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”Jemanden mit Etiketten zu versehen ist gefährlich. Jeder wird heute mit irgendwas diagnostiziert …eine Störung hiervon und eine Störung davon…und mit Medikamenten behandelt. Und überhaupt, was ist normal? Innerhalb des kreativen Prozesses eines jeden gibt es so etwas wie eine Art Manie, eine Energie, mit der man versucht etwas einzufangen, bevor es entkommt. Zwangläufig folgt danach der Absturz. Man muss damit leben, was man erreicht hat und sich regenerieren. Vielleicht gibt es nur wenige Tage zwischen den jeweiligen kreativen Schüben, aber jeder wahre Künstler muss sich von einem solch kreativen Input erholen. Und am Ende sehe ich es als 10 Prozent Inspiration und 90 Prozent Transpiration, selbst wenn man es kreativen Wahnsinn nennen will.”

Schlagwörter: Fred Hersch

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Am 1. Februar 2012 um 7.30 in der Weill Recital Hall der
Carnegie Hall

israeli1 Israeli Chamber Project

Gegründet im Jahre
2008 ist das Israeli Chamber Project (israelisches
Kammermusikprojekt) eine erstaunliche Gruppe junger, aber versierter, unternehmerischer
israelischer Musiker, die in den USA leben und  – neben ihrem individuellen musikalischen
Talent – eine Mission teilen, die sie verbindet. Wie es der
geschäftsführende Direktor der Gruppe und einer der beiden Pianisten, der
Mitbegründer Assaff Weisman ausdrückt:”Wir haben mehrere Schwerpunkte: Erstens
teilen wir alle die Leidenschaft, etwas unserem Heimatland Israel wiederzugeben.
Es gibt in Israel keinerlei Geldmittel für die Kunst; das Land kann es sich einfach nicht leisten. Deshalb
verlassen viele seiner talentiertesten jungen Leute das Land, – wie wir es
taten – um ihre Ausbildung voranzutreiben und Auftrittsmöglichkeiten zu
verbessern, die für eine internationale Karriere die Voraussetzung sind. Dieses
ist die Ursache für eine Abwanderung der
Ausgebildeten, sozusagen einen “brain drain,” was
das Land ohne gute Lehrer zurücklässt, die die nächste Generation begeistern könnten. Also wollen wir auf Tournee gehen und etwas an die
jüngere Generation weitergeben, indem wir
unterrichten und sie inspirieren. Zweitens, wenden wir uns mit unseren
Konzerten an die breite Öffentlichkeit in Israel, indem wir uns nicht nur auf
die typischen Kulturzentren konzentrieren,wie es mit unserer Konzertreihe in
Tel Aviv und Jerusalem geschieht, sondern, indem wir auch klassische Musik in
die Kibbutzim, in die Wüstengegenden im Negev und arabische Städte bringen. Wir
bieten diesen entlegeneren Gebieten klassische Musikkultur, wo wir die Musik
von traditionellen und zeitgenössischen Komponisten vorstellen möchten. Unsere Bildungstourneen beinhalten an Musikschulen vor Ort Meisterklassen
und auch Einzelunterricht am Instrument und enden typischerweise mit einem
Konzert, in das wir oft auch die Studenten des Tages miteinschließen. Dabei
handelt es sich nicht um eine einmalige Sache; wir kehren zurück und haben das
Privileg, am Fortschritt teilzuhaben. “Und,” fährt Weisman weiter fort, “wir
wenden uns natürlich an die amerikanische Öffentlichkeit, unserer neuen Heimat
und fördern eine auf Israel bezogene kulturelle Sensibilität. Wir sind alle israelische
Staatsbürger und unser gemeinsamer Hintergrund verbindet sehr. Leute haben mir schon
sehr oft gesagt, dass es ein besonderes Gefühl gibt, welches auf das Publikum wirkt.
Wir unterstützen die israelische Kunst, indem wir Werke von zeitgenössischen israelischen Komponisten in Auftrag geben,
unter ihnen Matan Porat, Jonathan Keren, Amit Gilutz und Gilad Cohen. Aber
natürlich haben wir ein breitangelegtes Repertoire, das wir spielen. Unsere
ehrliche Herangehensweise, die darauf beruht ohne etwas vorzutäuschen, ist bis
jetzt vom Publikum honoriert worden und unsere erste CD wird in dieser Saison
vom Azica-Label herausgegeben und von Naxos vertrieben.”

Die Gruppe, die aus
acht Kernmitgliedern besteht, umfasst ein Streichquartett, zwei Pianisten,
einen Harfenspieler und einen Klarinettisten. Bei ihrem Carnegie Hall Debüt werden
zwei bis sechs Musiker in sich variierendenden Kombinationen
spielen. Jeder der Musiker hat sich bereits in seinem Bereich einen Namen
gemacht. Assaff, ein ehemaliger Student des hervorragenden Herbert Stessin bei
Julliard (ebenfalls ein Lehrer von Jeremy Denk und Orly Shaham), der dabei
geholfen hatte, einige der erfolgreichsten Pianisten der jüngeren Generation
heranzuziehen, unterrichtet neben seiner ausgiebigen
Konzertarbeit mit dem Israeli Chamber Project und auch seiner Solo-Karriere als Konzertpianist selbst vier
Klassen an der Abendschule von Juilliard.

Vor seinem Studium in
New York studierte Weisman bei Professor Victor Derevianko
in Israel und wurde, wie alle Mitglieder des Israeli Chamber Project, mit Stipendien der
Amerika-Israel Kulturstiftung unterstützt. Viele der Künstler schauen auf ein
gemeinsames Heranwachsen in den Heimatstädten in Israel zurück. Andere haben
sich bei Juilliard getroffen.

