Der junge und sympathische Louis
Schwizgebel-Wang wird schon seit geraumer Zeit nicht mehr als geheimer
Insidertipp betrachtet und falls doch, wird es sicherlich nicht mehr nach
seinem Konzert am 30. Januar in der ‘Merkin Hall’ der Fall sein.
Bereits im Jahre 2007 wurde der in
der Schweiz geborene Pianist dem Publikum in den USA vorgestellt, als er sein
Debüt in der Zankel Hall in New York und im Kennedy Center in Washington gab. Nach
Angaben der Washington Post zu dieser Zeit spielte
er mit einer “ ’powerhouse’ Technik, einer durchtriebenen Art von Humor, einer herrlich
ausdrucksvollen Phrasierung und wallender Leidenschaft und zeigt so auch eine
Sensibilität gegenüber feinen, aber wesentlichen Details des Anschlags und der
Klangfarbe.” Zuvor, im Jahre 2006, erhielt er den ersten Preis bei den ‘Young Concert Artists European Auditions’ an der Hochschule für
Musik Felix Mendelssohn-Bartholdy in Leipzig.
Wieder wird er von den Young Concert Artists auf den Markt
gebracht, einer Organisation, die sich zur Aufgabe gemacht hat, die Karriere
vieler großartiger Künstler zu fördern — einschließlich von Künstlern wie Jerome
Lowenthal, Jean-Yves Thibaudet, Richard Goode, Emanuel Ax und Jeremy Denk. Schwizgebels
bevorstehendes Zugabe-Konzert an der Merkin Hall
wird dem jungen Auftrittskünstler die Möglichkeit geben, das New Yorker
Publikum an den positiven Eindruck zu erinnern, den er in New York und
darüberhinaus hinterlassen hatte.
Schwizgebel-Wangs
andere Karrierehöhepunkte beinhalten eine China Tournee mit dem
Symphonierorchester Basel im Jahre 2004 und das Gewinnen des Internationalen
Klavierwettbewerbs in Kassel im Jahre 2005. Sein anhaltendes Gewinnen von
Preisen in Europa und den Vereinigten Staaten hat zu mehr großartigen
Konzertmöglichkeiten geführt, wie zum Beispiel seinem Auftritt als Solist mit dem
Wiener Symphonie Orchester unter der Leitung von Fabio Luisi und mit dem London
Philharmonic unter der Leitung von Carl Davis. Er hat jüngst auch ein
Solokonzert an Londons Wigmore Hall gespielt und diesen Sommer ist er beim Verbier
Festival aufgetreten, als die Kritikerin Ismene Brown meinte: “ Ich habe
am meisten genossen, was in frischer Blüte stand, genau die Art von Dingen, die Verbier ausmachen. In
einer abgetrennten, weißen modernen Kirche tauchte eines nachmittags ein 23-jähriger
Schweizer Pianist namens Louis Schwizgebel-Wang auf,
der ein-einviertel Stunden Liszt mit exquisiten Klaviermärchen im Fluge vorüberziehen
ließ — von
den düsteren Fragen von Vallée d’Oberman bis
zu einigen atemberaubend virtuosen Spielen der Paganini Studien….
Als Musiker Karriere zu machen ist
ein langfristiger Willensakt, der, was das Hervorbringen von Musik betrifft, Intelligenz
und Neugierde voraussetzt, wie es von Terfel personifiziert wird. Im Moment hat
vielleicht der schöne und glamoröse Buniatishvili, im
geichen Alter wie Schwizgebel-Wang, einen großen Marketingvorteil, aber in
zwanzig Jahren, denke ich, dass, wie Kovacevich und Argerich, eher Schwizgebel-Wang
Meister seines Instruments ist, um oben
in den Bergen von Verbier die Ohren für die intimen
Geheimnisse großartiger Musik zu öffnen. Man versuche ihn zu erwischen, wenn er
diesen Herbst mit seinem Schweizer Landsmann, dem Celllisten Lionel Cottet, in Großbritannien
auftritt und ich wette, dass er nicht allzu ferner Zeit als Solist bei vielen vornehmen Adressen spielen.wird”
Seine Eltern — seine Mutter
Chinesin, sein Vater Schweizer — sind beide in Genf lebende bildende Künstler
und glaubten an ein wohlbehütetes Umfeld. Er begann im Alter von sechs Jahren
bei seinem Lehrer Franz Josefovski mit dem Unterricht. Als junges Talent am
Klavier — im Alter von zwölf Jahren,
vertrat er die Schweiz beim neunten internationalen Steinway Festival in Hamburg — besuchte er das Konservatorium in Lausanne,
aber nur, um Unterricht bei seiner Lehrerin Brigitte Mayern zu nehmen. Als er noch
zu Hause lebte, erhielt er im Alter von 15 Jahren ein Solistendiplom. Später
reiste er zum Unterricht an der Universität der Künste bei Pascal Devoyonin
Berlin an. Das ist der Grund dafür, dass er erst seitdem er in diesem Jahr nach
New York kam, um bei Juilliard bei Emanuel Ax und Robert McDonald zu studieren,
eine wahrhaftige “schulische Umgebung” erlebt, die er
in der Tat sehr mag.
Er liebt es sich selbst herauszufordern
und ich war davon beeindruckt zu erfahren, dass er es mag, weiter Sachen zu erkunden. Selbst hinsichtlich
seiner bereits sehr gelobten Klaviertechnik mag er einen tieferen Einblick in
die Prinzipien gewinnen, die immer präsent sind, selbst wenn das nicht immer
offensichtlich sein sollte, trotz all der großartigen Ausbildung und des
musikalischen Talents.
Ich traf ihn vor kurzem zum
erstenmal, nach seiner Teilnahme beim Beethoven-Marathon, einer Live-Übertragung
aus dem ‘Greenspace‘ von WQXR [New Yorks öffentliches Radio für klassische
Musik] vom 20. November.Dieser Marathon war eine gemeinsame
Anstrengung einiger der talentiertesten – etablierter und aufstrebender – Pianisten,
einschließlich von Künstlern wie Jonathan Bis,
Jeremy Denk, Alessio Bax und Phillip Edward Fisher.
