du mehr?
Ach ja, eine Sache fiele mir da schon noch ein: Mein Herz – und vor allem mein Gehirn – würde einen Begleittext bevorzugen, der sich nicht in zig Fußnoten verzettelt und es auf immerhin fünf Textseiten trotzdem nicht schafft, die Idee der CD „auf den Punkt“ zu bringen oder wenigstens greifbare Daten zu bieten, anhand derer sich der Hörer überhaupt mal vor Augen führen könnte, in welcher Zeit er sich hier musikalisch befindet.
So anziehend und im positiven Sinne unkompliziert es das Ensemble Syntagma versteht, uns diese Musik nahe zu bringen, so sperrig und abschreckend führt uns der Booklet-Text wieder davon weg.
Das ist zweifellos schade, aber kein „Beinbruch“. CDs sind ja zum Hören da, nicht zum Lesen …
Rosa e Orticha
Ensemble Syntagma
Katalog-Nr.: CD-16287 / EAN: 4032324162870
(2011)
Carpe Diem / Naxos Weitere Rezensionen finden Sie bei:
To listen to the episodes from the respective Podcast you will need to have Adobe's FLASH player installed. Please use Adobe's web page to choose the appropriate version to install for your platform.