Der Violinist Itamar
Zorman, das jüngste Mitglied der Gruppe meint:”Michal und Tibi nahmen mich mit
in den Übungsraum, erläuterten mir die Gruppe und ihre Ideen und ich sagte,
dass ich natürlich gerne mitmachen würde. Ich hatte zuvor schon als Trio mit
Michal, die eine ertaunliche Cellistin ist, und mit dem Pianisten Itamar Golan
gespielt. Mit Sivan, unserer Harfenspielerin hatte ich ebenfalls beim einem Festival
an der ‘Jersualem Academy’ im Jahre 2004 gespielt.“

Zorman ist der
Gewinner des internationalen Tschaikowsky Wettbewerbs in Rußland im Jahre 2011 und
wuchs in Tel Aviv auf, wo er Weisman begegnete. Besonders wurde er von zwei
anderen jungen israelischen Musikern inspiriert, die ihm mittels der Ilana
Feher Stiftung ungemein halfen. Die Violinisten Ittai Shapira und Hagai Shaham
waren nicht nur entscheidend dabei, ihm ein Stipendium zu gewähren, das ihm
eine Aufnahme und ein Debütkonzert ermöglichte, sie waren ebenso eine wahre Hilfe, indem sie ihm guten Rat gaben, was seine zukünftigen beruflichen Schritte anbelangte. Mit dem Israeli Chamber Project aufzutreten, “macht nicht nur Spaß, da ich es sehr mag, mit
dieser Gruppe von Leuten zu spielen,” sondern er glaubt auch an ihre Aufgabe,
die Gelegenheit für die Unterstützung, die er
erhielt, etwas zurückzugeben: “Der Grad an Ausbildung ist im Ganzen recht hoch
in Israel. Es gibt viele Lehrer der älteren Generation, die ihr Training in der
ehemaligen Sowjetunion erhalten haben und es gibt auch eine gutes Musik
Konzept. Es gibt einige große Studios und
einiges erstaunliches Talent. Aber ich versuche eine
neue Betrachtungsweise bekanntzumachen, die nicht ihre Werke behindert, sondern fördert. Neben
meiner Liebe für Schubert und Brahms bringe ich ebenso meine Vorliebe für
Gegenwartsmusik mit und finde im allgemeinen, dass
Israelis ein sehr aufgeschlossenes Publikum sind. Gleichzeitig genieße ich es, zeitgenössische
israelische Komponisten wie auch neue Musik überhaupt in Amerika aufzuführen. Es
mag sich um eine Generationsfrage handeln und
Symbolcharakter für den Rhythmus unserer Zeit. Natürlich gibt es etwas in der
modernen Musik, was das allgemeine menschliche Befinden genau wie in jeder
anderen Musik berührt, aber es gibt auch etwas
spezifisches in ihrer modernen Ausdrucksweise. Unsere Verantwortlichkeit als
Auftretende ist es, sie so meisterhaft zu präsentieren, wie wir es auch für die
klassischen Ikonen tun, obwohl ein Zuviel an Ehrerbietung manchmal dem einfachen
Befinden in gerade diesem Augenblick im Wege, eine andere Stärke von
zeitgenössischer Musik, welche nicht die Last
ihrer eigenen Geschichte mit sich herumträgt.”

Letzten Sommer trafen
sich Zorman und die Harfenspielerin Sivan Magen mit dem Komponisten Matan Porat,
als sie am
Marlboro Festival teilnahmen. “Wir spielten Matans Requiem,
ein äußerst wirksames Stück, besonders als wir es beim Festival um Mitternacht
spielten.” Diesen kommenden Sommer werden wir das Musikfestival in Verbier
besuchen, in der Hoffnung noch immer neue Horizonte zu aufzutun.

 

Programm am 1.
Februar 2012 um 7.30 in der Weill Recital Hall in der Carnegie Hall

Schostakowitsch, Trio für Klavier, Violine,
Cello in c-Moll,

Op.
8 Sebastian Currier, ‘Night Time’, für Harfe und Violine

Martinů Kammermusik Nr.1

Paul Ben Haim Drei Lieder ohne Worte
(arrangiert für Klarinette und Harfe)

Brahms Trio für Klarinette, Cello und Klavier
in a-Moll, Op. 114

 

Tibi Cziger, Klarinette

Sergey
Tarashansky, Viola

Assaff
Weisman, Klavier

Michal Korman, Cello

Itamar Zorman, Violine

Sivan Magen, Harfe

 

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Juilliard Piano Duo Lang Ning und Michael Berkovsky

Juilliard Piano Duo Lang Ning und Michael Berkovsky

Die klassischen Pianisten Michael Berkovsky und Lang Ning
Liu sind beide sehr einfühlsame und sensible Pianisten. Owohl sie aus
unterschiedlichen Ecken der Welt stammen, teilen sie die Erfahrung eines
Studiums an der ‘Julliard School’. Jetzt haben sie wieder zusammengefunden.

 

Nach dem Master Abschluss bei Juilliard, dem Gewinn des
Julliard Konzertwettbewerbs und dem Auftritt in der Avery Fisher Hall im Jahre
2008 hat Michael sein Musikstudium bei Peabody fortgesetzt und gewann erneut
den Auftrittspreis, der ihn zu einem Solokonzert am
Baltimore Art Center und einem Auftritt mit Orchester unter der Leitung von Leon
Fleisher berechtigte. Ich erinnere mich gut an seinen Soloauftritt vor ein paar
Jahren, nicht nur wegen der Wärme und Farbe seiner Interpretation von
Mussorgskis Bilder einer Ausstellung, sondern auch an die Tatsache, dass
nach der Hälfte des Auftritts die Konzerthalle auf einmal pechschwarz wurde. Unbeeindruckt
meisterte Michael kühn die Situation, genau wie es die legendäre Myra Hess es
tat, als sie ihr Konzert trotz des Klangs von Sirenen während der deutschen
Luftangriffe auf London weiterspielte. Michael schloss
sein Studium bei Peabody mit einem Ph.D. in Musikaufführung ab. Seine
außergewöhnlich warme und großherzige Persönlichkeit lässt kein extravagantes
Ego zu – eine Tatsache, die ihm viel Freunde und Unterstützer eingebracht hat,
wo immer er auch hingeht.

 

Als Lang Ning über Wege nachdachte, bei ihren Freunden
das Interesse an ihren Konzertaufführungen zu wecken, kam sie auf die Idee, chinesische
Volksweisen in ihre Konzertaufführungen zu integrieren. Dies erlaubt es Michael
und Lang Ning, nicht nur ein junges Publikum anzusprechen, sondern auch große neue
Hörerschaften zu erreichen, wie Torontos chinesische Einwohnerschaft. Lang
Nings Konzept spricht klar die sich ständig vergrößernden unternehmerischen
Instinkte junger Musiker an.