“Ich musste meinen Horizont
erweitern …” meinte Schwizgebel-Wang, als ich ihn nach seinem brillianten
Spielen von Beethovens Opus 14, Nr. 1 und Opus 81a ansprach. Seine Teilnahme
bei der Übertragung aus dem ‘Green Space’ passierte ein
bisschen spontan und gab ihm eine begrenzte Zeitspanne von nur acht Tagen, beide Sonaten für
den Auftritt vorzubereiten.
“Ich entschied mich für ein
Studium in New York,” erklärte er, “da ich bereits über Kontakte verfügte, einige
Vorspieltermine gewonnen hatte und gemanagt wurde, was sich weiter fortsetzt.
Die Young Concert Artists waren sehr
hilfreich; sie stellten mich Emanuel Ax vor, der mich dann bei Juilliard als
seinen Studenten akzeptierte. Ebenso überzeugte mich auch Martin Engstroem, der
Organisator des Verbier Festivals, nach New York zu gehen. Zunächst war ich
2008/9 zu den Verbier Akademie-Meisterklassen gegangen und dann hatte mich Engstroem
in diesem Jahr dazu eingeladen, ein Konzert zu spielen. Ich hätte an Paris oder
London gedacht. Engstroem drängte mich weiter, nach New York.”
Und ihm gefällt es sehr. Er schätzt
sich glücklich, eine Wohnung nahe von Julliard
gefunden zu haben und er übt täglich in der Schule. “Zu Hause war ich immer ein
bisschen faul zum Üben, weil …nun ja, es handelt sich um zu Hause und es gab reichlich
Ablenkungen. Aber hier geht man an den Übungsräumen vorbei und dann bin ich motiviert;
alle anderen machen ja das Gleiche,” fährt der Pianist fort.
Er genießt den musikalischen Input
seiner beiden Lehrer Ax und McDonald. Sie reden nicht viel über Technik. Schwizgebel–Wang
gefällt es, ihren Vorschlägen zuzuhören, wie man mit unterschiedlichen Phrasierungen, musikalischen Strukturen und Interpretationen umgehen
solle. “Manchmal gibt es kleine Veränderungen im Detail, die die gesamte Idee
des Stücks verändern”, behauptet er und zieht für sich das meiste aus dem
einjährigen Prozess des Graduiertendiploms heraus, den er auf ein zweites Jahr verlängern
möchte.
Als wir über Technik sprechen, wird
Louis wirklich interessiert.
Es ist für jeden aufstrebenden Pianisten
faszinierend zu wissen, dass, wie enorm das Talent, wie gekonnt seine Auftritte
und wie aussichtsreich seine Karriere auch sein
mag, er konstante Unsicherheiten zugeben kann oder vielmehr ein ständiges
Infragestellen von Klaviertechnik als einem zuverlässliches Handwerk, um all
die wundervollen vielversprechenden künstlerischen Ideen zu schmieden. Wie erzeugt
man den vollen Klang, den er an bestimmter Stelle in der Musik möchte? Wie
bedient man die Tastatur, so dass der gewünschte Sound nicht zu harsch, aber laut genug sein wird?
Es gibt natürlich unterschiedliche
stilistische Weisen sich dem
Klavier zu nähern, zum Beispiel wenn man französische impressionistische Musik
spielt wie Ravels Gaspard de la Nuit,
das Louis für sein bevorstehendes Konzert in der Merkin Hall vorbereitet. “Irgendwas
an dem leichten Berühren der Tasten, der präzisen und klaren Genauigkeit, ist
für mich viel greifbarer und leichter instinktiv zu erfassen als, sagen wir,
Brahms oder Schubert,”meint er.
Also was ist es, worauf man sich
beim Üben konzentrieren muß, angesichts der Tatsache, dass man zwei Beethoven Sonaten in acht Tagen vorbereiten
kann? “Ich bin nicht nach “Übungen”
verrückt.” Ich schaffe meine eigenen Übungen entsprechend eines jeden Stückes,
das ich spiele, und ich mag es, alles über die Musik zu erfahren, die ich
spiele. Und ich würde es im Allgemeinen sehr begrüßen, Technik
besser zu verstehen, was einem erlaubt, sich am Piano wohl zu fühlen. “
Es ist faszinierend die Interaktion zu sehen, wenn großes Talent auf die
lebenslange Erfahrung eines Klavierlehrers trifft, wie Edna Golandsky, die
viele Pianisten willkommen geheißen hat und deren Horizonte sie erweiterte, als
sie ihren Rat suchten. Louis spielt einen Satz von Schuberts Sonate in a-Dur,
Haydns Sonate in c-Dur und etwas von Ravels Gaspard
De La Nuit. Edna bewundert sein Talent und erkennt, dass er auf der Suche danach
ist, wie er die sich immer wieder verflüchtigende Qualität des Tons bekommt -
ohne Mühe und mit Zuverlässigkeit.
Es ist mir eine Ehre bei dieser
Arbeits-Sitzung dabei zu sein. “Woran denken Sie?” fragt sie ihn, nachdem er
für sie gespielt hat. Er erläutert, dass er nie wirklich komfortable Technik gehabt hat. “Ich war immer auf der Suche
und begann mit einem zu hohen Handgelenk und Spannung. Ich wollte schon zu jung
schwere Stücke spielen und musste einen Weg finden, um diese spielen zu können.
McDonald gab mir ein paar neue Ratschläge, denen entsprechend ich mich etwas besser fühlte, wie ich in die Tasten
lange, etwas diagonal und nicht ein ‘In-die- Tasten-greifen’, wie ich es zuvor
tat, aber ich bin noch immer auf der Suche …”
Edna hat eine andere Methode, die
die natürliche Ausrichtung von Unterarm, Händen und Fingern aufzeigt. Es gibt
keine Position, die kontinuierlich aufrechterhalten werden kann:”Das Einrollen
der Finger ist einer der größten Ursachen für Verspannungen, meint sie, aber
ein Schub nach vorn bringt Fingerbewegungen hervor, die genauso kontraproduktiv
sein können wie ein ‘In-die-Tasten-greifen’, das zur Folge hat, dass man vom
Klavier “fällt”. Manchmal kann der Wechsel einer Methode dabei helfen, dass man
sich besser fühlt. Aber die wirkliche Antwort besteht darin, dass man jegliche
Verspannung loswird.”