 

Torontos Chinesische Einwohnerschaft (nach Vancouver die
größte) hat eine anwachsende Zahl von Musikenthusiasten unter sich, die eine
Vielzahl von Konzertabenden und Auftritten besuchen. Ihre energische Unterstützung junger Talente ist etwas, auf das man rechnen kann und hat zu einer besonderen Wertschätzung für klassische Musik beigetragen. Seit dem phänomenalen Erfolg von Lang Lang sind Künstler mit asiatischem Hintergrund in anwachsender Zahl Teil des internationalen Musikzirkels geworden und präsentieren mehr und mehr weibliche Talente und werben so für das neugefundene Gefallen und die künstlerische Dynamik der jungen asiatischen Auftrittskünstlerin.

 

Bereits während der letzten Jahrzehnte ist an
amerikanischen und kanadischen Musikschulen und Konservatorien die Zahl der
Studenten mit einem asiatischen Hintergrund ständig angestiegen, mit
hochtalentierten Musikern, die nun mit dem westlichen Kanon aufwachsen und einen
interessanten Zulauf asiatischer Kultur bieten.
Besonders an den international bekannten Institutionen wie ‘Glenn Gould School’
in Toronto oder der ‘Juilliard School’ in New York war es einer jungen
Generation von Musikern, Instrumentalisten und Komponisten möglich, sich auf
der lokalen und internationalen klassischen Musikszenen zu etablieren. (Siehe
mein Artikel über den jungen Komponisten Huang Ruo http://english.getclassical.org/2010/05/16/180/)

Die Pianistin Lang Ning Liu begann ihr Studium am
Zentralen Musikkonservatorium in Peking und hatte im Alter von 10 Jahren ihr
Orchesterdebüt mit dem ‘Beijing Philharmonic Orchestra’. Im Alter von 17 Jahren
besuchte sie das ‘Glenn Gould Institute’ in Toronto und studierte dann bei
Juilliard von 2003 bis 2008 in New York bevor sie mit einem ‘Master’-Abschluss
in Klavieraufführung nach Toronto zurückkehrte. Sie ist nun dabei, eine
internationale Auftrittskarriere aufzubauen und fand in der internationalen
Presse sehr positive Resonanz. In diesem Monat war sie die vom ‘Toronto Concert
Orchestra’ herausgestellte Solistin, als sie mit Tschaikowskis Klavierkonzert
No.1 unter der Leitung Kerry Stratton am ‘Toronto Arts Centre’ auftrat.

Die junge Pianistin ist nicht nur für ihre unbeugsame
Technik und ihr musikalisches Können bekannt bekannt, sondern auch für ihr
Engagement für in klassischer Musik angelegter Programme, die sich an ein breiteres
Publikum wenden. Sie ist Gründerin und künstlerische Leiterin der ‘Toronto
International Piano Competition’ und der ‘CCC National Canadian Piano
Competitions’ und dient als Jugendbotschafterin für das chinesische Kulturzentrum
des Großraums Toronto. Für eines ihrer jüngsten Musikprojekte stellte sie
erneut die Verbindung zu ihrem Julliard Mit-Absolventen und Pianisten Michael
Berkovsky her, der nun ebenfalls in Toronto lebt. Was als einzelner Auftritt begann,
bei dem Astor Piazzola Tangos gespielt wurden – einer Lieblingssache Berkovskys
– wurde zu einem erfolgreichen ‘Joint Venture’, benannt nach der Institution,
die beide Pianisten verbindet: The Juilliard Duo.

Bei Juilliard studierten Michael und Lang Ning Liu bei Julian
Martin. Obwohl Lang Ning etwas eher begann, wurde die musikalische Entwicklung
beider Pianisten sehr von dieser gemeinsamen Erfahrung geprägt.

Ihr neues Projekt beinhaltet die Niederschrift chinesischen Liedgutes, dem die Leidenschaft der
beiden Julliard Absolventen gilt. “100 Vögel begrüßen den Phönix” von Wang
Jian Zhong, für zwei Klaviere von dem The Juilliard Duo, transkribiert, besteht
derzeit als ein bezaubernder Clip, aufgeführt von Michael Berkovsky und Lang
Ning Liu. http://www.youtube.com/watch?v=dDN5TSfPq0E&feature=share

“Alles geht dabei darum, sich an ein anderes Publikum zu
wenden und unsere eigene schöpferische Begabung dabei einzubeziehen” meint Michael
in Toronto, als er mir von dem alten Volksmärchen über
den Phönix erzählt, auf dem “100 Vögel begrüßen
den Phönix” beruht: Der Phönix war ein einfacher Vogel, hart arbeitend und
ehrlich. Er sparte Nahrungsmittel zusammen, anders als die anderen bunteren
Vögel, die sich nicht sorgten und nicht daran dachten, sich auf härtere Zeiten
vorzubereiten. Als Zeiten der Hungersnot anbrachen und Vögel verhungerten,
teilte der Phönix die zusammengesparte Nahrung. Dafür sehr dankbar, gaben sie
jeder eine Feder und so wurde der einfache Vogel zum farbenfrohsten von allen
…die ‘einer für alle und alle für einen’ Ideologie kommt einem dabei in den
Sinn.”

 

Michael ließ sich gerne in Toronto nieder und zum erstenberkovsky1 In Toronto trifft Ost auf West – Julliard Piano Duo Lang Ning Liu und Michael Berkovsky

Mal, seitdem seine Familie aus ihrer Russland nach Israel zog und [er] dann weiter in die USA für seinen Masterabschluss
bei Julliard und sein Doktortitel bei Peabody in Baltimore, empfindet Michael, dass er für sich ein Zuhause schafft. Obwohl
er international als Solist aufgetreten ist, mag er auch sehr die Idee, mit
einem anderen Pianisten zu spielen: “Die Energie ist eine andere, als spiele
man Kammermusik und es gibt eine großartige
Kommunikation zwischen zwei Pianisten …ein großartiger Energiefluss und
gegenseitiges Verständnis und es ist auch nicht so einsam, als spiele man ein
Solorepertoire.”

Momentan sind Lang Ning Liu und Michael dabei, den
“gelben Fluss” zu arrangieren, eine Komposition, die auf der Kantate des
chinesischen Komponisten Xian Xiang aus dem Jahre 1939 beruht. Seit ihrer
politisierten Premiere während der Kulturrevolution im Jahre 1969 erfreut sich
das Concerto in China und bei chinesischen Nationalisten in Übersee großer Beliebtheit.
Es ist als ein schwieriges Solostück bekannt. Berkovsky und Liu werden eine
zweite Klavierversion neu erschaffen. Dieser Tage
arbeiten Michael und Lang Ning daran, eine Konzerttournee vorzubereiten, die
sie in fünf chinesische Städte bringen wird, um im kommenden Sommer diese Werke
vorzustellen.

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Alexander Schimpf photography Balazs Borocz Pilvax Studio1 Gleicht eine hohe Platzierung in Wettbewerben einem auf “Nummer sicher gehen”?

Alexander Schimpf Photo: Balazs Borocz Pilvax Studio

Der Klavierabend in Carnegies Zankel Hall am 5. Dezember war Teil des ersten Mixon Preises, der
dem Gewinner des diesjährigen Cleveland Wettbewerbs, dem sympathischen deutschen
Pianisten Alexander Schimpf, verliehen wurde. Im Alter von 29 Jahren war er
unter den Reiferen in der Runde von 28 Wettbewerbsteilnehmern.
Seine Repertoireauswahl, Beethovens Piano Konzert Nr.4, das einzige sich im Angebot
findende klassische Stück, mag dabei geholfen
haben, die Jury zu beeindrucken.

Es half ihm sicherlich dabei, mit den anderen drei Mitstreitern in der letzten Runde in Cleveland zu konkurrieren und brachte ihm den ersehnten Vorschuss bei den
Juroren wie auch hohes Lob bei den Kritikern ein.

In der Zankel Hall reichte Schimpfs genereller Ton von lobenswert bis schön, zeitweise in feiner,
filigraner Ausführung. Er meisterte sein vollständig deutsches Repertoire mit
all seinen Nuancen, von dem Insichgekehrtem bis zum Andächtigen, mit
verlässlichem Zutagetreten der inneren Stimmen.

Es war bei den ausdrucksvolleren Passagen, die eine größere dynamische Bandbreite erfordern,
wo es Schimpf an Klangqualität und Kraft fehlte.
Indem er es unterließ Momentum aufzubauen, als er sich dem Crescendo annäherte,
klang seine Darbringung entweder harsch, weil er zu plötzlich am Höhepunkt angelangte oder nicht kraftvoll
genug. Der ein wenig monotone Charakter seiner Programmauswahl half ihm dabei
nicht. Ich hätte ihn gern gefragt, ob es das Klavier gewesen sei, das es ihm schwer machte oder die Akustik des Konzertsaals, die ihm eine falsche Vorstellung davon vermittelte, wie seine Aufführung vom Publikum im Saal wahrgenommen wurde. Es erschien mir
fast so, als wolle er vielleicht einen Lehrer nicht enttäuschen, der ihn einst
dafür gerügt haben mag, zu laut und hämmernd in die Tasten zu greifen.

Seine ‘lauteren’ Passagen hätten voller sein müssen, freier und mit mehr Charisma gespielt
werden müssen – er schien sich zurückzunehmen –
vielleicht um auf “Nummer sicher zu gehen”?

Selbst im zeitgenössischen Stück “…und schon erglüht” das vom jungen deutschen Komponisten Adrian Sieber für ihn geschrieben
wurde, und auch dessen“Fantasie II”,  schien
relativ wenig Aufbau der Dynamik zu sein. Zwar nicht total im Widerspruch mit den abrupten Modi des Stückes stehend, stellte dies
hingegen bei Schuberts Sonate in B Dur, D.960 ein fast unentschuldbares Zurückhalten dar, die ansonsten hätte recht verfeinert sein können.

Da der emotional ernste und sensible Umgang mit dem Klavier bei Herrn Schimpf
recht offensichtlich ist, besonders bei Bachs Englischen Suite Nr.3 und der glückseligen Bach – Zugabe, mag man sich
wundern, ob bestimmte Qualitäten, wie das ‘Auf Nummer Sicher Spielen’, bei
Wettbewerben generell unterstützt werden und bei den stressvollen Runden zur
Anwendung zu kommen. Gibt es etwa eine fehlverstandene Angst, nicht zu virtuos
zu klingen?

Man mag sich fragen, ob das Spielen und Gewinnen von Wettbewerben seinen ganz eigenen
Maßstäben folgt, welche scih ganz sicher von denen unterscheiden, die dann zur Anwendung
kommen, soll ein Publikum in Bann gezogen werden. Und was muss eine Jury hören,
wenn sie Wettbewerbsteilnehmer beurteilt, also etwas, was im Gegensatz zu einem
Konzert steht, das die Aufmerksamkeit des Publikums fesselt? Aber warum sollte sich das voneinander unterscheiden, wenn
es der letztendlichste Grund eines Pianisten ist, die Strapaze eines Wettbewerbs auf sich zu nehmen, um eine gute Reputation aufzubauen und die Aufmerksamkeit von Kritikern und der Öffentlichkeit auf sich zu ziehen, was wiederum zu neuen
Auftrittsgelegenheiten führt.

Es mag viele unterschiedliche Antworten auf diese Frage geben, die zum großen Teil davon
abhängig sind, wer seinen Standpunkt äußert. Es gibt auch Künstler, die sich weigern bei Wettbewerben zu spielen, trotz der Gelegenheiten, die diese an Sichtbarkeit darstellen mögen.

Was Herrn Schimpf betrifft, hat das Gewinnen einer der wichtigsten Wettbewerbe ihn in die Zankel
Hall gebracht, aber es wird ihm auch die Gelegenheit geben, weltweit 50
Konzerte zu spielen.Weitere Informationen zu Schimpf
findet man hier: http://www.alexander-schimpf.de/main_en.html

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Julian Rachlin 0106byJuliaWesely 300x200 Julian Rachlin – und Freunde; das Facebook Konzept des sozialen Vernetzens neu für klassische Musiker aufgegriffen Julian Rachlin    Photo: Julia Wesely
Als ich das Vergnügen hatte, den jungen Violinisten Julian Rachlin live bei seinem Auftritt zuzuhören und beim diesjährigen Sommerfestival in Verbier in voller Aktion zu sehen, war mir klar, dass dieser Auftrittskünstler mehr als  eine schöne Tonpalette auf der Violine (und im Übrigen auf der Viola, dem zweiten Instrument seiner Wahl) zu bieten hatte. Sein jüngstes Interesse am Dirigieren trägt auch das seinige zu seinem breiter werdenden Spektrum tiefstgehenster Beschäftigung mit der klassischen Musik bei, die er liebt.