Edna fuhr fort Louis zu vermitteln, dass die Tiefe seines Klangs aus dem
Gewicht seines Unterarms komme, der ebenfalls die Seitwärtsbewegungen auf der
Tastatur bewältigt. Es gibt ein Gefühl von einer nach vorn gerichteten Balance,
im Gegensatz zu einem Nachhintenfallen. Sie erkannte, dass er sehr viel
Vorstellungskraft in seinem Spielen hat und die Veränderungen der Klangfarbe gut
hervorbringt, aber es einen tieferen Klang geben könne: Das kommt vom Unterarm,
durch eine mit der Drehbewegung einhergehenden bewussten Verlangsamung der
Geschwindigkeit an der Tastatur,” erklärt sie.
Louis hat sofort den Dreh. Edna
fragt ihn, “Wie ist es?“ “Angenehm,” bestätigt Louis und nickt dabei dankbar.
“Auf die Ausrichtung achtzugeben,
erlaubt einem, sich mehr verankert und unterstützt zu fühlen. Um die Klänge
hervorzubringen, besonders dann, wenn wir von einem weichen Klang reden, halten Leute die Arme hoch, ihre
Schultern und trauen sich nicht, einen zu großen Klang zu produzieren. Der
Klang ist nicht am Boden der Taste, sondern ein bisschen davor. Daher richtet man
sich nicht auf den Boden aus “ erklärt ihm Edna.
“Man hat mehr Kraft, wenn man
nicht der Taste etwas abzwingt, sondern freier, als ob man einen Ball wirft. Mit
dem Timing der Taste und der Kraft des Unterarms gibt es eine große Klangvielfalt und einen vorallem einen volleren. Man sollte nur
vorsichtig sein, nicht in den Gelenken, im Handgelenk und den Fingergelenke einzuknicken.
Dieses besondere, stabilisierende Verhältnis zu brechen, kann
schnell zu Verletzungen führen und, wenn das Handgelenk
absinkt, sind normalerweise die Schultern auch am nachziehen. Vielleicht sollte
das bei Ihnen die höhere Position des Handgelenks kompensieren. Wie auch immer,
wenn es richtig ist, versucht die Hand nicht etwas anderes zu tun, fühlt sich
wohl und es gibt keinen Unterschied, ob es ich dabei um ein Konzertaufftritt
oder eine Übung handelt.”
Schwizgebel-Wang ist von seinem
ersten Besuch begeistert und erzählt mir anschließend enthusiastisch: “Es hilft
wirklich! Ich hatte etwas komplizierteres erwartet, aber eigentlich ist es so
einfach und natürlich. Ich freue mich auf Übungen in dieser Richtung.“
Das Glück zu haben, aufgeschlossen
und nicht von einigen der Geister kritischer Gerüchte über die Taubman Methode
abgeschreckt zu sein, wird ihm Gelegenheit geben, Edna wieder zu besuchen sobald Fragen aufkommen. Aber für diejenigen, die nicht
in der Nähe von New York sind, gibt es zehn Bänder, welche die Prinzipien der
Methode vorstellen und über die Golandsky Website
zu beziehen sind. www.golandskyinstitute.org
Und vielleicht werden wir während
des bevorstehenden Konzertes in der ‘Mekin Hall’ einige der beeindruckenden
positive Ergebnisse von Louis neuer Art, Klänge mit seiner
Klavier-Technik zu produzieren, erleben. Wir hoffen, dass es für ihn ein
angenehmes, müheloses Erlebnis sein wird… wenn es ihm möglich ist, seine
wundervollen musikalischen Gedanken noch freier von Hand zu fertigen.
”Jemanden mit Etiketten zu versehen ist gefährlich. Jeder wird heute mit irgendwas diagnostiziert …eine Störung hiervon und eine Störung davon…und mit Medikamenten behandelt. Und überhaupt, was ist normal? Innerhalb des kreativen Prozesses eines jeden gibt es so etwas wie eine Art Manie, eine Energie, mit der man versucht etwas einzufangen, bevor es entkommt. Zwangläufig folgt danach der Absturz. Man muss damit leben, was man erreicht hat und sich regenerieren. Vielleicht gibt es nur wenige Tage zwischen den jeweiligen kreativen Schüben, aber jeder wahre Künstler muss sich von einem solch kreativen Input erholen. Und am Ende sehe ich es als 10 Prozent Inspiration und 90 Prozent Transpiration, selbst wenn man es kreativen Wahnsinn nennen will.”
Am 1. Februar 2012 um 7.30 in der Weill Recital Hall der
Carnegie Hall
Gegründet im Jahre
2008 ist das Israeli Chamber Project (israelisches
Kammermusikprojekt) eine erstaunliche Gruppe junger, aber versierter, unternehmerischer
israelischer Musiker, die in den USA leben und – neben ihrem individuellen musikalischen
Talent – eine Mission teilen, die sie verbindet. Wie es der
geschäftsführende Direktor der Gruppe und einer der beiden Pianisten, der
Mitbegründer Assaff Weisman ausdrückt:”Wir haben mehrere Schwerpunkte: Erstens
teilen wir alle die Leidenschaft, etwas unserem Heimatland Israel wiederzugeben.
Es gibt in Israel keinerlei Geldmittel für die Kunst; das Land kann es sich einfach nicht leisten. Deshalb
verlassen viele seiner talentiertesten jungen Leute das Land, – wie wir es
taten – um ihre Ausbildung voranzutreiben und Auftrittsmöglichkeiten zu
verbessern, die für eine internationale Karriere die Voraussetzung sind. Dieses
ist die Ursache für eine Abwanderung der
Ausgebildeten, sozusagen einen “brain drain,” was
das Land ohne gute Lehrer zurücklässt, die die nächste Generation begeistern könnten. Also wollen wir auf Tournee gehen und etwas an die
jüngere Generation weitergeben, indem wir
unterrichten und sie inspirieren. Zweitens, wenden wir uns mit unseren
Konzerten an die breite Öffentlichkeit in Israel, indem wir uns nicht nur auf
die typischen Kulturzentren konzentrieren,wie es mit unserer Konzertreihe in
Tel Aviv und Jerusalem geschieht, sondern, indem wir auch klassische Musik in
die Kibbutzim, in die Wüstengegenden im Negev und arabische Städte bringen. Wir
bieten diesen entlegeneren Gebieten klassische Musikkultur, wo wir die Musik
von traditionellen und zeitgenössischen Komponisten vorstellen möchten. Unsere Bildungstourneen beinhalten an Musikschulen vor Ort Meisterklassen
und auch Einzelunterricht am Instrument und enden typischerweise mit einem
Konzert, in das wir oft auch die Studenten des Tages miteinschließen. Dabei
handelt es sich nicht um eine einmalige Sache; wir kehren zurück und haben das
Privileg, am Fortschritt teilzuhaben. “Und,” fährt Weisman weiter fort, “wir
wenden uns natürlich an die amerikanische Öffentlichkeit, unserer neuen Heimat
und fördern eine auf Israel bezogene kulturelle Sensibilität. Wir sind alle israelische
Staatsbürger und unser gemeinsamer Hintergrund verbindet sehr. Leute haben mir schon
sehr oft gesagt, dass es ein besonderes Gefühl gibt, welches auf das Publikum wirkt.
Wir unterstützen die israelische Kunst, indem wir Werke von zeitgenössischen israelischen Komponisten in Auftrag geben,
unter ihnen Matan Porat, Jonathan Keren, Amit Gilutz und Gilad Cohen. Aber
natürlich haben wir ein breitangelegtes Repertoire, das wir spielen. Unsere
ehrliche Herangehensweise, die darauf beruht ohne etwas vorzutäuschen, ist bis
jetzt vom Publikum honoriert worden und unsere erste CD wird in dieser Saison
vom Azica-Label herausgegeben und von Naxos vertrieben.”
Die Gruppe, die aus
acht Kernmitgliedern besteht, umfasst ein Streichquartett, zwei Pianisten,
einen Harfenspieler und einen Klarinettisten. Bei ihrem Carnegie Hall Debüt werden
zwei bis sechs Musiker in sich variierendenden Kombinationen
spielen. Jeder der Musiker hat sich bereits in seinem Bereich einen Namen
gemacht. Assaff, ein ehemaliger Student des hervorragenden Herbert Stessin bei
Julliard (ebenfalls ein Lehrer von Jeremy Denk und Orly Shaham), der dabei
geholfen hatte, einige der erfolgreichsten Pianisten der jüngeren Generation
heranzuziehen, unterrichtet neben seiner ausgiebigen
Konzertarbeit mit dem Israeli Chamber Project und auch seiner Solo-Karriere als Konzertpianist selbst vier
Klassen an der Abendschule von Juilliard.
Vor seinem Studium in
New York studierte Weisman bei Professor Victor Derevianko
in Israel und wurde, wie alle Mitglieder des Israeli Chamber Project, mit Stipendien der
Amerika-Israel Kulturstiftung unterstützt. Viele der Künstler schauen auf ein
gemeinsames Heranwachsen in den Heimatstädten in Israel zurück. Andere haben
sich bei Juilliard getroffen.
Der Violinist Itamar
Zorman, das jüngste Mitglied der Gruppe meint:”Michal und Tibi nahmen mich mit
in den Übungsraum, erläuterten mir die Gruppe und ihre Ideen und ich sagte,
dass ich natürlich gerne mitmachen würde. Ich hatte zuvor schon als Trio mit
Michal, die eine ertaunliche Cellistin ist, und mit dem Pianisten Itamar Golan
gespielt. Mit Sivan, unserer Harfenspielerin hatte ich ebenfalls beim einem Festival
an der ‘Jersualem Academy’ im Jahre 2004 gespielt.“
Zorman ist der
Gewinner des internationalen Tschaikowsky Wettbewerbs in Rußland im Jahre 2011 und
wuchs in Tel Aviv auf, wo er Weisman begegnete. Besonders wurde er von zwei
anderen jungen israelischen Musikern inspiriert, die ihm mittels der Ilana
Feher Stiftung ungemein halfen. Die Violinisten Ittai Shapira und Hagai Shaham
waren nicht nur entscheidend dabei, ihm ein Stipendium zu gewähren, das ihm
eine Aufnahme und ein Debütkonzert ermöglichte, sie waren ebenso eine wahre Hilfe, indem sie ihm guten Rat gaben, was seine zukünftigen beruflichen Schritte anbelangte. Mit dem Israeli Chamber Project aufzutreten, “macht nicht nur Spaß, da ich es sehr mag, mit
dieser Gruppe von Leuten zu spielen,” sondern er glaubt auch an ihre Aufgabe,
die Gelegenheit für die Unterstützung, die er
erhielt, etwas zurückzugeben: “Der Grad an Ausbildung ist im Ganzen recht hoch
in Israel. Es gibt viele Lehrer der älteren Generation, die ihr Training in der
ehemaligen Sowjetunion erhalten haben und es gibt auch eine gutes Musik
Konzept. Es gibt einige große Studios und
einiges erstaunliches Talent. Aber ich versuche eine
neue Betrachtungsweise bekanntzumachen, die nicht ihre Werke behindert, sondern fördert. Neben
meiner Liebe für Schubert und Brahms bringe ich ebenso meine Vorliebe für
Gegenwartsmusik mit und finde im allgemeinen, dass
Israelis ein sehr aufgeschlossenes Publikum sind. Gleichzeitig genieße ich es, zeitgenössische
israelische Komponisten wie auch neue Musik überhaupt in Amerika aufzuführen. Es
mag sich um eine Generationsfrage handeln und
Symbolcharakter für den Rhythmus unserer Zeit. Natürlich gibt es etwas in der
modernen Musik, was das allgemeine menschliche Befinden genau wie in jeder
anderen Musik berührt, aber es gibt auch etwas
spezifisches in ihrer modernen Ausdrucksweise. Unsere Verantwortlichkeit als
Auftretende ist es, sie so meisterhaft zu präsentieren, wie wir es auch für die
klassischen Ikonen tun, obwohl ein Zuviel an Ehrerbietung manchmal dem einfachen
Befinden in gerade diesem Augenblick im Wege, eine andere Stärke von
zeitgenössischer Musik, welche nicht die Last
ihrer eigenen Geschichte mit sich herumträgt.”