Sicherlich hat dieser Künstler seine Entschlossenheit gezeigt auf vielen Ebenen eine wirkungsvolle künstlerische Kommunikation aufzubauen. Zum einen brachte er die klassische Musikwelt mit Persönlichkeiten aus der Filmindustrie in Verbindung. Er versuchte sich daran und es gelang ihm mit seinem eigenen “Julian Rachlin and Friends” Musik Festival im kroatischen Dubrovnik. Die James Bond Filmlegende Roger Moore erwies sich als ein besonderer Liebhaber klassischer Musik und beteiligte sich am Vorlesen von Prokofjews ‘Peter und der Wolf’ und das klassische Komödiantenteam Igudesman& Joo, schon seit langer Zeit persönliche Freunde von Rachlin, gaben ihre Parodien beim Festival und darüberhinaus auf ihren YouTube Gigs zum Besten, die von Millionen ihrer Fans seit Beginn des Festivals im Jahre 2001 verfolgt wurden.

“Ich entdeckte für diese mittelalterliche Stadt meine Liebe und zu jener Zeit – ich war 25 Jahre alt – war das Festival, dass eine große Tradition in den Sechziger und Siebziger Jahren vor dem Krieg erlebt hatte, völlig bankrott und viele seiner Baudenkmäler lagen noch immer im Schutt und Asche. Die Wiederbelebung des Festivals wurde mir angeboten, falls es mir möglich wäre, ihnen nur zwei oder drei fantastische Musiker zu liefern, wie Vengerov, Bashmet oder Maisky,” erinnert sich Rachlin an den Beginn seines  Engagements in Dubrovnik nach einem Auftritt dort.

Und in der Tat, selbst in seinen jungen Jahren war es dem in Litauen geborenen Rachlin, der seit 1978 in Wien beheimatet ist, möglich, sich auf seine guten Kontakte zu verlassen und seine Gabe Kontakte herzustellen. Ein Talent, was ihm dabei half, das Festival auch mit der finanziellen Unterstützung der neugegründeten “Rachlin und Freunde” in den USA und Österreich in eine alljährliche Attraktion zu verwandeln. Nun in seinem elften Jahr, ist es Anziehungspunkt für eine Vielzahl von weltberühmten Musikern, angefangen vom Dirigenten Zubin Mehta bis hin zu Rachlins langzeitigem Mentoren, Pädagogen und Kammermusiker Boris Kuschnir.

309392 10150295073369647 140100019646 7787676 2650880 n 300x200 Julian Rachlin – und Freunde; das Facebook Konzept des sozialen Vernetzens neu für klassische Musiker aufgegriffen Foto – Rachlin mit Zubin Mehta beim Dubrovniker Festival “Rachlin und Friends.”
Im Jahre 2010 wurde Rachlin offiziell zum UNICEF Botschafter ernannt und kümmerte sich darum, für Projekte Geldmittel aufzubringen und Bewusstsein zu verbreiten, um benachteiligten Kindern in der ganzen Welt zu helfen.

“Ich habe ebenfalls eine intensive Kooperation mit dem Fußballverein Barcelona aufgenommen, dessen gesamte Mannschaft ebenfalls UNICEF Botschafter ist. Das gab mir die Möglichkeit einen Bezug zu meiner Vorliebe für Fußball herzustellen und diese interessante Allianz auf das Gebiet klassischer Musik zu bringen. Diese Verbindung bot sich geradezu an, zu einem UNICEF Fußball Gala-Veranstaltung bei meinem Festival in Dubrovnik weiterentwickelt zu werden, um so die Berühmtheiten vergangener Tage der Fußball Mannschaft mit Musikern und Fußballenthusiasten von den Medien zusammenbringen zu lassen. Und die Kinder werden von der Interaktion mit all ihren Helden begeistert.”

Was anregend ist, ist die gesamte Sichtweise, klassische Musik auf eine neue Ebene von “Coolness” zu bringen, die eine jüngere Generation von Musikern und deren Publikum anspricht. Er richtet sich sowohl an die ältere Generation der sich verdient gemachten “Größen“ und bestätigt ihren hohen Grad an Professionalismus, als auch an ein jüngeres Publikum und so wächst bei diesem Prozess sein Freundeskreis ständig an. Der klassische Musiker als Idol – auf derselben Ebene wie ein Fußballprofi oder Filmstar – nichts scheint Rachlin mit seinem zugegebener Weise ansteckenden Enthusiasmus unmöglich zu sein.jrf concert 5034 Julian Rachlin – und Freunde; das Facebook Konzept des sozialen Vernetzens neu für klassische Musiker aufgegriffen Photo: Wolf- Dieter Grabner

Während zunächst das Aufbauen auf dem Alten und die Einbeziehung des Neuen nicht als ein völlig neues Konzept erscheint, hat sich Rachlins sicheres unternehmerisches Gespür und seine persönliche Integrität dabei als erfolgreich erwiesen, Leute aus allen verschiedenen Richtungen zusammenzubringen und hat ihm starke Unterstützung und ein großartiges Gefolge eingebracht.

Ohne die Versimplifizierung klassischer Musik, der sich so viele bedienen, und die durch Kreuzungen mit populäreren Musikgenres entsteht, hütet er die Integrität klassischer Musiker und ihrer Protagonisten.
Julian Rachlin Foto:Julia WeselyJulian Rachlin 9943byJuliaWesely 300x200 Julian Rachlin – und Freunde; das Facebook Konzept des sozialen Vernetzens neu für klassische Musiker aufgegriffen

“Klassische Musik wird nie sterben, aber wir müssen uns neue Wege einfallen lassen, sie zu verpacken, um das zu gewährleisten, was nötig ist, um die höchste Qualität zu erzielen,“ meint Rachlin als er seinen alten Freund, den Cellisten Misha Maisky zitiert. ”Wenn Sie mir eine persönliche Bemerkung gestatten, ich schätze all die großartigen individuellen Bemühungen einiger der renommiertesten Agenturen, die sich um den Aufbau meiner professionellen Reputation gekümmert haben, selbst wenn ich mich nun entschlossen habe, einen anderen Weg zu verfolgen.” Seit diesem Jahr hat Rachlin eine kleinere Management Vertretung verpflichtet, die die voller Unternehmergeist steckende Alexia Blumenthal und sich ganz darauf konzentriert, all die Unternehmungen Rachlins und seiner  Freunde unter einen Hut zu bekommen. Sie expandiert die Horizonte für Rachlins Wirkungsbereich weiter nach Nord- und Südamerika.

Am 15. Oktober eröffnete Rachlin die neue Saison vom ‘Philadelphia Orchestra’ unter der Leitung von Charles Dutoit, in dessen letzter Auftrittssaison als Chefdirigent des Orchesters seit 30 Jahren mit einem Sibelius Violinenkonzert eröffnen.

Rachlin ist zuvor mit dem ehrwürdigen Dirigenten aufgetreten, der weiterhin mit dem ‘Philadelphia Orchestra’ als sein Ehrendirigent während der 2012-13 Auftrittssaisons zusammenarbeiten wird.

Weitere bevorstehende Auftritte von Rachlin beinhalten Engagements mit: dem Israelischen Philharmonischen Orchester (Zubin Mehta); dem ‘Orchestra Filharmonica della Scala’ (Daniel Harding); dem Leipziger Gewandhausorchester (Josep Pons); dem Philharmonischen Orchester, Rotterdam’ (Yannick Nézet-Séguin); dem ‘Detroit Symphony’ (Leonard Slatkin) und dem ‘Ochestre National de la France’ (Daniele Gatti). Er wird auch sein Spielen /bei Inszenierungen von Aufführungen mit der ‘Academy of St. Martin in the Fields’, der Camerata Salzburg, der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen und den Moskauer Virtuosen fortsetzen.
Mit seinem festen Duo -Partner, dem Pianisten Itamar Golan wird Rachlin eine Reihe von Konzerten geben, einschließlich eines Beethoven Zyklus beim Beethovenfest in Bonn und eines Brahms Zyklus am ‘Concertgebouw’ in Amsterdam und im ‘Goldenen Saal’ des Musikvereins. Momentan schreibt der Komponist Krzysztof Penderecki für Rachlin ein Doppelkonzert, das beim Wiener Musikverein 2012 mit dem Symphonieorchester des Bayrischen Rundfunks unter der Leitung von Mariss Jansons uraufgeführt werden soll.

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phpThumb generated thumbnailjpg2 Pianistin /Komponistin /Dichterin /bildende Künstlerin Lera Auerbach   surreale Kreativität! Lera Auerbach Foto: F.Reinhold

Sicherlich, sie ist eine großartige und temperamentvolle Pianistin, aber das Klavier ist nur eines von vielen Ventilen ihrer kreativen Inspiration, Teil der schier endlosen Facetten ihrer künstlerischen Persönlichkeit. Sie erfreut sich als eine der heutzutage überzeugendsten und vielseitigsten Komponisten größter Nachfrage und ihre russischen Gedichte eignen sich bereits als Pflichtlektüre in russischen Schulen und Universitäten und haben ihr den renommierten Puschkin Literaturpreis (1996) eingebracht. Sie unterhält einen aussagekräftigen Blog namens The Trouble Clef auf der Best American Poetry Website. Und das ist nicht alles. Sie hat kürzlich auch einige beeindruckende visuelle Kunstwerke geschaffen, die in diesem Jahr zum ersten Mal in der Moskauer Sistema Galerie ausgestellt werden. Sie beschreibt ihre jüngsten künstlerischen Anregungen als therapeutisch, besonders nachdem all ihr persönliches Hab und Gut, einschließlich ihres geliebten Klaviers vor zwei Jahren, einen Tag vor ihrem Geburtstag, einem verheerenden Feuer zum Opfer fiel. Eine Collage der verbrannten Überbleibsel, die von diesem Klavier stammen haben ein speziellen, sehr persönlichen Platz an Wand ihres Arbeitszimmers gefunden. Was ihre Musik betrifft, ihre Kompositionen, die sich teilweise auf die musikalische Sprache von Schostakowitsch beziehen, reichen von den innigsten Werken, wie ihre bewegenden 24 Präludien für Cello und Piano, die ich sie diesen Juli mit dem Cellisten Gautier Capuçon beim Verbier Festival aufführen sah, (sie spielt oft ihre eigenen Werke in der Tradition der Pianisten-Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts) bis hin zu Werken in großem Stil, wie ihre brandneue Oper Gogol. Dieses Werk, in ihrer Muttersprache aufgeführt, hatte am Wiener Theater an der Wien am 15.Oktober als Auftragsarbeit des Wiener Theaters, mit deutschen Untertiteln, seine Weltpremiere. In Gogolversucht sich Auerbach an “einem Traumbild der inneren Leidenschaften {des Schriftstellers} Wahnsinn und Genie” und die 1973 in Russland geborene Künstlerin, die eine klare Begeisterung für die dramatische Erzählung hat, bezieht sich auf das russische Element, das stark von den Erfahrungen ihrer eigenen persönlichen und kulturellen russisch-jüdischen Herkunft beeinflusst ist. “Russische Geschichte ist ein schauerliches Märchen von dem dieses Land nie erwachen wird,” gab Auerbach in ihrem Blog-Eintrag im April bekannt, ein Glauben, den sie auch künstlerisch in Russian Requiem, einem ihrer früheren Werke, im Jahre 2007 erkundet hat.                                                                                                                                                                       Gogol