Letzten Sommer trafen
sich Zorman und die Harfenspielerin Sivan Magen mit dem Komponisten Matan Porat,
als sie am
Marlboro Festival teilnahmen. “Wir spielten Matans Requiem,
ein äußerst wirksames Stück, besonders als wir es beim Festival um Mitternacht
spielten.” Diesen kommenden Sommer werden wir das Musikfestival in Verbier
besuchen, in der Hoffnung noch immer neue Horizonte zu aufzutun.
Programm am 1.
Februar 2012 um 7.30 in der Weill Recital Hall in der Carnegie Hall
Schostakowitsch, Trio für Klavier, Violine,
Cello in c-Moll,
Op.
8 Sebastian Currier, ‘Night Time’, für Harfe und Violine
Martinů Kammermusik Nr.1
Paul Ben Haim Drei Lieder ohne Worte
(arrangiert für Klarinette und Harfe)
Brahms Trio für Klarinette, Cello und Klavier
in a-Moll, Op. 114
Juilliard Piano Duo Lang Ning und Michael Berkovsky
Die klassischen Pianisten Michael Berkovsky und Lang Ning
Liu sind beide sehr einfühlsame und sensible Pianisten. Owohl sie aus
unterschiedlichen Ecken der Welt stammen, teilen sie die Erfahrung eines
Studiums an der ‘Julliard School’. Jetzt haben sie wieder zusammengefunden.
Nach dem Master Abschluss bei Juilliard, dem Gewinn des
Julliard Konzertwettbewerbs und dem Auftritt in der Avery Fisher Hall im Jahre
2008 hat Michael sein Musikstudium bei Peabody fortgesetzt und gewann erneut
den Auftrittspreis, der ihn zu einem Solokonzert am
Baltimore Art Center und einem Auftritt mit Orchester unter der Leitung von Leon
Fleisher berechtigte. Ich erinnere mich gut an seinen Soloauftritt vor ein paar
Jahren, nicht nur wegen der Wärme und Farbe seiner Interpretation von
Mussorgskis Bilder einer Ausstellung, sondern auch an die Tatsache, dass
nach der Hälfte des Auftritts die Konzerthalle auf einmal pechschwarz wurde. Unbeeindruckt
meisterte Michael kühn die Situation, genau wie es die legendäre Myra Hess es
tat, als sie ihr Konzert trotz des Klangs von Sirenen während der deutschen
Luftangriffe auf London weiterspielte. Michael schloss
sein Studium bei Peabody mit einem Ph.D. in Musikaufführung ab. Seine
außergewöhnlich warme und großherzige Persönlichkeit lässt kein extravagantes
Ego zu – eine Tatsache, die ihm viel Freunde und Unterstützer eingebracht hat,
wo immer er auch hingeht.
Als Lang Ning über Wege nachdachte, bei ihren Freunden
das Interesse an ihren Konzertaufführungen zu wecken, kam sie auf die Idee, chinesische
Volksweisen in ihre Konzertaufführungen zu integrieren. Dies erlaubt es Michael
und Lang Ning, nicht nur ein junges Publikum anzusprechen, sondern auch große neue
Hörerschaften zu erreichen, wie Torontos chinesische Einwohnerschaft. Lang
Nings Konzept spricht klar die sich ständig vergrößernden unternehmerischen
Instinkte junger Musiker an.
Torontos Chinesische Einwohnerschaft (nach Vancouver die
größte) hat eine anwachsende Zahl von Musikenthusiasten unter sich, die eine
Vielzahl von Konzertabenden und Auftritten besuchen. Ihre energische Unterstützung junger Talente ist etwas, auf das man rechnen kann und hat zu einer besonderen Wertschätzung für klassische Musik beigetragen. Seit dem phänomenalen Erfolg von Lang Lang sind Künstler mit asiatischem Hintergrund in anwachsender Zahl Teil des internationalen Musikzirkels geworden und präsentieren mehr und mehr weibliche Talente und werben so für das neugefundene Gefallen und die künstlerische Dynamik der jungen asiatischen Auftrittskünstlerin.
Bereits während der letzten Jahrzehnte ist an
amerikanischen und kanadischen Musikschulen und Konservatorien die Zahl der
Studenten mit einem asiatischen Hintergrund ständig angestiegen, mit
hochtalentierten Musikern, die nun mit dem westlichen Kanon aufwachsen und einen
interessanten Zulauf asiatischer Kultur bieten.
Besonders an den international bekannten Institutionen wie ‘Glenn Gould School’
in Toronto oder der ‘Juilliard School’ in New York war es einer jungen
Generation von Musikern, Instrumentalisten und Komponisten möglich, sich auf
der lokalen und internationalen klassischen Musikszenen zu etablieren. (Siehe
mein Artikel über den jungen Komponisten Huang Ruo http://english.getclassical.org/2010/05/16/180/)
Die Pianistin Lang Ning Liu begann ihr Studium am
Zentralen Musikkonservatorium in Peking und hatte im Alter von 10 Jahren ihr
Orchesterdebüt mit dem ‘Beijing Philharmonic Orchestra’. Im Alter von 17 Jahren
besuchte sie das ‘Glenn Gould Institute’ in Toronto und studierte dann bei
Juilliard von 2003 bis 2008 in New York bevor sie mit einem ‘Master’-Abschluss
in Klavieraufführung nach Toronto zurückkehrte. Sie ist nun dabei, eine
internationale Auftrittskarriere aufzubauen und fand in der internationalen
Presse sehr positive Resonanz. In diesem Monat war sie die vom ‘Toronto Concert
Orchestra’ herausgestellte Solistin, als sie mit Tschaikowskis Klavierkonzert
No.1 unter der Leitung Kerry Stratton am ‘Toronto Arts Centre’ auftrat.