83018 cropped Pianistin /Komponistin /Dichterin /bildende Künstlerin Lera Auerbach   surreale Kreativität! Als Gastkomponistin beim Bremer Musikfest zu dieser Zeit (von 2006-8), bekam sie in Zusammenarbeit mit der Bremen Gesellschaft (interessanterweise einst der Auftraggeber für Brahms Deutsches Requiem), die Gelegenheit, ihr Traumstück zu schaffen. “Mit all den tragischen Ereignissen in der russischen Geschichte der Unterdrückung, kontinuierlichem Leiden,” erläutert sie in ihrem lebendigen, munteren russischen Akzent, “wollte ich mit einem spannungsgeladenen Effekt, dem Klang von Glocken, dem Läuten– von echten Glocken – und dem Orchester, das dann miteinstimmt, beginnen – nicht wie bei einer normalen Konzertaufführung, sondern wie bei einer heiligen Messe. Sie setzten sich mit all meinen verrückten Ideen auseinander und machten das Unmögliche möglich. Die große Kathedrale in Bremen lässt nur für eine besondere Messe oder in einem Notfall ihre Glocken läuten. Auf diese Weise beraumten sie eine besondere spezielle heilige Messe für die Geburt meines neuen Werkes an, die 20 Minuten vor dem Konzert aufhörte und sie ließen also die Glocken die Orchesteraufführung einläuten bei weit offenen Türen der Orchesterhalle, die den Klang der Glocken hereinließen. Es war ein recht großes Spektakel und das Russische Requiem reiste dann nach Cuenca (als Mitauftragsarbeit vom spanischem Festival religiöser Musik) und nach Riga weiter.” Mein Treffen mit Auerbach in ihrer New Yorker Altbauwohnung in der ‘Upper Westside’ fand zur geschäftigsten Zeit statt. Sie war soeben aus Dresden zurückgekommen, wo sie Klavierkonzerte gegeben hatte und war gerade mit dem Schreiben einer weiteren Requiem-Messe für Chor, Orchester und Solisten beschäftigt, die von der Dresden Staatskapelle in Auftrag gegeben war, wo sie während dieser Spielzeit die Gastkomponistin ist. Die neue Requiem-Messe soll im Februar 2012 uraufgeführt werden. Aber gerade musste wurde sie zu einer anderen Premiere einer neuen a capella Oper – The Blind [die Blinden], für die Berliner Kammeroper am 13. Oktober und zu ihrer Ballett Partitur für CinderellaScreen Shot 2011 09 30 at 8.13.39 PM Pianistin /Komponistin /Dichterin /bildende Künstlerin Lera Auerbach   surreale Kreativität!

Cinderella

– für das finnische Nationalballett in Helsinki und von John Neumaier choreographiert– am 14. Oktober zurückerwartet, welche zahlreiche Wiederaufführungen in Moskau und Hamburg erleben wird. Auerbach mag es, über den künstlerischen Schaffensprozess zu sprechen, ein Thema, mit dem sie sich ständig aktiv durch ihre eigenen künstlerischen Werke wie auch in ihren Betrachtungen und Beobachtungen auseinanderzusetzen scheint. In ihren Werken bezieht sich die Geschichte oft auf deren künstlerische Erkundung. In Gogol, zum Beispiel, stellen die Charaktere eine Tortur für den Schriftsteller dar. Er empfindet quälende Schuld dafür, schlechte Figuren zu schaffen, was zu einer religiös eindringlichen Vorstellung wird und ihn dazu veranlasst, sein sündhaftes Werk zu vernichten. Am Ende sind es die Figuren, die Gericht über den halten, der sie erschaffen hat. In Auerbachs Meeresjungfrau, die auf dem Märchen von Hans Christian Andersson beruht, erkundet sie die Beziehung vom Erschaffenen und dessen Erschaffer. Hans Christian Andersson, der seine Schöpfung schützen will, muss sich eingestehen, dass die Meeresjungfrau ihr eigenes Leben hat und frei ist. Hierin spiegelt sich Auerbachs generelle Haltung der Kunst gegenüber wider:”Es spielt keine Rolle, wie man sich fühlt; was zählt, ist das Werk selbst. Man stellt sich darauf ein, ein Instrument des eigenen Werkes zu sein, und lässt das Werk sich selbst gestalten. Ich habe einen großen Plan im Kopf, aber dann lasse ich diesen fallen und sehr oft wird aus dem Werk etwas anderes, als ich es ursprünglich in Kopf hatte und ich lasse das zu …” meint sie hinsichtlich ihrer Kreativität. In einem vor kurzem mit der deutschen Presse geführten Interview gestand Auerbach ein:”Ich glaube das Kunst viel Kraft dadurch gewinnt, dass sie für nachfolgende Generationen ein Image unserer Gegenwart schafft. Kunst kann sich auf die persönlichste und direkteste Weise auf die schwierigsten Dinge beziehen. Wenn notwendig, kann sie auf einer völlig abstrakten Ebene sein. Und sie hat das Vermögen, die Gefühle der Menschen zu erreichen, diese zum Weinen zu bringen, ohne das sie sich vergegenwärtigen, warum das so ist.” In ihrer Jugend hat sich Auerbach daran gewöhnt, schwere Situationen selbst zu lösen. Als sie nur siebzehn Jahre alt war, musste sie die Entscheidung treffen, ob sie allein in den Vereinigten Staaten bleiben – im Anschluss an ihre russische Konzerttournee nach Amerika – oder aber zu ihrer Familie nach Russland zurückkehren sollte und dabei vielleicht die Chance ihres Lebens zu verpassen. Ihre Mutter, die in Russland über jeden ihrer Schritte schützend gewacht hatte, ermunterte sie während des entscheidenden Anrufes nach Hause, sich selbst zu entscheiden – trotz des ungewissen Ausgangs. Es war die Zeit eingeschränkter Reisebewilligungen des sowjetischen Regimes und diese Entscheidung ging mit der Selbstlosigkeit einher, im Grunde genommen die Hoffnung aufzugeben, in der nahen Zukunft irgendwelche Zeit zusammen zu verbringen, eine schwierige Aufgabe für typisch russisch-jüdischen Eltern aus der Provinz, die besonders auf ihre Tochter achtgegeben hatten. Bis zu ihrer plötzlichen Ankunft in New York, war die beschützte Auerbach nie allein gereist, ohne von ihren Eltern vom Bahnhof abgeholt zu werden. Aufgewachsen im recht isolierten russischen Tscheljabinsk, nahe der Grenze zu Sibirien, war Auerbach sehr mit der Welt der Bücher und Musik ihrer Eltern verbunden. Ihre Mutter, eine Klavierlehrerin an der örtlichen Musikschule, bleibt ihre stärkste Inspiration. Es dauerte nach dem Erhalt ihres Künstlervisums fünf Jahre bis es ihr möglich war, zurück nach Hause mit der Gewissheit zu reisen, weiter ihr Studium im Ausland fortsetzen zu können. Erst mit dem Niedergang des Kommunismus war es den Eltern möglich, zu ihr nach New York zu kommen, nachdem sie im Grunde die wichtigsten zehn Jahre der künstlerischen Entwicklung ihrer Tochter verpasst hatten. Auerbach war besonders glücklich, dass die Mutter ihrem Debüt-Konzert in der ‘Carnegie Hall’ im Jahre 2002 beiwohnen konnte, dem einzigen Traum, den sie mit vielen ihrer westlichen Klavierkollegen geteilt hatte. In der Tat war es eine doppelte Premiere für sie – sie trat als Pianistin auf und war die Komponistin ihrer Suite Concertante für Piano und Violine, die von ihr zusammen mit dem renommierten Violinisten Gidon Kremer und dem Kremerata Baltica gespielt wurde. Die Doppeltätigkeit als Komponistin/Musikerin ist es, die die größten logistischen Herausforderungen in der Lebensplanung darstellt. “So wichtig es auch für mich ist, ein Klavier nahe bei mir zu haben – und ich komponiere teilweise am Klavier, teilweise ohne Klavier – musste ich in den letzten drei Jahren erheblich die Konzerttätigkeit beschneiden. Ich muss längere Zeiträume zwischen dem Konzertieren haben, um mich auf das Komponieren zu konzentrieren. Die großen Konflikte ergeben sich dann, wenn ich auf Tournee bin und Fristen für neue Werke einhalten muss.”                                                                                                                                          Lera Auerbach Foto:F.Reinhld phpThumb generated thumbnailjpg Pianistin /Komponistin /Dichterin /bildende Künstlerin Lera Auerbach   surreale Kreativität!