Die junge Pianistin ist nicht nur für ihre unbeugsame
Technik und ihr musikalisches Können bekannt bekannt, sondern auch für ihr
Engagement für in klassischer Musik angelegter Programme, die sich an ein breiteres
Publikum wenden. Sie ist Gründerin und künstlerische Leiterin der ‘Toronto
International Piano Competition’ und der ‘CCC National Canadian Piano
Competitions’ und dient als Jugendbotschafterin für das chinesische Kulturzentrum
des Großraums Toronto. Für eines ihrer jüngsten Musikprojekte stellte sie
erneut die Verbindung zu ihrem Julliard Mit-Absolventen und Pianisten Michael
Berkovsky her, der nun ebenfalls in Toronto lebt. Was als einzelner Auftritt begann,
bei dem Astor Piazzola Tangos gespielt wurden – einer Lieblingssache Berkovskys
– wurde zu einem erfolgreichen ‘Joint Venture’, benannt nach der Institution,
die beide Pianisten verbindet: The Juilliard Duo.
Bei Juilliard studierten Michael und Lang Ning Liu bei Julian
Martin. Obwohl Lang Ning etwas eher begann, wurde die musikalische Entwicklung
beider Pianisten sehr von dieser gemeinsamen Erfahrung geprägt.
Ihr neues Projekt beinhaltet die Niederschrift chinesischen Liedgutes, dem die Leidenschaft der
beiden Julliard Absolventen gilt. “100 Vögel begrüßen den Phönix” von Wang
Jian Zhong, für zwei Klaviere von dem The Juilliard Duo, transkribiert, besteht
derzeit als ein bezaubernder Clip, aufgeführt von Michael Berkovsky und Lang
Ning Liu. http://www.youtube.com/watch?v=dDN5TSfPq0E&feature=share
“Alles geht dabei darum, sich an ein anderes Publikum zu
wenden und unsere eigene schöpferische Begabung dabei einzubeziehen” meint Michael
in Toronto, als er mir von dem alten Volksmärchen über
den Phönix erzählt, auf dem “100 Vögel begrüßen
den Phönix” beruht: Der Phönix war ein einfacher Vogel, hart arbeitend und
ehrlich. Er sparte Nahrungsmittel zusammen, anders als die anderen bunteren
Vögel, die sich nicht sorgten und nicht daran dachten, sich auf härtere Zeiten
vorzubereiten. Als Zeiten der Hungersnot anbrachen und Vögel verhungerten,
teilte der Phönix die zusammengesparte Nahrung. Dafür sehr dankbar, gaben sie
jeder eine Feder und so wurde der einfache Vogel zum farbenfrohsten von allen
…die ‘einer für alle und alle für einen’ Ideologie kommt einem dabei in den
Sinn.”
Michael ließ sich gerne in Toronto nieder und zum ersten
Mal, seitdem seine Familie aus ihrer Russland nach Israel zog und [er] dann weiter in die USA für seinen Masterabschluss
bei Julliard und sein Doktortitel bei Peabody in Baltimore, empfindet Michael, dass er für sich ein Zuhause schafft. Obwohl
er international als Solist aufgetreten ist, mag er auch sehr die Idee, mit
einem anderen Pianisten zu spielen: “Die Energie ist eine andere, als spiele
man Kammermusik und es gibt eine großartige
Kommunikation zwischen zwei Pianisten …ein großartiger Energiefluss und
gegenseitiges Verständnis und es ist auch nicht so einsam, als spiele man ein
Solorepertoire.”
Momentan sind Lang Ning Liu und Michael dabei, den
“gelben Fluss” zu arrangieren, eine Komposition, die auf der Kantate des
chinesischen Komponisten Xian Xiang aus dem Jahre 1939 beruht. Seit ihrer
politisierten Premiere während der Kulturrevolution im Jahre 1969 erfreut sich
das Concerto in China und bei chinesischen Nationalisten in Übersee großer Beliebtheit.
Es ist als ein schwieriges Solostück bekannt. Berkovsky und Liu werden eine
zweite Klavierversion neu erschaffen. Dieser Tage
arbeiten Michael und Lang Ning daran, eine Konzerttournee vorzubereiten, die
sie in fünf chinesische Städte bringen wird, um im kommenden Sommer diese Werke
vorzustellen.
Alexander Schimpf Photo: Balazs Borocz Pilvax Studio
Der Klavierabend in Carnegies Zankel Hall am 5. Dezember war Teil des ersten Mixon Preises, der
dem Gewinner des diesjährigen Cleveland Wettbewerbs, dem sympathischen deutschen
Pianisten Alexander Schimpf, verliehen wurde. Im Alter von 29 Jahren war er
unter den Reiferen in der Runde von 28 Wettbewerbsteilnehmern.
Seine Repertoireauswahl, Beethovens Piano Konzert Nr.4, das einzige sich im Angebot
findende klassische Stück, mag dabei geholfen
haben, die Jury zu beeindrucken.
Es half ihm sicherlich dabei, mit den anderen drei Mitstreitern in der letzten Runde in Cleveland zu konkurrieren und brachte ihm den ersehnten Vorschuss bei den
Juroren wie auch hohes Lob bei den Kritikern ein.
In der Zankel Hall reichte Schimpfs genereller Ton von lobenswert bis schön, zeitweise in feiner,
filigraner Ausführung. Er meisterte sein vollständig deutsches Repertoire mit
all seinen Nuancen, von dem Insichgekehrtem bis zum Andächtigen, mit
verlässlichem Zutagetreten der inneren Stimmen.
Es war bei den ausdrucksvolleren Passagen, die eine größere dynamische Bandbreite erfordern,
wo es Schimpf an Klangqualität und Kraft fehlte.
Indem er es unterließ Momentum aufzubauen, als er sich dem Crescendo annäherte,
klang seine Darbringung entweder harsch, weil er zu plötzlich am Höhepunkt angelangte oder nicht kraftvoll
genug. Der ein wenig monotone Charakter seiner Programmauswahl half ihm dabei
nicht. Ich hätte ihn gern gefragt, ob es das Klavier gewesen sei, das es ihm schwer machte oder die Akustik des Konzertsaals, die ihm eine falsche Vorstellung davon vermittelte, wie seine Aufführung vom Publikum im Saal wahrgenommen wurde. Es erschien mir
fast so, als wolle er vielleicht einen Lehrer nicht enttäuschen, der ihn einst
dafür gerügt haben mag, zu laut und hämmernd in die Tasten zu greifen.
Seine ‘lauteren’ Passagen hätten voller sein müssen, freier und mit mehr Charisma gespielt
werden müssen – er schien sich zurückzunehmen –
vielleicht um auf “Nummer sicher zu gehen”?
Selbst im zeitgenössischen Stück “…und schon erglüht” das vom jungen deutschen Komponisten Adrian Sieber für ihn geschrieben
wurde, und auch dessen“Fantasie II”, schien
relativ wenig Aufbau der Dynamik zu sein. Zwar nicht total im Widerspruch mit den abrupten Modi des Stückes stehend, stellte dies
hingegen bei Schuberts Sonate in B Dur, D.960 ein fast unentschuldbares Zurückhalten dar, die ansonsten hätte recht verfeinert sein können.
Da der emotional ernste und sensible Umgang mit dem Klavier bei Herrn Schimpf
recht offensichtlich ist, besonders bei Bachs Englischen Suite Nr.3 und der glückseligen Bach – Zugabe, mag man sich
wundern, ob bestimmte Qualitäten, wie das ‘Auf Nummer Sicher Spielen’, bei
Wettbewerben generell unterstützt werden und bei den stressvollen Runden zur
Anwendung zu kommen. Gibt es etwa eine fehlverstandene Angst, nicht zu virtuos
zu klingen?
Man mag sich fragen, ob das Spielen und Gewinnen von Wettbewerben seinen ganz eigenen
Maßstäben folgt, welche scih ganz sicher von denen unterscheiden, die dann zur Anwendung
kommen, soll ein Publikum in Bann gezogen werden. Und was muss eine Jury hören,
wenn sie Wettbewerbsteilnehmer beurteilt, also etwas, was im Gegensatz zu einem
Konzert steht, das die Aufmerksamkeit des Publikums fesselt? Aber warum sollte sich das voneinander unterscheiden, wenn
es der letztendlichste Grund eines Pianisten ist, die Strapaze eines Wettbewerbs auf sich zu nehmen, um eine gute Reputation aufzubauen und die Aufmerksamkeit von Kritikern und der Öffentlichkeit auf sich zu ziehen, was wiederum zu neuen
Auftrittsgelegenheiten führt.
Es mag viele unterschiedliche Antworten auf diese Frage geben, die zum großen Teil davon
abhängig sind, wer seinen Standpunkt äußert. Es gibt auch Künstler, die sich weigern bei Wettbewerben zu spielen, trotz der Gelegenheiten, die diese an Sichtbarkeit darstellen mögen.
Was Herrn Schimpf betrifft, hat das Gewinnen einer der wichtigsten Wettbewerbe ihn in die Zankel
Hall gebracht, aber es wird ihm auch die Gelegenheit geben, weltweit 50
Konzerte zu spielen.Weitere Informationen zu Schimpf
findet man hier: http://www.alexander-schimpf.de/main_en.html
Julian Rachlin Photo: Julia Wesely
Als ich das Vergnügen hatte, den jungen Violinisten Julian Rachlin live bei seinem Auftritt zuzuhören und beim diesjährigen Sommerfestival in Verbier in voller Aktion zu sehen, war mir klar, dass dieser Auftrittskünstler mehr als eine schöne Tonpalette auf der Violine (und im Übrigen auf der Viola, dem zweiten Instrument seiner Wahl) zu bieten hatte. Sein jüngstes Interesse am Dirigieren trägt auch das seinige zu seinem breiter werdenden Spektrum tiefstgehenster Beschäftigung mit der klassischen Musik bei, die er liebt.
Sicherlich hat dieser Künstler seine Entschlossenheit gezeigt auf vielen Ebenen eine wirkungsvolle künstlerische Kommunikation aufzubauen. Zum einen brachte er die klassische Musikwelt mit Persönlichkeiten aus der Filmindustrie in Verbindung. Er versuchte sich daran und es gelang ihm mit seinem eigenen “Julian Rachlin and Friends” Musik Festival im kroatischen Dubrovnik. Die James Bond Filmlegende Roger Moore erwies sich als ein besonderer Liebhaber klassischer Musik und beteiligte sich am Vorlesen von Prokofjews ‘Peter und der Wolf’ und das klassische Komödiantenteam Igudesman& Joo, schon seit langer Zeit persönliche Freunde von Rachlin, gaben ihre Parodien beim Festival und darüberhinaus auf ihren YouTube Gigs zum Besten, die von Millionen ihrer Fans seit Beginn des Festivals im Jahre 2001 verfolgt wurden.
“Ich entdeckte für diese mittelalterliche Stadt meine Liebe und zu jener Zeit – ich war 25 Jahre alt – war das Festival, dass eine große Tradition in den Sechziger und Siebziger Jahren vor dem Krieg erlebt hatte, völlig bankrott und viele seiner Baudenkmäler lagen noch immer im Schutt und Asche. Die Wiederbelebung des Festivals wurde mir angeboten, falls es mir möglich wäre, ihnen nur zwei oder drei fantastische Musiker zu liefern, wie Vengerov, Bashmet oder Maisky,” erinnert sich Rachlin an den Beginn seines Engagements in Dubrovnik nach einem Auftritt dort.