Auf welche Weise beinflusst ihr Komponieren ihr Klavierspiel? “Ich spiele Standardrepertoire, aber ich höre es auf andere Weise und ich spiele nur Stücke, von denen ich glaube, etwas Neues sagen zu können. Zum Beispiel habe ich eine sehr persönliche Art die Bilder einer Ausstellung von Mussorgsky zu spielen; ich mag es, mir einige Freiheiten zu nehmen, wie es für die Auftrittskünstler /Komponisten früherer Generationen üblich war. Es gibt nicht so etwas wie einen guten Klavierklang. Es gibt nur die Magie, das Klavier mit einer anderen Stimme zum Singen zu bringen, indem es die Charakteristika anderer Instrumente annimmt. In den Händen eines großen Auftrittskünstlers wird es zu einem psychologischen Mittel das Publikum so zu hypnotisieren, um sich ihrer Vorstellungskraft auf die bestmöglichtse Weise zu bedienen.” Auerbach betrachtet es nicht als einen entscheidenen Faktor, in ihrer Karriere eine Frau zu sein. “Es ist eine Frage der Wahrnehmung. Was mich angeht, sehe ich keinen Unterschied, und man entschließt sich, über diesen Begrenzungen zu stehen, “meint Auerbach, und trägt dabei der Tatsache Rechnung, dass zu einem gewissen Grade doppelte Maßstäbe gelten. Aber sie fühlt sich so, als ob sie niemandem etwas beweisen muss,” und die junge, verheiratete Künstlerin, die keine Kinder in ihrem Leben sieht, beantwortet diesbezügliche Frage einfach mit: “Meine Werke!” Neben ihren Studien an der ‘Manhattan School of Music’ und bei ‘Juilliard’, wo sie Klavier bei Joseph Kalichstein und Komposition bei Milton Babbitt und Robert Beaser studierte, verbrachte sie auch Zeit mit dem norwegischen Beethoven-Spezialisten Einar Steen-Nokleberg in Hannover, eine Zeit, die sie als eine lohnende Erfahrung beschreibt. Im Grunde sieht sie eine wirklich engagierte Selbstauseinandersetzung, die Bereitschaft und Neugierde kontinuierlich wachsen zu wollen, als die Voraussetzungen für jegliches erfolgreiche Ergebnis im Lernprozess an. “Wenn der Student bereit ist, wird der richtige Lehrer auftauchen” lächelt sie wissend. Im Jahre 2007 vomWorld Economic Forum zum “Young Global leader” ernannt, erfährt Auerbachs allgegenwärtig kreative Renaissance-Stil Präsenz international volle Anerkennung von ihrem zeitgenössischen künstlerischen Umfeld. In Deutschland erhielt sie den renommierten Hindemith Preis und beim Pacific Music Festival taten sich das Tokyo String Quartet und die Sapporo Symphony zusammen, um ihr Werk Fragile Solitudes aufzuführen. In New York brachten Musiker wie Wu Han und David Finckel der New York Chamber Music Society, Auerbachs Werke ans Lincoln Center. Auerbach verlässt sich jenseits der Premieren auf langjährige Kollegen, die ihre Gesamtauswahl an Streichquartetten gespielt und für Archivaufnahmen aufgenommen haben, ihre Werke lebendig zu halten, wie es beim Borromeo String Quartet der Fall ist. Sie erkennt auch die Effizienz der Music Accord Organization, welche von verschieden Konzertorganisatoren gebildet wurde und dabei zusammenarbeiten, das Leben der Werke zu verlängern, die am Lincoln Center ihre Premiere hatten, indem sie die Werke auf Tournee in verschiedene Veranstaltungsorte bringen. AuerbachcAlinePaley MG 5178 300x200 Pianistin /Komponistin /Dichterin /bildende Künstlerin Lera Auerbach   surreale Kreativität!

Lera Auerbach in Verbier Foto: Aline Paley

In der nahen Zukunft plant die Komponistin das Konzertieren mit einer Künstlerin, die sie bewundert und jüngst beim Verbier Musik Festival aufgetreten ist, und zwar die in Boston beheimatete Violistin Kim Kashkashian, für die sie eine Abschrift von Schostakowitch’ 24 Preludes für Cello und Piano, für Viola arrangiert, geschrieben hat. Am 15. November wird der Violinist Leonidas Kavakos eine Auswahl von Lera Auerbachs Präludien für Violine und Piano, Op. 46a, an die Carnegie Hall bringen. Audio und Video: http://leraauerbach.com/content/audio_video.php Ihre Website: http://www.leraauerbach.com/ Ihr Blog: http://blog.bestamericanpoetry.com/lera-Auerbach-the-trouble-clef/

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