Und in der Tat, selbst in seinen jungen Jahren war es dem in Litauen geborenen Rachlin, der seit 1978 in Wien beheimatet ist, möglich, sich auf seine guten Kontakte zu verlassen und seine Gabe Kontakte herzustellen. Ein Talent, was ihm dabei half, das Festival auch mit der finanziellen Unterstützung der neugegründeten “Rachlin und Freunde” in den USA und Österreich in eine alljährliche Attraktion zu verwandeln. Nun in seinem elften Jahr, ist es Anziehungspunkt für eine Vielzahl von weltberühmten Musikern, angefangen vom Dirigenten Zubin Mehta bis hin zu Rachlins langzeitigem Mentoren, Pädagogen und Kammermusiker Boris Kuschnir.
Foto – Rachlin mit Zubin Mehta beim Dubrovniker Festival “Rachlin und Friends.”
Im Jahre 2010 wurde Rachlin offiziell zum UNICEF Botschafter ernannt und kümmerte sich darum, für Projekte Geldmittel aufzubringen und Bewusstsein zu verbreiten, um benachteiligten Kindern in der ganzen Welt zu helfen.
“Ich habe ebenfalls eine intensive Kooperation mit dem Fußballverein Barcelona aufgenommen, dessen gesamte Mannschaft ebenfalls UNICEF Botschafter ist. Das gab mir die Möglichkeit einen Bezug zu meiner Vorliebe für Fußball herzustellen und diese interessante Allianz auf das Gebiet klassischer Musik zu bringen. Diese Verbindung bot sich geradezu an, zu einem UNICEF Fußball Gala-Veranstaltung bei meinem Festival in Dubrovnik weiterentwickelt zu werden, um so die Berühmtheiten vergangener Tage der Fußball Mannschaft mit Musikern und Fußballenthusiasten von den Medien zusammenbringen zu lassen. Und die Kinder werden von der Interaktion mit all ihren Helden begeistert.”
Was anregend ist, ist die gesamte Sichtweise, klassische Musik auf eine neue Ebene von “Coolness” zu bringen, die eine jüngere Generation von Musikern und deren Publikum anspricht. Er richtet sich sowohl an die ältere Generation der sich verdient gemachten “Größen“ und bestätigt ihren hohen Grad an Professionalismus, als auch an ein jüngeres Publikum und so wächst bei diesem Prozess sein Freundeskreis ständig an. Der klassische Musiker als Idol – auf derselben Ebene wie ein Fußballprofi oder Filmstar – nichts scheint Rachlin mit seinem zugegebener Weise ansteckenden Enthusiasmus unmöglich zu sein. Photo: Wolf- Dieter Grabner
Während zunächst das Aufbauen auf dem Alten und die Einbeziehung des Neuen nicht als ein völlig neues Konzept erscheint, hat sich Rachlins sicheres unternehmerisches Gespür und seine persönliche Integrität dabei als erfolgreich erwiesen, Leute aus allen verschiedenen Richtungen zusammenzubringen und hat ihm starke Unterstützung und ein großartiges Gefolge eingebracht.
Ohne die Versimplifizierung klassischer Musik, der sich so viele bedienen, und die durch Kreuzungen mit populäreren Musikgenres entsteht, hütet er die Integrität klassischer Musiker und ihrer Protagonisten.
Julian Rachlin Foto:Julia Wesely
“Klassische Musik wird nie sterben, aber wir müssen uns neue Wege einfallen lassen, sie zu verpacken, um das zu gewährleisten, was nötig ist, um die höchste Qualität zu erzielen,“ meint Rachlin als er seinen alten Freund, den Cellisten Misha Maisky zitiert. ”Wenn Sie mir eine persönliche Bemerkung gestatten, ich schätze all die großartigen individuellen Bemühungen einiger der renommiertesten Agenturen, die sich um den Aufbau meiner professionellen Reputation gekümmert haben, selbst wenn ich mich nun entschlossen habe, einen anderen Weg zu verfolgen.” Seit diesem Jahr hat Rachlin eine kleinere Management Vertretung verpflichtet, die die voller Unternehmergeist steckende Alexia Blumenthal und sich ganz darauf konzentriert, all die Unternehmungen Rachlins und seiner Freunde unter einen Hut zu bekommen. Sie expandiert die Horizonte für Rachlins Wirkungsbereich weiter nach Nord- und Südamerika.
Am 15. Oktober eröffnete Rachlin die neue Saison vom ‘Philadelphia Orchestra’ unter der Leitung von Charles Dutoit, in dessen letzter Auftrittssaison als Chefdirigent des Orchesters seit 30 Jahren mit einem Sibelius Violinenkonzert eröffnen.
Rachlin ist zuvor mit dem ehrwürdigen Dirigenten aufgetreten, der weiterhin mit dem ‘Philadelphia Orchestra’ als sein Ehrendirigent während der 2012-13 Auftrittssaisons zusammenarbeiten wird.
Weitere bevorstehende Auftritte von Rachlin beinhalten Engagements mit: dem Israelischen Philharmonischen Orchester (Zubin Mehta); dem ‘Orchestra Filharmonica della Scala’ (Daniel Harding); dem Leipziger Gewandhausorchester (Josep Pons); dem Philharmonischen Orchester, Rotterdam’ (Yannick Nézet-Séguin); dem ‘Detroit Symphony’ (Leonard Slatkin) und dem ‘Ochestre National de la France’ (Daniele Gatti). Er wird auch sein Spielen /bei Inszenierungen von Aufführungen mit der ‘Academy of St. Martin in the Fields’, der Camerata Salzburg, der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen und den Moskauer Virtuosen fortsetzen.
Mit seinem festen Duo -Partner, dem Pianisten Itamar Golan wird Rachlin eine Reihe von Konzerten geben, einschließlich eines Beethoven Zyklus beim Beethovenfest in Bonn und eines Brahms Zyklus am ‘Concertgebouw’ in Amsterdam und im ‘Goldenen Saal’ des Musikvereins. Momentan schreibt der Komponist Krzysztof Penderecki für Rachlin ein Doppelkonzert, das beim Wiener Musikverein 2012 mit dem Symphonieorchester des Bayrischen Rundfunks unter der Leitung von Mariss Jansons uraufgeführt werden soll.
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